Sonntag, 1. September 2019

AIK - Djurgårdens IF 1:0

Allsvenskan
Friends Arena
Zuschauer: 45.367 (ca. 12.000 Gäste)


Der Tag startete heute für mich mit einer Free-Walking-Tour durch Gamla Stan, der mittelalterlichen Altstadt. Da Kollege Shaffi das oft macht, bin auch ich darauf wieder aufmerksam geworden. Hatte ich zwar schon mal in La Boca gemacht.
Danach aber nicht mehr. Ist aber ganz interessant, weil man viel Informationen bekommt. Unser Guide war ein Deutsch-Engländer, der hier seit zwei Jahren studiert.
Nach zwei Stunden konnte ich dann auch meinen alten 100 Kronen-Schein, der seit 2015 in meiner Geldkassette schlummerte, loswerden. Ansonsten hab ich dieses mal, wie in Schweden üblich, alles mit Karte bezahlt. 
Mit der Tunnelbana ging es danach zur Station Solna-Central und von dort aus zu Fuß etwa zwei Kilometer zur Arena. 
Die Friends Arena liegt in der Nähe der Solnaer Pendeltag-Haltestation, etwa sechs Kilometer vom Stockholmer Hauptbahnhof entfernt. Das alte Rasundastadion lag nur einen knappen Kilometer südwestlich des neuen Stadions. 
Es ist ein moderner Neubau, welcher 2012 eröffnet wurde. Schon von außen wirkt es durch seine Fassade sehr trist. Es fasst 54.329 Zuschauer und ist somit das größte Stadion im Lande, indem auch die schwedische Nationalmannschaft ihre Spiele austrägt. Das verschließbare Dach lässt sich in 20 Minuten schließen. 
Von außen könnte es der Zwillingsbruder der Tele2-Arena von DIF sein, von innen erinnerte es mich an Schalke. 
Das Derby wird auch das Tvillingderbyt (Zwillingsderby) genannt, weil beide Fußballabteilungen 1891 im Abstand von wenigen  Wochen nacheinander gegründet wurden. 
Die aristokratischen „Blaränderna (Blaugestreiften) kommen aus dem im Osten der Stadt liegenden Stadtteil Djurgården (Tiergarten), welcher auf einer Insel liegt, die zum Stadtgebiet gehört. 
Die größte Fanvereinigung bei Djurgårdens IF  ist „Järnkaminerna“, die älteste ist der „Djurgården Supporter Club“. Järnkaminerna wurde Ende der 70er als Blue Saints gegründet. Die führende Ultragruppe heißt „Ultra Chaos Stockholm“ und entstand 2003. Diese unterhält eine Freundschaft zur Ultraszene des VfL Osnabrück. 
Europaweit einzigartig ist der Verzicht der DIF-Fanszene auf Trommeln. Offiziell brauche man Trommeln nicht, da man das Hauptaugenmerk auf die Lautstärke des Supports sowie Choreographien und Pyroshows legt. Die Hool-Gruppe von DIF nennt sich „Djurgardens Fina Grabbar“ (Djurgardens Feine Kerle). Diese wurden heute mit 70 Mann von der Polizei festgesetzt, bevor es zum Aufeinandertreffen mit den Firman Boys kommen konnte. 
DIF ist einer der erfolgreichsten schwedischen Sportvereine, man wurde 11 mal Schwedischer Meister und 5 mal Pokalsieger. Sehr erfolgreich ist auch die Eishockey-Abteilung des Vereins. 
Der Allmänna Idrottsklubben wird oft fälschlicherweise mit dem Zusatz Stockholm oder Solna geführt, was aber beides falsch ist und der Verein einfach AIK heißt. Er steht unter dem Patronat des Königshauses und kommt aus der nordwestlichen Gemeinde Solna, war vorher aber in Stockholm beheimatet. 
Trotzdem verwendet die Fanszene oft den Zusatz Stockholm, wie in dem Banner das über ihrer Tribüne hängt als auch auf Klebern. Im Europacup-Spiel kam übrigens ein Stück des Banners "Stockholm" abhanden als sich Fans von Maribor in den gesperrten Oberrang schlichen. Dieses wurde allerdings vom Ordnungsdienst wieder zurück geholt und fand heute seinen traditionellen Platz über den Stehplätzen der Nordtribüne.  
AIK gewann 12 mal die Schwedische Meisterschaft und 8 mal den Pokal. Die Fanszene von AIK ist eine der größten und aktivsten des Landes. Die führenden Ultragruppen heißen „Sol Invictus“ und „Ultras Nord“, außerdem besitzt AIK einen Anhängerklub namens „Black Army“. Beheimatet ist die aktive Fanszene, wie schon früher im Rasundastadion, auf der Nordtribüne. 
