Super League
Georgios Kamaras
Stadion Zuschauer: 601 (ca. 200 Gäste)
Am zweiten Tag sollte nun die schönere Seite der griechischen Hauptstadt gesehen werden. Dazu entschieden wir uns für die sogenannte Free Tour. Am Treffpunkt, dem Hadrianstor, angekommen, wartete schon der Führer Alex auf uns. Über drei Stunden führte uns der Hellene durch die Stadt, sodass wir die wichtigsten Sachen, wie das olympische Stadion Kallimarmaro, das Zappeion, das schöne Viertel Plaka sowie den Präsidentenpalast sehen durften. Bei Letzterem wurde sogar im Auto das Staatsoberhaupt der hellenischen Republik gesehen. Nach Riga und Kopenhagen ist es bereits meine dritte Erfahrung mit solch einer Tour, aber so lang und noch dazu in einer recht kleinen Gruppe hatte ich das zum ersten mal.
Wie immer war es aber eine gute Entscheidung, sodass der Hellene selbstverständlich noch entlohnt wurde. Dieses Mal konnten wir der Stadt auch was abgewinnen und unsere Vorstellung von Athen sah nicht mehr so dreckig wie am Vortag aus. Vor allem wenn man auf Antike oder Geschichte im Allgemeinen steht, ist man in der hellenischen Hauptstadt mit den vielen Museen einfach bestens aufgehoben. Nach dem ausgiebigen Spaziergang musste ein Mittagsessen her und wir suchten das Restaurant To Paradosiako auf. Ein wirklich einfacher, aber starker Laden, wo man direkt am Tisch zusehen kann, wie das Fleisch an der Stange gegrillt wird. Und für ca. 8 Euro bekam jeder von uns noch dazu eine überdurchschnittliche Portion. Für mich gab es wie schon in der Türkei vor mehr als einem Monat Kokoretsch (Lammdarm), nur dies Mal eben als ein vollständiges Gericht und nicht als Fastfood. Die Auswahl an Gerichten ist in Griechenland ein Traum, nur was mich persönlich stört, ist, dass es ständig Pommes als Beilage gibt. In meinen Augen passt dies überhaupt nicht zum Eindruck der guten griechischen Küche… Wie schon am Vortag gab es zum Essen ausschließlich Wein, denn in den Weinländern, wie z.B. Spanien, Italien oder Griechenland, verzichte ich bewusst auf Bier und greife lieber zum typischen Landesgetränk. Nach dem Essen wurde noch etwas in der Altstadt spaziert und anschließend gönnte man sich noch ein Nachtisch beim Nancy's Sweet Home. Langsam sollte man schon zum Spiel aufbrechen, sodass ich von Monastiraki-Platz mit der Metro in den Norden der Stadt fuhr. Nahe der Station St. Ano Patision steht das Stadion des Erstligisten Apollon Smyrni. Smyrni ist heutzutage die türkische Stadt Izmir, doch 1891, als der einer der ältesten Vereine des Landes gegründet wurde, war es noch das griechische Königreich gewesen. Mit dem Ende des griechisch-türkischen Krieges 1922 zog der Apollon eben nach Athen um. Im Süden von Athen gibt es noch einen anderen Erstligisten namens Panionios F.C., der auch aus Smyrni (Izmir) nach Athen umgezogen ist. Seit 1948 ist Apollon in dem Ground, der nach der verstorbenen Vereinslegende Giorgos Kamaras benannt ist, beheimatet. In dem knapp 15000 großen Stadion trug auch der Rekordmeister Olympiakos während dem Umbau des Karaiskaki-Stadions seine Heimspiele aus. Apollon zieht, wie man sich denken kann, keine Massen an Zuschauern in Athen an. Neben drei großen Vereinen (AEK, Olympiakos und Panathinaikos) gibt’s neben Apollon noch zwei andere Erstligaclubs in der Stadt. Heute waren es nicht einmal 1000 Zuschauer, die das „Derby“ mit dem Tabellenzweiten Atromitos sehen wollten. Die Heimszene ist zweigespalten: Der größere Heimblock aus ca. 60 Mann steht im Eckblock der Haupttribüne. Dieser war zwar das ganze Spiel über aktiv, aber gar nicht bis kaum zu vernehmen. Dies ist in erster Linie dem starken Auftritt der Gäste zu verdanken. Der motivierte Mob ist mir bereits in der U-Bahn aufgefallen und zündete auf dem Weg zum Stadion sogar ein paar Bengalos ab. In der Gästekurve zeigten sie sich dann auch nur von ihrer beste Seite: Die 90 Minuten wurde ordentlich und laut durchsupportet. Bei meinem ersten Kick in Griechenland ist mir beim Support vor allem die Disziplin der Szene aufgefallen. Die Gesänge wechselten nicht wie in manchen Ländern üblich jede zweite Minute, sondern es wurde tatsächlich über 10 Minuten lang dasselbe Lied, aber dafür in gleichbleibender Lautstärke vorgetragen. Zwar ist dies jetzt nicht unbedingt abwechslungsreich, doch zeugt in meinen Augen in erster Linie von der echten Qualität der Szene. Das Liedgut hat mir auch absolut getaugt - endlich konnte ich den griechischen Stil live erleben. Nach dem Spiel traf ich mich in der Innenstadt wieder mit dem Kumpel zum Weinumtrunk zusammen.
Text/Fotos: Шаффи
zum nächsten Spiel der Tour






















