Freitag, 6. September 2019

FK Universytet Chernivtsi - FK Nepolokivtsi 1:4

Superliga Oblast Chernivtsi
Stadion Malva
Zuschauer: 70 (ca. 35 Gäste)


Kurz vor halb acht starteten wir mit dem Zug aus Ivano-Frankivsk in die Hauptstadt der benachbarten Oblast – Chernivtsi. In der Ukraine macht es aufgrund der Straßenverhältnisse auf manchen Strecken tatsächlich keinen Unterschied, ob man mit Marschrutka/Bus fährt oder eben die Bahn nimmt. So ist es auch zwischen den beiden genannten Städte.n Die ca. 140 km wurde in mehr als zweieinhalb Stunden zurückgeleg, sodass wir um 10 Uhr in Chernivtsi eintrafen. Die Stadt Chernivtsi, die zugleich im deutschsprachigen Raum als Tschernowitz bekannt ist, ist nicht nur die Hauptstadt der gleichnamigen Oblast, sondern auch das traditionelle Zentrum von Bukovina (deutsch: Buchenland). Es ist eine Region, die heutzutage Teile der Ukraine und Rumäniens umfasst.
Für mich ist Chernivsti, die ca. 260000 Einwohner hat, eine der schönsten Städte im Lande. Durch die schlechte Erreichbarkeit und das Fehlen eines internationalen Flughafens, ist sie nicht so überlaufen wie Lviv (Lemberg). Kulturell hat aber Chernivsti sicherlich nicht weniger zu bieten! Mein erstes Mal war ich hier 2014 bei einem Auswärtsspiel meines Vereins und seitdem ist es bereits mein dritter Besuch in der Stadt. Unsere Unterkunft hier hatten wir gleich für zwei Nächte gebucht. Nach einem Frühstück checkten wir im Yard Hostel ein und machten uns dann weiter auf den Weg, denn wir wollten uns noch eine Burg außerhalb von Chernivtsi anschauen. Also sind wir mit dem Oberleitungsbus zum Busbahnhof gefahren und von da mit der Marschrutka in das 70 km entfernte Khotyn gereist. Dort angekommen marschierten wir quer durch die dorfähnliche Stadt bis zur Burg. Die Anlage ist wenig spektakulär, nur die Lage am Dnister, dem zweitgrößten Fluss der Ukraine, macht die Burg so besonders. Bevor es wieder zurück ging, wurde noch das kleine ranzige Stadion in Khotyn gespottet. Bei der Rückkehr in Chernivtsi wurde der Platz 3 unter den Restaurants der Stadt Panska Guralnya aufgesucht, um dort zu Mittag bzw. Zu Abend zu essen. Das Restaurant, welches total auf Edel macht, ist dennoch preislich im Vergleich zu den klassischen Touristenstädten der Ukraine total lachhaft. Danach musste ich mich erstmal ausruhen, denn die Flasche Horilka (ukrainischer Wodka), die wir uns dort teilten, hatte seine Wirkung gehabt. Gegen 21 Uhr war ich aber wieder fit und es ging auf die Suche nach Karaoke. Mein Kollege hielt es noch nicht für eine besonders gute Idee, denn zu Zweit mache das „Singen“ wenig Spaß… Doch der Abend wurde sogar doch noch sehr lustig. Obwohl der gefundene Laden halbleer war, kam es dazu, dass wir uns mit vier Einheimischen zusammenschlossen und uns den Spaß am Singen bis 3 Uhr nachts teilten. Die ganze Situation an sich wäre in Deutschland so total unvorstellbar: Es kommt jemand total fremdes in eine Gruppe und wird dabei noch so aufgenommen, als ob man schon 20 Jahre durch dick und dünn gegangen wäre. Sei es drum, das Highlight war natürlich meine One-Man-Show beim Singen des neuen Rammstein-Hits „Deutschland“. Am nächsten Tag widmeten wir uns ganz der Stadt Chernivtsi. Dabei konnte ich für mich ein paar neue interessante Plätze, wie die Aussichtsplattform sowie einen alten jüdischen Friedhof, erkunden. Vor dem geplanten Spiel wurde in einem rumänischen Restaurant gegessen, denn die Region Bukovina ist durch die benachbarte Grenze stark von den Rumänen beeinflusst. Zum anstehenden Spiel der Oblast-Meisterschaft wollte ich ein Taxi arrangieren, doch dieses wollte aufgrund des Feierabendverkehrs einfach nicht kommen, sodass ich als Hopper ordentlich in Stress geraten bin. Schließlich wurde aber gerade rechtzeitig doch eine freie Karre angehalten und wir standen pünktlich am Ground. Dieser liegt übrigens direkt am Ufer des Flusses Pruth, welcher mit 953 km der zweitgrößte Nebenfluss der Donau ist. Ausgebaut ist das Stadion nur auf einer Seite mit einer Tribüne, die mit 2500 Sitzschalen ausgestattet ist. Profispiele finden hier inzwischen nicht mehr statt, da der Drittligist Bukovina seine Heimspiele nur noch im großen Stadion „Bukovina“ austrägt. Doch in den 90ern ist der Club für die Pokalspiele öfter hierhin ausgewichen. Das Stadion Malva ist ein recht historischer Sportplatz und war seit 1922 die Heimat des deutschen Verein Jahn Czernowitz. Damals war dieses Stadion einfach nur als Jahnplatz bekannt. 1924 fand auf dem Jahnplatz das Städtespiel zwischen Czernowitz und Bukarest statt, das mit 6000 Zuschauern immer noch der Zuschauerrekord für das Stadion ist. Seit 1940 besteht aber der deutsche Club nicht mehr und so wird der Ground seitdem von allen möglichen Stadtvereinen genutzt. An diesem Freitag kickte eben im Rahmen der Oblast-Meisterschaft, die die 5. Liga des Landes darstellt, die Mannschaft der Universität gegen eine Siedlung 24 km nordwestlich von Chernivtsi. Mindestens die Hälfte der wenigen Zuschauern waren dem Gastverein zuzurechnen. Eine Gruppe der Gästefans war sogar mehr als ordentlich für den Ausflug in die Hauptstadt der Oblast ausgestattet… In der Halbzeitpause wurde nämlich auf einer LKW-Fußmatte der Proviant bestehend aus Grillhähnchen und mehreren Horilka-Flaschen ausgepackt und natürlich bis zum Abpfiff alles fleißig verzerrt. Wir wurden zwar nicht zum provisorischen Tisch eingeladen, feierten aber dennoch den Anblick und die Gesellschaft.
Nach dem torreichen Spiel ließen wir den Abend bis in den nächsten Tag hinein bei zwei geilen und zudem kostenlosen Rock-Konzerten ausklingen… 


Text/Fotos: Шаффи