Deren Hooligan-Firm „Firman Boys“ ist die Größte in Schweden. Die Fans von AIK werden auch „Gnagare“ (Nager/Ratten) genannt, was von den ausgewaschenen schwarzen Trikots kommt, die sie früher trugen. 
Schon knapp eine Stunde vor Anpfiff war ich im Stadion, wo sich beide Parteien schon die Chants um die Ohren hauten. Das war jetzt schon besser als das meiste was in Deutschland während eines Spiels abgeht. 
Auf Verpflegung verzichtete ich, brauch ich weder Popcorn noch Hot-Dog. Aber mit einem kleinen Trick gibt's Getränke gratis... 
AIK läutete das Spiel mit einer Fähnchen-Choreo ein, bei welcher der Schriftzug "AIK" mit gelben Fähnchen gebildet wurde. Untermalt wurde dies von den Spruchbändern: "Singt so wie euer Herz für Gnaget schlägt - Singt für eine weitere Meisterschaft". 
Djurgarden hielt blaue Pappen nach oben und vom Oberrang prangte der Spruch: "Im Skansen sind Schimpansen mit Bambusstöcken". 
Skansen ist ein Freilichtmuseum auf der Insel Djurgarden. Der Teil mit den Bambusstöcken bedeutet, dass sie mit AIK kämpfen wollen. Im Unterrang wurden Affen in DIF-Trikots hochgezogen und anschließend das Spruchband: "Wir jagen die Ratten und braten sie dann in Butter". 
Wie in Skandinavien üblich waren beide Choreos perfekt umgesetzt. Dazu sangen beide Fangruppen in ohrenbetäubender Lautstärke. Top-Auftakt ! Auch die gesamte erste Halbzeit nahmen sich beide nix, ganz hohes Level ! 
Bei DIF bewunderte ich, wie alle drei Ränge mitzogen. Auch dass sie ohne Trommel auskommen zeigten sie heute auf eindrucksvolle Weise. In Deutschland heißt es ja immer, ohne Trommel könne man eine größere Masse nicht koordinieren. Falsch, wie man an diesem Beispiel sieht.  
Bei AIK wurden im Bereich der "Ultras Nord" immer mal wieder Fackeln angerissen. Zudem wurden auf beiden Seiten Fahnen eingesetzt, wobei hier AIK den besseren Eindruck hinterließ. Die Zaunfahnen beider Seiten könnte mich ebenfalls überzeugen. 
Mein Favourite: "Djurgårn & Techno". 
Traditionell wurde in der 27. Minute Ivan Turina mit einer Trauerminute geehrt. Er war ein kroatischer Torwart, welcher für AIK spielte und vor allem in der Fanszene aufgrund seines Auftretens sehr beliebt war. Er starb 2013 im Alter von nur 32 Jahren im Schlaf. Er hatte einen angeborenen Herzfehler. Es wurde eine Fackel gezündet und auf der Leinwand erschien sein Bild, während die Zuschauer klatschten und seinen Vornamen skandierten. Es hängt auch immer eine Zaunfahne zu seinen Ehren. 
In der Halbzeitpause kündigten über Köpfe gezogene Fahnen Pyroshows an. Djurgarden startete mit einer für sie typischen, eindrucksvollen Rauchshow in blau-grau mit dem Spruch "Stockholms Stolz - Die ganze Stadt ist blau - Die ganze Stadt gehört uns". 
Ultras Nord gratulieren ihren Hannoveraner Freunden von Hannover West zu 10 Jahren Fußball und Gewalt. 
Dazu gab's später eine eilig gepinselte Antworttapete auf die Aufforderung zum Kampf. 
Schließlich wurde noch schwarz-gelber Rauch gezündet, welcher aber seine optische Wirkung etwas verfehlte. 
AIK gewann durch einen frühen Elfmeter das Zwillingsderby und so geht der Derby Fluch von DIF weiter. Denn seit 2012 konnte man kein Derby gegen AIK mehr gewinnen. Erstaunlich viele Leute blieben im Stadion um mit der Mannschaft den Derbysieg zu zelebrieren. Diese bedankte sich im gesamten Stadion bei den Leuten, während diese alle lauthals sangen. Auch mein Nebenmann ein etwas Älterer mit seinen Söhnen. Zudem zeigte er noch der schnell abwandernden DIF-Kurve den Mittelfinger. Top Lad, der mir auch die Spruchbänder übersetzte. Tack! 
Ein echtes Sahne-Spiel mit zwei Kurven auf allerhöchsten Niveau. Generell sieht AIK ja Djurgården als Hauptrivalen und nicht Hammarby, da diese sportlich eher bedeutungslos sind. Für mich ging es noch etwas Essen und zwei Biere gönnte ich mir auch noch, bevor ich mich ins Bett legte, denn frühmorgens ging ja mein Flieger. Muss ich noch erwähnen das ich anschließend wie immer gleich auf Arbeit bin ? Die Urlaubstage sind kostbar!  
Text/Fotos: Pressi