Freitag, 28. Dezember 2018

Maccabi Ahi Nazareth - Hapoel Nazareth Illit 0:0


Liga Leumit
Stadion Ilut
Zuschauer: 1200 (ca. 400 Gäste) 


Nach einer langen Pause von über einem Jahr habe ich in Haifa endlich wieder Couchsurfing genutzt. Von Donnerstag auf Freitag war die erste Nacht meines dreitägigen Aufenthaltes in der Wohnung des in Haifa geborenen Israeli namens Maor. Bei meinen Reisen bin ich meist allein unterwegs und Couchsurfing ist in meinen Augen einfach dazu die perfekte Ergänzung. Zudem ermöglicht es die reale einheimische Kultur abseits des typischen Tourizeugs kennenzulernen. Irgendwie klappt die Hostsuche aber in größeren Städten eher bedingt, sodass es vergangenes Jahr trotz vieler Reisen in Haifa das erste Mal wieder geklappt hat. Den Freitag sollte ich aber nicht in der drittgrößten Stadt des Landes (Haifa) verbringen, sondern es war ein Ausflug nach Nazareth geplant.
Dorthin ging es für mich ganz normal mit einem Linienbus, der über eine Stunde in die 50 km entfernte Stadt braucht. Nazareth wird als Ort weder in Tanach oder Talmut (jüdische heilige Schriften, Grundlage der Bibel) erwähnt, spielt jedoch für die Christen eine wichtige Rolle, denn er wird als Heimatort von Jesus gesehen. Die Stadt selbst hat eine Einwohnerzahl von über 70 000, welche größtenteils christliche und muslimische Araber sind. Die jüdische Bevölkerung lebt dagegen in der Schwesterstadt Nazrat-Illit, die in etwa 40 000 Einwohner hat. Schon beim Reinfahren in die Stadt bemerkte ich die Unterschiede zu restlichen israelischen Städte, die größtenteils von Juden bewohnt werden, denn in Nazareth herrschte ein richtiges Chaos und zwar in jeder Hinsicht. Vom gesitteten Leben der israelischen Städte war keine Spur mehr und so empfand ich es hier nicht wirklich angenehm. In meinen Augen eilt der Ruf der Stadt voraus, denn außer der großen katholischen Verkündigungsbasilika mitten in der Altstadt konnte ich mich für nichts begeistern. Viel Zeit habe ich aber für das Sightseeing nicht eingeplant, denn um 16 Uhr war schon Anpfiff zum Derby im Vorort Ilut. Dorthin sollte eigentlich ein Bus fahren, aber nachdem ich über 40 Minuten vergebens auf diesen wartete, wurde dann doch zum dritten Mal bei der Tour zu Taxi gegriffen. Für knapp 10 Euro wurde ich in die kleine arabische Siedlung gebracht. Im Stadion von Ilut trägt sowohl der heutige Gastgeber Maccabi Ahi Nazareth als auch die Gästemannschaft Hapoel Iksal seine Heimspiele in der zweiten Liga aus. Der Ground ist zwar lediglich auf einer Seite ausgebaut, doch dafür mit einer wirklich großen und netten Tribüne. Außen wirkt es sogar durch den Beton recht überdimensioniert und hat was vom Stil des Brutalismus. Vom zweiten Rang der Tribüne hat man eine gute Aussicht auf die gebirgige Landschaft mit kleinen Siedlungen. Bei den Derbys zwischen den arabischen Clubs soll es in Israel verhältnismäßig gut abgehen, doch an diesem Nachmittag war es in diesem Aufeinandertreffen recht mau. Die Hausherren stellten in der ersten Hälfte noch einen Mob von ca. 15 Mann, doch dieser löste sich noch vor der Pause auf. Die rot-weißen Gäste hatten ein paar aktive Leute hinter den Fahnen und an der Trommel stehen, doch das Ganze wirkte gar nicht geschlossenen und der Support ihrerseits war auch nicht wirklich auszumachen. Interessant empfand ich, dass die beiden Clubs zwar vollkommen arabisch geprägt sind, dennoch aber zionistische Vereinsnamen haben. Schon im Vorfeld machte ich mir Sorgen wie ich hier wegkomme. Denn kurz vor 18 Uhr am Freitag beginnt im Winter bereits der Schabbat und in dieser Zeit bleibt das Land in gewissen Bereichen stehen. Nachdem der Bus auf der Hinfahrt nach Ilut schon nicht kam, musste eine Alternative her und so fragte ich mich im Stadion nach einer Mitfahrgelegenheit durch. Letztendlich habe ich einen Araber gefunden und so wurde ich nach dem Spiel wieder zurück nach Nazareth gebracht. Dort blieb es auch noch spannend, denn ich war mir nicht so sicher, ob noch ein Bus, wie es der Fahrplan im Internet versprach, nach Haifa fahren wird. Es lief aber alles gut und ich war dann gefühlt wieder zurück in der Zivilisation angekommen. Schabbat wird in Israel von Religiösen, aber eigentlich auch Säkularen groß gefeiert und es kommt immer was Besonderes auf den Tisch. So gönnte ich mir auch den Platz 1 von Haifa bei Tripadvisor, das libanesische Restaurant ElWadi. Der Abend war aber damit nicht zu Ende, denn nachdem ich 3 km zum meinem Gastgeber auf den Hügel hochgelaufen bin, ging es mit ihm wieder raus in die Altstadt, wo in einer Alternativkneipe noch das eine oder andere Getränk bei Gesprächen über alles Mögliche weggemacht wurde. 

Text/Fotos: Шаффи

zum nächsten Spiel der Tour