Ligat ha’Al
Itztadi'on Netanya
Zuschauer: 3500 (ca. 1700 Gäste)
Am Donnerstagmorgen aufgewacht war die Stimmung erstmal wegen des miserablen Wetters getrübt. Es schüttete wie aus Eimern, was nicht die beste Option für die anstehende Reise nach Jerusalem war. Dennoch begab ich mich wie es der Plan vorsah in die israelische Hauptstadt. Seit nicht allzu langer Zeit gibt es vom Ben-Gurion-Flughafen eine direkte Zugverbindung nach Yerushaláyim, wie die Heilige Stadt im Hebräischen bezeichnet wird. Für mich ging es also zuerst vom Bahnhof Tel Aviv haHagana zum Flughafen und von dort dann weiter zum Ziel. Das Zugfahren ist in Israel nicht nur günstig, sondern macht durch seine Pünktlichkeit richtig Spaß. Die Züge sind übrigens meistens fast dieselben Doppeldecker wie in Deutschland.
Nach knapp einer Stunde Fahrzeit in Jerusalem angekommen, begab ich mich schnellen Schrittes zum Knesset. Knesset heißt übersetzt „Versammlung“ und ist das Parlament des jüdischen Staates. Jeden Donnerstag gibt es hier ohne Voranmeldung in allen möglichen Sprachen kostenlose Führungen. Da ich mich für Politik im Allgemeinen interessiere, war dies ein Pflichttermin, den ich sogar schon jahrelang vor mir herschob. Für deutsche Führung war ich zu spät dran und für die russische zu früh, sodass eben eine englische Tour von mir besucht wurde. Nachdem es rum war und der Regen in keinster Weise aufhören wollte, steuerte ich das riesige Israel-Museum in der Nähe an. Dort war ich bei meinen drei Besuchen in Jerusalem noch nicht, aber jetzt beim den Höllenwetter war der Besuch tatsächlich bestens geeignet. Über drei Stunden hielt ich mich in diesem riesigen und richtig guten Museum auf. Bevor ich Jerusalem Richtung Netanya verlassen wollte, sollte noch was gegessen werden und dafür ging es für mich auf den Mahane Yehuda Market. Dort gibt es unterschiedliche Läden für jeden Geschmack. Zufällig wählte ich, wie es sich später herausstellte, eine der besseren Kneipen der Stadt namens Manou ba shouk, die sich auf libanesische Küche spezialisiert, aus. Für 55 Schekel (ca. 13 Euro) gab es für mich das Kubbeh sanieh (Bulgur mit Rind und Salat). Es war sehr gut und zudem preislich für Israel mehr als in Ordnung. Dann wieder ab durch den Regen zum Busbahnhof, wo ich dann einen Fernbus nach Netanya nahm. Mit über 214000 Einwohner ist es die siebtgrößte Stadt des Landes. Wie viele andere Städte in Israel ist auch diese eine neue, moderne Stadt. Benannt wurde sie nach dem in der Pfalz geborenen Geschäftsmann Nathan Straus. Den Großteil seines Vermögens hat der ehemalige Besitzer der amerikanischen Kaufhäuser Macy’s und Abraham & Straus aufgrund seiner philanthropischen Philosophie für Zionismus und Wohltätigkeit, wie z.B. Kinderkrankenhäuser, ausgegeben. Zum Anschauen gibt es in Netanya nicht wirklich was Historisches, sodass ich direkt einen Bus zum Stadion nahm. Das moderne Stadion, was auf den beiden langen Seiten mit jeweils ca. 6500 Plätzen ausgebaut ist, wurde im Jahr 2012 fertiggestellt. Ein Jahr war es einer der vier Spielorte der U21 Europameisterschaft. Aktuell wird das Stadion neben Maccabi Netanya auch noch vom Rekordmeister Maccabi Tel Aviv und dem Aufsteiger Hapoel Hadera genutzt. Der Rekordmeister musste hierhin nach dem Abriss vom Bloomfield umziehen, während der heutige Gastgeber hier seit dem Aufstieg in die erste Liga, also ab der laufenden Saison, spielen muss. Bei dem anstehenden Spiel war ich vor allem auf die Gästetruppe von Beitar gespannt. Beitar ist ein Begriff in Israel, der weit über Fußball hinausgeht. Be(i)tar ist ursprünglich eine zionistische Jugendorganisation gewesen. Dessen Ziel war eine Aufstellung einer jüdischen Legion im britischen Mandatsgebiet nach dem Vorbild der Polnischen Legionen, die im ersten Weltkrieg für ein unabhängiges Polen kämpften. Im Jahr 1924, zwei Jahre nach der Gründung der Jugendorganisation, entstand daraus noch ein Sportverband. Aktuell ist es nach Hapoel und Maccabi der drittgrößte Verband des Landes. Neben der politischen Ausrichtung, dem revisionistischen Zionismus, wird Beitar in Israel aus fantechnischer Sicht sehr geschätzt. Nach dem langersehnten Besitzerwechsel in August 2018 spielt der 6-fache Landesmeister gegen den Abstieg und doch findet sich immer ein ordentlicher Mob im Gästeblock wieder. Leider wie so typisch für Israel war lediglich nur eine Zaunfahne der berühmten La Familia zu sehen, sonst kein anderer Stoff am Zaun. Doch stimmungsmäßig konnte ich einen wirklich guten, abwechslungsreichen Auftritt der Gelb-schwarzen in Netanya erleben. Dies könnte natürlich auch dem Ergebnis verdankt werden. Denn schon zur 47. Minute stand es bereits 3:0 für die Hauptstädter gegen den Tabellenvierten Hapoel Hadera. Auf der Heimseite war übrigens auch noch ein kleiner Fanblock, welcher zum Spielbeginn sogar eine Blockfahne ausgerollt hatte. Am Support beteiligte sich aber hier nur ein wirklich kleiner Teil, sodass bei mir gar nichts bis wenig ankam. Während dem Spiel habe ich übrigens zwei japanische Hopper von groundhoppers.net kennengelernt. Diese supporten jeweils einen anderen Zweitligaclub in ihrer Heimat und sprachen mich als erstes mit „Are you Ultras?“ an. Anschließend führten wir ein durchaus interessantes Gespräch über alles möglich. Die beiden waren mir definitiv lieber als die absolute niveaulose Mehrheit der deutschen Hopper. Nach dem Abpfiff suchten wir noch gemeinsam den Bahnhof Kiryat Sapir auf, wo ich mich von den beiden trennte und in den Norden, nach Haifa reiste.
Text/Fotos: Шаффи
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