Samstag, 6. Juli 2019

IBV Vestmannaeyjar - KR Reykjavik 1:2

Urveilsdeild
Hasteinsvöllur
Zuschauer: 670 (70 Gäste)

Auch diese Nacht war kurz, so war die Abfahrt auf 6 Uhr angesetzt. Durch die Mitternachtssonne konnte ich sowieso auf der ganzen Tour nicht gut pennen. Aber das sind Einzelschicksale, auf die können keine Rücksicht genommen werden!

Die Fahrtdauer zum Fährhafen in Landeyjahöfn beträgt knapp zwei Stunden für 130 Kilometer. In Island ist die Geschwindigkeit auf 90 km/h begrenzt und man hat oft langsame Campingmobile vor sich. Am Fährterminal versuchten wir eine Fähre später zu nehmen oder eine eher nach Hause zu buchen, da wir noch zwei Wasserfälle in der Nähe besuchen wollten. Was aber scheiterte, denn es war ausgebucht, den Grund hierfür erfuhren wir dann später. Die Fähre kostete uns zu viert mit Auto je 30€.
Die Vestmannaeyjar sind eine Inselgruppe vulkanischen Ursprungs etwa 10 bis 30 Kilometer südlich der isländischen Küste, die aus 14 Inseln, 30 Schären und 30 Felsen bestehen.
Die Überfahrt zu den Westmänner-Inseln dauerte eine halbe Stunde, welche wir bei Sonnenschein und einer Dose Viking-Bier genossen, einmalig diese ganzen Felsbrocken mit ihrer grünen Vegetation zu betrachten.
Landungshafen ist Heimaey, diese stellt mit einer Fläche von 14,5 km² die mit Abstand größte und als einzige ständig bewohnte Insel dar. Auf ihr befindet sich die gleichnamige Stadt.
Nach der Ankunft fuhren wir erstmal zum Ground, dem Hasteinsvöllur, welcher schon 1912 eröffnet wurde, um ein paar Fotos zu schießen und ihn in Ruhe zu genießen. Wahnsinn, dieser Ausblick auf das spitz zulaufende Felsmassiv hinter der Gegengeraden.
Ein wahres Highlight und landschaftlich sicher eines der besten Stadien weltweit !
Anschließend fuhren wir zur einzigen Bäckerei der Insel um erstmal zu frühstücken. Ich kann den Pistazien-Strudel empfehlen. Sehr lecker !
Nun schaute man kurz in die Innenstadt, wo gerade eine Spielstraße für Kinder aufgebaut wurde, denn heute war Goslokahatid. Das Vulkanfest, welches immer am Wochenende nach dem 3.Juli begangen wird, denn damals endete 1973 der Vulkanausbruch. Ein besonders einschneidendes Ereignis in der Geschichte der Inseln stellten die Ausbrüche der Vulkanspalten beim Eldfell auf Heimaey im Jahre 1973 dar, die die Evakuation aller Einwohner nötig machten und das Aussehen der Insel grundlegend veränderten.
Die meisten Einwohner (über 5.000) hatten die Inseln vor diesem Vulkanausbruch bereits verlassen. Er hatte immensen Schaden angerichtet, allerdings nur ein Menschenleben gekostet.
Vulkanische Asche ging auf Heimaey nieder und zerstörte dabei viele Häuser. Lavaströme drohten den natürlichen Hafen vom Meer abzutrennen. Damit wäre die Haupteinahmequelle der Inselbewohner, die Fischerei, stark beeinträchtigt gewesen. Mittels großer Meerwassermengen wurde jedoch die Lava erfolgreich so weit abgekühlt, dass sie zum Stillstand kam und nicht nur die Nutzung des Hafens weiter möglich war, sondern die bis 40 m hohen Lavawälle ihn sogar ausgesprochen gut gegen die berüchtigten Winterstürme aus Osten und Südosten schützten.
Als wir an der örtlichen Brauerei mit eigenem Brauhaus vorbei kamen, endete dort gerade eine Art Jux- oder Staffellauf. Bei dem jeder der Teilnehmer am Schluss einen Becher Bier exen musste.
Da jeder sich an den bereit gestellten Bieren bediente, liessen wir uns auch nicht lange bitten und griffen zu. Denn Freibier schmeckt ja immer noch am besten !
Nachdem man noch der Ansprache eines Einheimischen lauschte und wir genug Bier hatten, ging es weiter. Erstmal auf den Heimaklettur, den mit 283 m höchsten Berg der Insel, gefahren und den fantastischen Blick über die Insel auf sich wirken lassen.
Was für eine wunderschöne Insel, vergesst die Hauptstadt Reykjavik und fahrt lieber auf diese Insel. Es lohnt sich !
Danach ging es an den Klauf, einen schwarzsandigen Strand, wo doch tatsächlich zwei kleine Kinder in den Fluten gebadet haben. Hut ab ! Denn selbst die hartgesottenen Isländer baden nicht im Meer.
Weiter ging es auf den Vestmannaeyjavöllur, einem Berg an dessen Klippen wir Puffins (Papageitaucher) beobachteten. Der Puffin ist Islands bekanntester Vogel und sein größter Bestand ist hier auf den Westmänner-Inseln. Als Highlight tauchte noch ein Wal aus den Fluten unten auf. Noch ein paar Fotos von den frelaufenden Schafen geschossen, bevor es zum Eldfell ging.
Wie eingangs schon erwähnt ist der Eldfell jener Vulkan welcher 1973 für die größte isländische Naturkatastrophe sorgte. Heute kann man ihn besteigen. Es ist zwar etwas beschwerlich, durch die rutschigen Steine und den roten Lavastaub, aber es lohnt sich.
