First Division
Den Dreef Stadion
Zuschauer: 3561 (25 Gäste)
Von Brüssel aus waren es nur 30 Kilometer nach Löwen, einer 100.000 Einwohner-Stadt in der Provinz Flämisch-Brabant. Dort wurden wir vom Sachseninformer direkt am Stadion rausgelassen. Er hatte den Ground schon und wollte stattdessen mit seiner Freundin essen gehen. In Anbetracht dessen was einen erwartet, sicher nicht die falscheste Entscheidung.
Beim Fotografieren des Stadions von außen trat einer der Polizisten auf uns zu und befragte uns was wir hier denn machen würden, wer wir seien und ob wir schon Karten haben.
„Ah Groundhopper !“ war sein Kommentar auf die Erklärungen vom Junior Hofer und so schien seine Neugier an uns befriedigt zu sein. Die Tickets kauften wir uns schon einmal und da die Tore noch verschlossen waren, suchten wir uns eine Kneipe da wir Durst hatten und wir beide doch recht dringend kacken mussten.
Gerade so schaffte ich es noch auf die Schüssel bevor sich der Durchfall seinen Weg durch meinen Körper bahnte. Puh das war echt knapp! Dieser Friteusenfraß bekommt mir wohl nicht so, dabei habe ich ja echt nicht viel davon gegessen.Daran sieht man ja wie gesund diese Art von Essen ist !
Als Bier gab es für mich das Duvel, welches mit 8,5% doch eher zu Kategorie Starkbier gehört. Danach machten wir uns auf zum Stadion und am Einlass gab es schon wieder Palaver mit den Ordnern. Nur die Sprachbarriere verschloss uns den genauen Sinn oder den Auftrag der Security. Ich hatte zwar mal Französisch in der Schule und war sogar mal in Frankreich auf Schüleraustausch, doch da ich seitdem meine Frankreich-Aufenthalte und Nutzung der Sprache auf ein absolutes Minimum beschränke, ist doch der Großteil meiner Sprachkenntnisse verschüttet gegangen.
Beim Betreten des Blockes war uns dann auch klar, warum die Polizei und Ordner bei zwei eher Casual gekleideten Besuchern recht nervös reagierten. Wir waren im Gästeblock gelandet !
Nun machte das auch alles Sinn, denn unter dem Riesen „Ultras Tubiziens“-Banner an der Rückwand des Blockes sammelten sich doch eher kuttig orientierte Mitfünfziger, teilweise mit Halbglatze !
Prüfender Blick auf die Traversen und keinerlei Grobzeug das dem dummen Gästeblock-Hopper an den Kragen will entdeckt. Ärgere ich mich sonst immer falls mir das passiert, fand ich das jetzt doch recht witzig. So konnte man wenigstens die Heimtribüne und beide Längsseiten ablichten. Außerdem erwartete man von der Heimszene mehr als von diesem Haufen hier.
Warum dieser sich Ultras nennt und ein doch recht witziges Comiclogo als Gruppenlogo hat, konnten wir auch nicht klären.
Das Den Dreef Stadion trägt jetzt den Beinamen King Power, welches die thailändische Duty-Free-Kette ist. Diese ist seit Mai 2017 auch der neue Besitzer des Vereins. Ihr gehört auch der englische Club Leicester City, dessen Präsident ja kürzlich bei einem tragischen Hubschrauberabsturz ums Leben kam. Überall wehen Thailand-Flaggen, eine „Beautiful Thailand“-Werbung ziert das Trikot und der heute leider verletzte thailändische National-Keeper wurde obendrein wohl zwangsverpflichtet.
Das Stadion wurde lange Zeit als Radrennbahn genutzt und erst in den 1960er Jahren in ein Fußballstadion umgebaut. 2002 wurde es in eine reine Fußballarena umgewandelt und seit 2015 etappenweise die Kapazität erhöht. Heute passen 10.000 Zuschauer in das Stadion, das je zwei fast baugleiche Seiten hat. Im Spiel ging der Gast recht früh in Führung und der Gästehaufen drehte für seine Verhältnisse frei. So schwenkten sie Fahnen und Schals und hatten ihren Spaß. Ist ja auch die Hauptsache.
Auf der Gegenseite bot sich ein Bild des Schreckens, da ging wirklich gar nix und auch vom Tribünenpublikum kam absolut nichts. Was für ein Sinnlos-Verein !
OHL wurde erst 1957 gegründet und spielte lange Zeit nur unterklassig. Erst 200 gelang vor dem Stadtrivalen Stade Löwen der Meistertitel in der 4. Division. Ende der Saison 2001/02 verschwanden beide Ortsrivalen Stade Löwen und Koninklijke Daring Club Löwen von der Bildfläche, da der Klub zur selben Zeit seinen Namen in Oud-Heverlee Löwen änderte, wird fälschlicherweise behauptet, dass die beiden Vereine mit Oud-Heverlee fusionierten.
Dem ist aber nicht so, denn Stade Löwen stellte den Spielbetrieb wegen Überschuldung ein und Daring Club existierte noch bis 2003. Man spielte sogar insgesamt 4 Spielzeiten in der Jupiler League. Eine richtige Fanszene scheint sich trotz allem nicht gebildet zu haben, weder Zaunfahnen, noch sonstiger Tifo waren zu sehen.
Nochmal etwas zu den Zuschauerzahlen bei Soccerway. Das Portal ist ja echt klasse und für Hopper unverzichtbar, aber wie sie zu den Zuschauerzahlen kommen ist mir nach dieser Tour ein Rätsel.
So waren schon bei St. Gilloise 5.850 Besucher angegeben. Der Verein schrieb uns von 3250 Zuschauer. Bei diesem Kracherspiel sind es bei Soccerway sogar utopische 7351 Besucher...wir schätzten das Publikum auf maximal 2.000.
Da frag ich mich ob manchmal die Zahl einfach ausgewürfelt wird ?
Leider klappte es nicht den Ordner ihr Fresspaket zu stibitzen und wir mussten ohne Proviantbeutel von dannen ziehen.Nach dem Spiel wurde man von den anderen beiden aufgelesen und es ging recht zügig wieder Richtung Heimat, wo man in den frühen Morgenstunden am Rasthof Würzburg aus dem Auto entlassen wurde. Nette Besatzung und trotz des Mietwagens eine supergünstige Tour !
Kurioserweise gab es vier Auswärtssiege zu sehen und somit setzt sich der Trend des letzten Jahres weiter fort ! So konnte man noch kurz die Augen im heimischen Bett schließen, bevor es wieder auf die Arbeit ging.
Das Leben ist nicht immer schön zu mir.
Licht und Schatten steh´n gemeinsam vor der Tür!
Text/Fotos: Pressi



























