Prva Liga
Stadion FK Sindelic
Zuschauer: 500
Nach 4 Jahren Abstinenz sollte es endlich wieder mal zum Belgrad-Derby gehen. Shaffi war auch motiviert seinen Länderpunkt Serbien zu machen und so buchten wir uns den Wizzair-Flieger ab Dortmund. Hier sind die Preise nur halb so hoch wie bei uns im Umkreis. Und ob ich mit dem Zug nach Dortmund oder alternativ nach Frankfurt fahre, macht preislich auch keinen Unterschied.
Durch einen Kommunikationsfehler nahmen wir beide unterschiedliche Züge in Deutschlands selbsternannte Bierhauptstadt. Da ich sowieso versuchte Schlaf nachzuholen, da mir das Hamburg-Derby am Montag und der Ausflug zum Zvezda-Gastspiel in Fröttmaning noch ich den Knochen steckte, bemerkte ich das auch erst am Dortmunder Hauptbahnhof.
Dort ist es ja unmöglich zu schlafen und irgendwann gegen 3 Uhr lief mir der Kollege über den Weg. Zum Glück ist er dieses Jahr schon mal ab Dortmund geflogen, so ersparte ich mir den anvisierten Airport-Shuttle. Dieser sollte seinem Vernehmen nach saftige 9€ kosten. So nahmen wir die U-Bahn bis Aplerbeck und stiegen dort in den Bus zum Flughafen um. Kostet nur ein Drittel dessen.
Dort machten wir uns nochmal für zwei Stunden auf dem kalten, blank polierten Boden lang um noch etwas zu schlafen.
Nach dem Frühstück stellten wir uns in die lange Schlange des Check-Inns an und suchten in den Menschenmassen nach Hoppern. Schlussendlich dürften es ein Dutzend Fußballvagabunden im Flieger gewesen sein.
Pünktlich in der serbischen Hauptstadt gelandet, wusste ich noch den Abfahrtsort des Linienbusses Nr. 72, welcher gerade die Haltestelle verlassen hatte. Doch auf mein Winken öffnete der Kutscher des Gefährtes uns dankenswerterweise die Tür. Da ich noch eine Plastikkarte des Belgrader Verkehrsverbundes aus meiner Schatulle mein eigen nennen konnte, buchte ich routiniert die Fahrt ab und gab sie Shaffi, welcher dieses auch versuchte.
Nach kurzer Fahrt kamen doch tatsächlich zwei Kontrolleure in das Gefährt. Ich gab Ihnen die Karte und gab Handzeichen, dass sie für beide entwertet wurde. Doch anscheinend war nur meine Fahrt gebucht, denn es befanden sich wohl ein paar Cent zu wenig für die Fahrt des Ukrainers auf ihr. Netterweise ließen sie dies durchgehen und der Eingeborene hinter uns erklärte uns wie lange wir fahren können (90min.) und wieviel eine Fahrt kostet (was mir entfallen ist).
Kurioserweise kamen nach einer weiteren Viertelstunde zwei Kontrolleurinnen in das Personennahverkehrsgefährt. Die erste Reaktion meines Reisepartners war: „Ich steige jetzt aus“.
Mit dem Hinweis, der Einheimische hinter uns kann es Ihnen ja erklären, konnte ich ihn zum Bleiben überreden. Tatsächlich mischte sich der nette Serbe ein und nach kurzem Disput wurde uns auch Absolution erteilt. Also merkt es euch, Schwarzfahren ist in Belgrad nicht ratsam, übrigens kostet die Fahrt auch nicht so viel, als dass es sich lohnen würde.
An der Endstation Zeleni Venac verließen wir den Bus und machten uns auf Richtung Hostel. Vorher gingen wir noch in das kleine Imbisslokal „To Je To“, das der Kollege rausgesucht hatte. Für mich gab es Pljescavica und für ihn einen Fleischspieß. Wir teilten uns die Gerichte und ich muss sagen der Spieß hat mir sogar noch etwas besser geschmeckt. Wobei beide Speisen lecker waren !