Nun hatten wir noch etwas Zeit bis zum Anpfiff, also ging es nochmal in die Stadt zur Brauerei. Vorher griffen wir uns noch Gratis-Hot Dogs ab, diese gab es ebenso, wie Getränke und Süssigkeiten zur Feier des Tages. Ebenfalls umsonst.
Da haben wir heute einen richtigen Glücksgriff mit diesem Tag getan !
In der Brauerei tranken wir noch zwei IPA (9€). Das sind Indian Pale Ales, vor allem das Sommerbier mit dem Puffin auf dem Etikett, wollten wir unbedingt probieren. Es schmeckte leicht fruchtig. Muss man mögen, ist aber mal was anderes und bei dem Wetter auch sehr erfrischend.
Dann war es auch endlich an der Zeit, dass der Ball wieder rollt. Also gings mit dem Auto direkt vor den Ground und erstmal eiskaltes Dosenbier (je 4€) aus dem Vereinsheim geholt und auf der Haupttribüne Platz genommen, damit man den einmaligen Ausblick auf die Felsen in vollen Zügen genießen konnte.
Der Iprottabandalag Vestmannaeyjar wurde 1903 gegründet und wurde insgesamt 3x Isländischer Fußball Meister (1979, 1997, 1998). Dazu noch 4x Pokalsieger (1968, 1972, 1981, 1998).
2006 stieg man als Letzter aus der ersten Liga ab und spielte zwei Jahre in der zweiten Klasse, bevor man 2009 wieder aufstieg. Leider ist man in dieser Saison wieder fast abgeschlagen Tabellenletzter und der nächste Abstieg droht.
Bekanntester Ex-Spieler ist Islands Jahrhundert-Fußballer Asgeir Sigurvinson, welcher in den Achtziger Jahren beim VfB Stuttgart Leistungsträger war und dort in seinen 8 Jahren einmal Meister wurde. Vorher spielte er noch in Lüttich und eine Saison beim FC Bayern. Zudem war er auch einmal Nationaltrainer Islands.
Auf der Gegengeraden saßen uns direkt gegenüber einige Heimfans, ich denke sie haben vorher schon einige Biere anlässlich des Goslokahatid´s geleert. Sie hatten offensichtlich Spaß. Desöfteren machten sie eine Polonaise durch den Block.
Heute zu Gast war der Isländische Rekordmeister Knattspyrnufelag aus der Hauptstadt Reykjavik, welcher schon 1899 gegründet wurde. Er ist somit der älteste Fußballverein in Island. Insgesamt verbuchte man 26 Meisterschaften und 14 Pokalsiege und auch in dieser Saison ist man wieder klarer Tabellenführer. Man wurde von etwa 70 Fans begleitet, welche teilweise mit dem Flieger für 140€ von der Hauptstadt auf die Insel einflogen. Diese fanden sich am Rande der Gegentribüne ein und hatten zwei Fahnen im Gepäck, auch ihre Stimmung war wegen des Sieges gut und am Ende der Partie feierten sie zusammen mit den IBV-Fans.
Ansonsten war heute, wohl wegen des Festes, etwas mehr los und viele Leute liessen sich auf Picknickdecken im Gras nieder.
In der Halbzeitpause wurde am Biernachschub gearbeitet und der Verein lies wegen des Vulkanfestes einige Kartons Pizza springen.
So konnten wir schon wieder kostenfrei unsere Mägen füllen.
Leider gewann der Tabellenführer das Spiel gegen den designierten Absteiger.
Ein letzter Blick auf den herrlichen Ground und nun ging es erstmal in der Stadt was essen. Zwar hatten wir durch die ganzen kostenfreien Menus eigentlich keinen großen Hunger, aber da ich wohl etwas zuviel Bargeld abgehoben habe, gönnte ich mir den Fish of the Day und ein Bier (30€).
Zum Abschluss ging es noch an den Hafen und auf einem Berg wurde noch in der Sonne gechillt, bevor uns die letzte Fähre um 22Uhr wieder aufs Festland brachte.
Nun wollten wir noch die zwei Wasserfälle abklappern. Vorteil ist ja durch die Mitternachtssonne, dass es nie richtig dunkel wird und man sich sogar abends noch etwas anschauen kann.
Erster Stopp war der Skogafoss. Er liegt unterhalb des Eyjafjallajökull an einer ehemaligen Steilküste. Nachdem die Küstenlinie sich nach Süden verschoben hatte, blieb über Hunderte von Kilometern ein Steilabfall vom isländischen Hochland Richtung Meer übrig.
An einer solchen Stelle ergießt sich der Skogafoss über eine Breite von 25 Metern in die Tiefe.
Weiter ging es zum Seljalandsfoss, dieser liegt an der Ringstraße (Golden Circle) zwischen Hvolsvöllur und Skogar. Der Fluss Seljalansa stürzt hier 66 m tief über die ehemalige Küstenlinie in die Überschwemmungsebend des Markarfljot, in den er kurz darauf mündet. Man kann hinter den Wasserfall gehen und durch die Wasserschleier auf das Land draußen blicken.
Vor diesem Wasserfall ist ein großes Campinggebiet, wo viele Leute zelteten. Wir trauten unseren Augen kaum, als da plötzlich zwei Araber in voller Tracht vor ihrer Sisha saßen...Damit hatte keiner von uns gerechnet und war für uns totale Situationskomik !
Nun ging es endlich Richtung Heimat. Dort trafen wir gegen 3 Uhr nachts ein. So waren wir 21 Stunden unterwegs. Hier muss ich nochmal den Fahrer Rudi loben, der das alles alleine abgerissen hat. Eine echte Maschine!


Text/Fotos: Pressi