Estadio Mestalla
Zuschauer: 36 912 (ca. 150 Gäste)
Die zweite Woche der Dienstreise war zunächst Arbeit angesagt. Donnerstag war aber kurz, denn eigentlich hätte es nachmittags nach Hause gehen sollen. Doch während alle meine Arbeitskollegen am Lufthansa-Schalter eincheckten, nahm ich mir den Freitag frei und fuhr mit der Bahn zum Sants-Bahnhof. Dort traf ich mich mit meiner Begleitung und bevor wir in den Zug nach Valencia steigen sollten, war noch ein Mittagessen geplant. Gepäckaufbewahrung wollte unverschämt viel Geld für 2,5 Stunden Koffer einlagern, sodass wir diese mitnahmen. Es war aber auch kein Problem, denn das ausgesuchte Lokal La Paradeta Sants war lediglich 400 Meter entfernt. Es ist eine relativ beliebte Kette in Barcelona, die sich auf Meeresfrüchte und Fisch spezialisiert. Jedoch ist es kein Schickimicki-Laden, sondern ein recht einfacher, aber doch ansprechender Laden.
Nach der Mahlzeit kam schon unser Zug in die drittgrößte Stadt des Landes. Valencia liegt an der Küste, in etwa 350 km südlicher von Barcelona. Gesprochen wird hier wie in Barcelona auch Katalanisch, wobei die Einheimischen ihre Sprache als Valencianisch bezeichnen. Mit der Politik Kataloniens mag man hier nichts zu tun haben und sieht sich als stolzer Spanier. Ich hatte sie länger auf dem Schirm gehabt. Zwar nicht nur wegen dem Estadio Mestalla, das sicherlich zu den genialsten Grounds des Kontinents gehört, sondern auch allgemein, weil ich von Valencia als Stadt bislang nur positives gehört habe. Der erste Eindruck beim Weg vom Bahnhof ins Zentrum bestätigte die hohen Erwartungen und man freute sich auf die anstehenden drei Tage. Gesundheitsbedingt wurde in der Zeit jedoch nur flüchtig die Altstadt, der Markt und der Jardín del Turia (Turia-Garten) erkundet... Valencia konnte aber schon schnell den Erwartungen gerecht werden. Sie landet definitiv auch in meiner Liste der Top-Städte. Sicherlich werde ich irgendwann mal wieder hierhin reisen, um den fehlenden Sehenswürdigkeiten sowie einen der beiden anderen Erstligisten (Levante und Villareal) einen Besuch abzustatten. Das Highlight war für mich übrigens der Jardín del Turiage, eine Parkanlage, welche im ehemaligen Flussbett der Turia in den 80ern errichtet wurde. Die Anlage bildet einen Halbkreis um die Altstadt und bietet zahlreiche Erholungsmöglichkeiten für die Einwohner an. Neben Sightseeing wurde am Samstag natürlich auch noch das Spiel in Mestalla angesteuert. Das Stadion dürfte jedem Fußballfan dieser Welt bekannt sein. Es steht genau so für den kontinentalen europäischen Fußball wie das Camp Nou oder das Santiago Bernabeu. Im Jahr 1923 wurde das Stadion erbaut und seitdem mehrmals umgebaut. Der letzte Ausbau war noch 1989, sodass es noch so auf die spanische Art old school da steht. Neben zahlreichen Spielen des 6-fachen spanischen Meisters (FC Valencia) durfte hier 1982 die Gruppenphase der WM sowie bereits 10 Mal das Finale des Copa del Reys ausgetragen werden. Das Nou Mestalla soll es seit Jahren ersetzen, doch dieses befindet sich bereits seit 2007 im Bau. Nach dem aktuellen Stand soll es wirklich in zwei Jahren eröffnet werden. Damit würde der Stadionbau in Valencia genau so lang wie die Errichtung des neuen Berliner Flughafens dauern. Sei’s drum, denn wäre das neue Stadion wie geplant 2013 fertig gewesen, würde ich heute nicht mehr die Gelegenheit haben das „echte“ Mestalla zu kreuzen. Vor dem Spiel schaute ich noch kurz in die Kneipe „El Bombo“, die dem europaweit bekannten Trommler Manolo gehört, vorbei. Der gute Mann, der 3 Tage danach seinen 70. Geburtstag feierte, reist seit 1982 der spanischen Nationalmannschaft hinterher ohne ein Spiel zu verpassen. Zum FC Valencia geht er jedoch schon seit 18 Jahren, nachdem ihm der Verein keine Karte für das Champions League Finale gegen FC Bayern organisiert hatte, nicht mehr. Die Persönlichkeit ist so legendär, dass sogar der Trommler von Bökelberg, der inzwischen verstorbene türkisch stammende Ethem Özerenler, den Spitznamen Manolo in den deutschen Fankreisen getragen hat. Im Unterrang der Kurve, rechts von der Haupttribüne, ist die Fanszene der Fledermäuse angesiedelt. In solch einem riesigen Stadion schaute diese verhältnismäßig klein aus und machte keinen ernstzunehmenden Eindruck. Stimmung kam ab und zu dennoch auf, aber es ist eben wie erwartet nichts Außergewöhnliches gewesen. Allgemein muss ich aber betonen, dass ich es in Valencia vom Feeling her generell besser als im Camp Nou empfand: Dort sind wirklich viel mehr Touristen unterwegs und der Support war für meinen Geschmack in Barcelona noch schwächer. Die Gäste aus der nordspanischen Stadt Valladolid waren in etwa mit 150 Mann am Start, verbrachten aber zum größten Teil die 90 Minuten des Spiels im Sitzen und ohne ernsthafte Supportversuche.
Text/Fotos: Шаффи








































