Sonntag, 1. September 2019

CSKA Sofia - Levski Sofia 2:2

Parva Liga
Vasil Levski Stadion
Zuschauer: 22 200 (ca. 13 000 Gäste)


Eigentlich sollte an dem Tag des Sofia-Derbys ganze drei Spiele geschaut werden, doch nachdem das ersehnte Spiel im genialen Rakovski-Stadion kurzfristig verlegt wurde, hatte ich wenig Lust auf die Alternativen in den relativ langweiligen Stadien und ließ den Tag erstmal ruhig angehen. Zum Frühstück gab es in der Nachbargasse am Markt in einer kleinen Bäckerei wieder Baniza und dazu Ayran. Dann flanierte ich etwas durch die Innenstadt und wurde auf einer Free-Walking-Tour aufmerksam. Dadurch, dass ich die ganze Planung spontan umgeworfen habe, habe ich gar nicht mehr dran gedacht nach solch einer Führung explizit zu suchen.
Schließlich hat es dann doch gepasst und ich war für die nächsten zwei Stunden gut bedient. Anschließend konnte ich mich kurz in dem Doctors' Garden ausruhen bevor es dann noch zum Mittagessen wie schon am ersten Tag ins Izbata Tavern ging. Wer mich kennt, weiß, dass ich eigentlich nirgendswo im Urlaub zweimal innerhalb kürzester hingehe. Doch die alternativen Läden waren alle entweder zu weit vom Stadion oder geschlossen und so musste ich die Pille eben schlucken.
Nachdem ich mich dem Ground näherte, wurde ich vom Polizisten bereits nach der Zugangsberechtigung gefragt und mein Rucksack wurde auch schon durchgechekt. Das anstehende Derby war zwar wie immer nicht ausverkauft, aber am Spieltag selbst gab es keinen Kartenverkauf. Dafür lief es dieses Mal nicht nur Vorort, sondern auch auf die zivilisierte Weise – nämlich online. Die Kartenpreise waren mit maximal 10 Euro ziemlich lächerlich. Das Nationalstadion ist nach dem Freiheitskämpfer Vasil Levski aus der Zeit der Bulgarischen Wiedergeburt benannt. Vasil Levski ist ein wahrer Held, sodass nach ihm nicht nur das zweitgrößte Stadion der Republik, sondern auch noch viel mehr im Land benannt ist. Wie ihr euch jetzt denken könnt, ist selbst der 26-fache Meister Levski nach dem Herrn benannt. Nachdem das Plovdiv Stadion (offiziell: 55 000 Plätze) nicht wirklich bespielt wird, ist das Nationalstadion mit seiner Kapazität von 44 000 Plätzen damit das größte aktive Stadion im Land. Es wird neben den Länderspielen, Pokalfinalen auch eben für Ausweichspiele wie das heutige Derby verwendet. Bevor das Stadion in Razgrad fertiggestellt wurde, trug hier noch der Oligarchen-Verein Ludogorets seine zahlreichen Europapokalspiele aus.
Meinen Platz hatte ich auf der Haupttribüne, wo auch noch die Fans der Hausherren Platz nahmen. Die deutlich besser gefüllte Gegengerade ging dagegen komplett an die Fans von Levski. Diese sind generell schon der Fanbasis des Armeeclubs überlegen. Diese Entwicklung stammt noch aus den Zeiten des Sozialismus als Levskidie Volksmannschaft war (ähnlich wie Spartak in Russland), während CSKA als zentraler Sportclub der Armee Systemtreue zeigte. Nach der Wende konnten die Blauen deutlich erfolgreicher werden, während CSKA weniger Erfolg hatte. Die letzten Jahre waren sogar noch trauriger für den Armeeclub gewesen. Im Jahr 2015 landete der Rekordmeister zunächst nach dem Lizenzentzug in der dritten Liga, nach einer Saison konnte man sich zwar die Lizenz von Litex schnappen