Samstag, 12. Januar 2019

Kozakken Boys - SVV Scheveningen 2:3

Tweede Division
Sportpark De Zwaaier
Zuschauer: 800 (ca. 50 Gäste)


Nach drei Wochen Winterpause wird es nun endlich auch für mich mal Zeit ins neue Fußballjahr einzusteigen. Da sich meine ursprüngliche Fahrgemeinschaft zerschlagen hatte, buchte ich mich bei der in einer Hopping-Gruppe annoncierten Tour vom Junior Hofer ein. Leider ließ er schon da meine Hoffnungen platzen. Da er Barzahlung für die Tour forderte und keine alten Eintrittskarten oder Apfelmus akzeptierte. Ja ihr habt richtig gelesen. Es soll wohl wirklich Leute in der Hopper-Szene geben, die mit Apfelmus oder alten Eintrittskarten versuchen zu bezahlen. Während Eintrittskarten noch einigermassen akzeptabel sind, sofern jemand Karten von Spielen sammelt bei denen er nicht persönlich anwesend war. Aber eine Packung Apfelmus, welche ja so ungefähr den Wert von 49 Cent hat....es gibt schon komische Vögel unter den Hoppern!
So wurde ich Samstag morgen am Rasthof Würzburg eingesammelt. Mit an Bord war noch der Sachseninformer samt Freundin und es ging mit einer Mietschüssel Richtung Benelux-Staaten. Diese stehen bei mir ja nicht so hoch im Kurs. Verbinde ich doch die Niederlande größtenteils mit purer Langweile. Baukastenstadien mit wenig Stimmung und Club Card. Belgien hat da, vor allem in Sachen Stadien doch mehr zu bieten. Stehen dort doch viele alte, charmante Buden. Aber irgendwie liegt mein Fokus halt auf anderen Ländern. So ging es 500 Kilometer westwärts in die Provinz Nordbrabant, vorbei an der trostlosen Landschaft der Niederlande bei Schmuddelwetter.
Auf den Wiesen konnte man ab und zu Schafe beobachten, welche wie ein Maikäfer auf ihrem Rücken lagen und alle Viere nach oben streckten. Dachten wir zuerst diese seien tot, schaffte Kollege Google Abhilfe. Normalerweise hat ein Schaf kein Problem nach dem Ausruhen wieder auf die Beine zu kommen, doch manchmal schafft es dies nicht aus eigener Kraft. Wenn die Schafe sehr dicke Wolle haben, weil sie kurz vor der Schur stehen oder wenn sie hochtragend sind, klappt es mit dem Aufstehen manchmal nicht. Dies hat allerdings nichts mit ihrem Alter oder einer Krankheit zu tun, es ist einfach nur ihr Gewicht. Sie versuchen dann sich hochzuschaukeln und kippen dabei manchmal auf den Rücken. Aus dieser Lage kommen sie ohne Hilfe nicht mehr alleine hoch. Solche Unfälle können nicht vermieden werden und die Tiere können so ein bis zwei Tage auf dem Rücken liegen bleiben, bevor es stirbt. Hier schafft das sogenannte "Schafe schubsen" Abhilfe. Hiermit rettet man den armen Tieren das Leben. Diese Story und die lustig aussehenden hilflosen Schafe sorgten bei der ganzen Autobesatzung für Heiterkeit. Auch hat man wieder einmal etwas gelernt. Da sage mal einer Hoppen bildet nicht!
Schließlich erreichten wir Werkendam, welches etwa 50 Kilometer südöstlich von Rotterdam an der Nieuwe Merwede liegt. Dieses ist ein zwischen 1861 und 1874 künstlich angelegter Teilabschnitt des südlichsten und hydrologisch leistungsfähigsten Rhein-Mündungsarmes in den Niederlanden. Werkendam wurde übrigens zu Jahresbeginn mit den Gemeinden Aalburg und Woudrichem zur neuen Gemeinde Altena zusammengeschlossen und hat nun insgesamt 27.000 Einwohner. Der Ort hat einige große Binnenhäfen, vor allem zur Wartung und Reparatur von Rhein- und anderen Binnenschiffen. Auch ist es der Heimatort vieler Baggerschiffsunternehmen. Die Kozakken Boys aus dem Ort Werkendam wurden 1932 gegründet und spielen in der dritten holländischen Liga. Der außergewöhnliche Name stammt von den Donkosaken. Diese bildeten sich ab dem 15. Jahrhundert als Wehrbauern gegen die Tartaren. Sie lebten am Don und seinen Nebenflüssen. Das Land war bei ihnen Gemeinschaftsbesitz. Um 1800 stellten sie 70.000 Kämpfer der russischen Armee in den Koaltionskriegen gegen Napoleon. Unter General Platow errangen sie mehrere Siege gegen die Franzosen und ihre Verbündeten. So befreiten sie auch Werkendam 1812 von der französischen Besatzung. Sehr sympathisch diese Kosaken, sozusagen wahre Top Lads denn wer will schon von Franzosen besetzt sein ???
Da wir noch etwas Zeit hatten ging es vor dem Spiel in eine Fritur. Während die meisten Hopper diese Art der Ernährung feiern, finde ich diesen Fettfraß eher weniger gut. Ein großes Hungergefühl verspürte ich sowieso noch nicht also blieb es bei mir bei einer kleinen Portion Pommes.
Am Ground abgeparkt ging es hinein in den Sportpark, welcher zwei Tribünen an den Längsseiten eines Kunstrasen hat. Über dem Funktionsgebäude wurde eine Sitzplatz-Tribüne errichtet, während gegenüber eine überdachte Stehtribüne steht. Auf dieser befindet sich auch der Standort der Q-Side, welche sich in der Mitte der Tribüne mit einem schönen Graffiti verewigt haben. Ein paar Schwenker lagen auch rum, von denen wurde aber heute, wie von den Stimmbändern auch keinerlei Gebrauch gemacht. Besonderheit noch silberne Namensschilder an den zwei Treppenstufen, die sich wohl die örtlichen Supporter mit einer kleinen Geldspende erworben haben. Witzig auch die zwei großen Werbeschilder der örtlichen Fanclubs von Feyenoord und Ajax. Hier lebt man wohl in friedlicher Koexistenz nebeneinander.
Das Spiel der holländischen dritten Liga war ganz nett anzuschauen und es fielen zum Jahresauftakt doch recht viele Tore, während es erwartungsgemäss stimmungsmässig absolut nichts zu berichten gibt. Der immer wieder einsetzende Regen machte die Sache auch nicht schöner und so fror man sich dem Abpfiff entgegen. Wie immer ist das erste Spiel des Jahres harte Kost. Aber immerhin konnte dieses wenigstens im Ausland gefeiert werden.Nun ging es sofort zum Auto und weiter nach Machelen, denn da wartete schon das nächste Spiel auf uns.

Text/Fotos: Pressi