Im Hostel bekamen wir ohne Abgabe von Ausweis und Geld einfach den Schlüssel für unser Einzelzimmer. So konnten wir recht schnell in ein Taxi springen und machten uns auf dem Weg zum Stadion Partizan um uns unsere Eintrittskarten für das Veciti Derbi schon mal zu sichern. Der Weg von 5 Kilometern war die Hölle, ständige Staus bremsten unser Vorankommen und der Taxifahrer schimpfte auf sein Land und den Verkehr. Selbst in Mexico-City wäre dieser besser, so seine Meinung.
Da wir in Eile waren und Shaffi seinen Länderpunkt in Gefahr sah, nahmen wir dasselbe Taxi zum Ground vom FK Sindelic.
Dies war heute das einzige Spiel und da wir mit mindestens 50 Hoppern rechneten, konnten wir es uns nicht erlauben zu spät zu kommen um der Hopperpolizei noch Nahrung zu geben.
„Würzburger Expertenrunde kommt zu spät zum Spiel !“ hätte man sicher auf vielen Instagram-Accounts lesen können ;-)
Doch rechtzeitig sicherten wir uns das schöne Eintrittsticket und in der wirklich netten Stadionkneipe gönnten wir uns noch ein Bier. Hier hab ich schon bei meinem Erstbesuch 2013 die meiste Zeit verbracht, sodass heute der Ground nochmal ehrenhaft gemacht wurde.
Kurz vor Anpfiff betrat Andre aus Hamburg mit seiner Frau Jess die Szenerie Ihn hatte ich ja damals bei Glentoran nach Jahren wiedergetroffen. Sie verbrachten ein paar Tage vorher in Mazedonien und haben uns somit den Länderpunkt voraus.
Zum Anpfiff standen wir pünktlich an der einzigen für Zuschauer zugänglichen Tribüne, welche mit rot-weißen Sitzen ausgestattet ist. Hinter dem einen Tor und auf der Gegenseite befinden sich noch Tribünen mit Stehstufen.
Die rechte Hintertor-Tribüne verfügt über keinen Ausbau.
Der FK Sindelic Beograd wurde 1937 gegründet und ist benannt nach Stevan Sindelic. Dieser war ein Serbischer Revolutionsführer in Resave, der während des ersten serbischen Aufstandes (1804-1813) gegen die Ottomanische Herrschaft kämpfte.
Während der Jugoslawischen Ära spielte der Klub nur Unterklassig. 2013 gewann man die dritte Liga, welche eine Staffel nur mit Belgrader Mannschaften hat und stieg in die zweite Liga auf.
Überraschenderweise hielt sich der Hopperauflauf doch in Grenzen und die prognostizierten 50 Hopper wurden heute bei weitem nicht erreicht. Hätte sicher bei einem Zvezda-Heimspiel etwas anders ausgesehen.
In der zweiten Halbzeit ließen wir uns im Biergarten mit Blick auf das Spielfeld nieder und orderten uns noch einige Pivos. Bei einem Preis von etwa 1,50 für den halben Liter Jelen kann man es sich ruhig mal gut gehen lassen.
Das Spiel konnte der Gastgeber gewinnen, irgendwann machten wir uns zu Fuß auf in die Stadt. Feinschmecker Shaffi suchte uns ein gut bewertetes Restaurant aus, in dem wir noch serbische Leckereien vertilgten. Anzumerken ist, dass die serbische Küche nicht ganz so abwechslungsreich ist und das meiste ja aus Hackfleisch besteht.
Esse ich aber gerne. Empfehlen kann ich zum Mahl Kaymak- Das ist ein Milchprodukt aus Kuhmilch, Büffelmilch, Schafmilch oder Ziegenmilch. Die Milch wird nach dem Melken für mehrere Stunden erhitzt. Die beim Erhitzen entstehende Oberschicht aus Rahm wird dann in mehreren Schritten abgeschöpft. Schmeckt echt oberlecker und passt eigentlich zu allem.
War eine echt lustige Runde, aber irgendwann brach man dann auf um nach der harten Nacht vorher mal wieder richtig zu schlafen, außerdem stand morgen um 11 Uhr schon das erste Fußballspiel in Zemun an.
Nach langem Abwägen entschieden wir uns in Belgrad drei Spiele zu machen, statt mit einem anderen Hopper den Doppler Kula und Novi Sad anzusteuern. Das hätte uns nämlich noch eine Hin- und Rückfahrt nach Novi Sad beschert.
Text/Fotos: Pressi
