und prompt war der Verein wieder in der ersten Liga. Doch diese Entwicklung wurde von manchen Fans nicht akzeptiert, worauf gleich im Sommer 2016 ein weiterer Club CSKA gegründet wurde. Dieser trägt seine Spiele im Rahmen der zweiten Liga übrigens auch in dem Nationalstadion aus. Nun aber zurück zum Thema! Die CSKA-Kurve war schon frühzeitig ordentlich mit vielen kleinen Fahnen beflaggt, während auf der gegenüberliegenden Seite die Gäste erst einmal die Trophäen ausgehängt hatten. Die Heimszene ist seit nicht allzu langer Zeit gespalten. Die Gruppen um die Ultras Levski standen heute auf der Gegengerade, während Sector B und andere Gruppen sich in der Kurve breit machte. Zum Anpfiff gab es keinerlei Intro mit dem Soundtrack von Fluch der Karibik oder was da sonst bei uns im Stadion gespielt wird. Die Choreos laufen im Osten ja meistens gar nicht pünktlich zum Spielbeginn, sondern sind irgendwann während dem Spiel und ohne jegliche Hintergrundmusik. Persönlich finde ich es besser, da damit das Highlight der Ränge eben nicht gleich zu Beginn gezeigt, sondern für den Höhepunkt des Spiels aufgeschoben wird. Mit der Show ging es dann in der ersten Hälfte zuerst bei Levski los. Während vorne die ganzen gezogenen Fansachen von CSKA in Flammen aufgingen, wurde in der Kurve mittig das große Spruchband „Wir halten Sofia sauber“ hochgehalten“. Zeitgleich ging die Mannschaft in Führung und feierte den Treffer an dem Zaun mit den brennenden Utensilien der Feinde. Auf der anderen Seite liefen währenddessen die Vorbereitungen für die eigene Choreo… Diese wurde heute sichtbar von einigen Moskauern unterstützt. In der Kurve wurde dann schließlich eine Blockfahne mit einem Typen, der Saw-Maske trug, ausgerollt und vorne am Zaun hing das Banner mit dem englischen Satz „Eure Angst vor uns wird niemals verschwinden“. Dahinter soll auch noch ein weiteres Spruchband gegeben haben, doch nachdem die Blockfahne wohl ungewollt wieder zusammengerollt wurde, gab es auch keine Fortsetzung der Choreo. Schade! Die Atmosphäre in der riesigen Schüssel, die der offiziellen Information nach nicht einmal zur Hälfte gefüllt gewesen ist, war schon nicht verkehrt gewesen. Leider blieben die erwähnten optischen Aktionen die einzigen an diesem Tage. Pyrotechnik war komplett Fehlanzeige, was das 203. Sofia-Derby im schlechten Sinne ganz besonders gemacht hat. In der zweiten Halbzeit wurden von beiden Seiten noch eine Reihe beleidigender Spruchbänder gezeigt. Auf dem Platz führte Levski eigentlich schon ab der 18. Minute mit 2:0 und es schaute zunächst nach einem klaren Sieg der Volksmannschaft aus. Doch gegen Ende des Spiels konnte CSKA noch mit dem zweiten Tor in der 88. Minute sogar das Unentschieden im Stadtderby rausholen.
Noch vor dem Spiel habe ich einen rumänischen Hopper, der auch noch Fan vom Zweitligisten Petrolul Ploiești sei, kennengelernt und so ging es zusammen mit ihm auf ein paar Bier in eine Kneipe, wo auch die Althools von CSKA in Feierstimmung am Start waren. Nach ein paar Stunden trennte mich von meinem neuen Bekannten und reiste mit der Metro in den Flughafen, wo gegen Mitternacht mein Flieger nach Odessa ging. Довиждане, България! Der nächste Besuch lässt nicht lange auf sich warten...


Text/Fotos: Шаффи