3.
Liga
Steigerwaldstadion
Zuschauer: 12 499 (1700 Gäste)
Genau eine Woche nach dem Thüringen-Pokal-Spiel in Altenburg saß ich
schon wieder im Regionalexpress nach Erfurt. Dieses Mal war das 101.
Thüringenderby im Visier. Seit dem Abstieg des FC Carl Zeiss Jena aus
der 3. Liga 2011 gab es keine Punktspiele zwischen den beiden größten
Vereinen des Bundeslandes. In der Zeit trafen sich die Rivalen dreimal
im Landespokal, wovon die beiden letzten Duelle die Jenaer für sich
entscheiden konnten. Durch den Wiederkehr des Carl Zeiss in den
Profifußball gibt es die Hoffnung, dass die Regelmäßigkeit dieses
durchaus interessanten Derbys wiederbelebt wird.
Bei Ankunft in der Landeshauptstadt traf ich erst mal einen Landsmann,
welcher schon frühzeitig zum Marsch der Erfurter angereist war, und wir
machten uns gemütlich auf den Weg zum Steigerwaldstadion. Die
Staatsmacht hatte natürlich schon ordentlich aufgefahren und zeigte
überall verstärkt ihre Präsenz. Kurz vor Ankunft am Stadion wurde von
uns noch beim Schnitzelheinz noch jeweils ein Pils gezischt, denn
schließlich gab es heute aufgrund des Risikospieles drinnen nur
alkoholfreies „Bier“. Dann ging es schon um das ganze Stadion rum, um
zum unserem Block zu gelangen. Mein erstes und letztes Mal im
Steigerwaldstadion war ich noch im Jahr 2013 mit dem Kollegen Harry
gewesen. Seitdem gab es hier durch den Umbau große optische
Veränderungen, aber so ganz modern und standardmäßig ist der Ground zum
Glück doch nicht geworden. Die alten im großen Winkel aufgestellte
Flutlichtmasten sind erhalten geblieben und die ehemalige Haupttribüne,
die sogenannte Westtribüne, steht auch weiterhin. Aufgrund der
Brandschutzauflagen bedarf die Westtribüne aber einer Sanierung, sodass
diese seit dieser Saison nur in Ausnahmefällen geöffnet werden kann.
Beim Derby musste die Tribüne von der Feuerwehr aus auch geschlossen
bleiben und so verlor der RWE knapp unter 50 000 Euro Einnahmen, welche
der Verein mit virtuellen Tickets einzutreiben versuchte. Sicherlich
wäre diese Tribüne zumindest gut gefüllt und deswegen ist es schon
traurig, wenn eine komplette Tribüne bei so einem brisanten Spiel leer
bleibt. Schon 20 Minuten vor Beginn waren die Ränge fast vollständig gefüllt. In
der Heimkurve konnte ich die Vorbereitung zur Choreo beobachten, die
Gäste stimmten sich währenddessen gesanglich auf das anstehende Derby
ein. Der Gästeblock war heute mit 1700 Jenaern, was bei dem heutigen
Fassungsvermögen eine ca. 15% Gästequote ausmachte, restlos ausverkauft.
Kurz vor Anpfiff gingen schon auf beiden Seiten die ersten Hassgesänge
los. Die Heimkurve startete zeitgleich mit ihrem Intro. Vorne am Zaun
war ein Spruchband „Das Thüringer Land fest in rot-weisser Hand“
aufgehängt und im Block wurde eine gut gemalte, detailreiche Choreo
hochgezogen. Links und rechts davon gab es ein jeweils rotweißes
Fahnenmeer zu bestaunen. Das Ganze wurde noch mit Pyrotechnik betont,
was insgesamt ohne Frage ein sehr gutes Bild abgab. Im Gästebereich
waren heute alle in selben Shirts aufgetaucht. Die ganze erste Halbzeit
über standen sie hinter einer gemeinsamen Zaunfahne „Dark Blue Gang“.
Zum Anpfiff wurde noch passend dazu blauer sowie schwarzer Rauch
gezündet. Akustisch waren beide Szenen im ersten Durchgang in etwa auf
gleicher Höhe. Zudem waren sogar die einheimischen Normalos sehr heiß
auf den heutigen Gegner und schlossen sich einige Male ordentlich den
Hassgesängen der Kurve an.
In der Halbzeitpause gab es bei der Auslosung des Thüringer Pokales eine
weitere Überraschung für die Zuschauer. In knapp einem Monat treffen
die beiden Landesrivalen in Jena im Rahmen des Achtelfinales des Pokals
aufeinander.
Die zweite Halbzeit läutete die Heimkurve unter dem Motto „Direct Action
Gets Satisfaction“ mit der Präsentation der Trophäen ein. Diese wurden
anschließend im Polen-Stil verbrannt. Jena ließ sich nicht wirklich was
anmerken und hängte darauf einige Sachen der Erfurter auf den Zaun. Die
Supportverhältnisse änderten sich in der zweiten Hälfte. Zuerst schon
dadurch, dass die Gäste mit kreativem Liedgut begannen, welches nicht
mehr vom ganzen Block mitgetragen wurde. Später kam noch das Tor der
Heimmannschaft dazu, das die Stimmung im Jena-Block erheblich
verschlechterte. In der Erfurter Kurve erreichte die Mitmachquote bei
dem Spielverlauf dagegen teilweise die 100%. Ab und zu wurde dort auch
vereinzelt Pyro abgebrannt. Es blieb bis zum Ende bei der Führung der
Erfurter und mit dem Gesang der Heimkurve „die Nummer Eins im Land sind
wir“ verließ ich und mein Kollege das Stadion. In meinen Augen ist das
Thüringen Derby fantechnisch schon sehr ansehnlich, wobei es aber
trotzdem nicht mit solchen Duellen der Fanszenen wie Dynamo, Hansa oder
Magdeburg vergleichbar ist.
Während es vor und beim Spiel direkt ruhig bleib, soll es bei der
Abfahrt der Jenaer am Bahnhof richtig Ärger zwischen den Fans und der
Polizei gegeben haben, wie ich es selbst vom gegenüberliegenden
Bahnsteig mitbekommen habe.
Text/Fotos: Шаффи



































