Dienstag, 25. Dezember 2018

Hapoel Ironi Rishon LeZion - Hapoel Ramat Gan 1:1

Liga Leumit 
Haberfeld Stadion 
Zuschauer: 250 (ca. 85 Gäste)

Zum Abschluss des Jahres 2018 sollte noch eine weitere Tour kommen. An Weihnachten wird in manchen Ländern noch gespielt und schließlich kamen für mich nur Italien und Israel in Frage. Italien war aber recht schnell vom Tisch, nachdem die Terminierung bzw. die Spielausbeute mir nicht zugesagt hatte, fiel die Wahl auf den jüdischen Staat. Interessanterweise war ich bereits ganze dreimal dort gewesen, aber schaffte es nie zum Fußball, sodass die anstehende Reise ausgiebig für Fußball genutzt werden sollte.

Leider wartete ich lange mit der Buchung des Flugtickets und am Ende knapp 6 Wochen vor der Tour sprang auf dem direkten Weg nur noch ein Flug für mehr als 300 Euro heraus. Dies war natürlich keineswegs ein Grund, die Planung über Bord zu werfen und so wurde eben der Lufthansa-Flieger für den ersten Weihnachtstag gebucht. Nach mehreren Flughafenübernachtungen im vergangenen Jahr hatte ich keine Lust mehr darauf, sodass ich dieses Mal mit dem Auto zum Frankfurter Flughafen anreiste. Das Auto wurde nahe dem Waldstadion abgeparkt und dann die eine Station mit der S-Bahn zum Flughafen gefahren. Tatsächlich viel gemütlicher, als die Nacht im Terminal zu verbringen... Danach gab es das übliche und unspektakuläre Prozedere. Letztendlich landete ich am späten Nachmittag in der größten Stadt des Landes – Tel Aviv. Der berüchtigte Grenzübergang in Israel ging so schnell wie kaum woanders und so war ich schon 20 Minuten nach der Landung hinter den Passkontrollen. Bevor ich den Zug in die Innenstadt von Tel Aviv nahm, suchte ich noch die Verkaufsstelle von Rav Kav aus. Rav Kav ist eine aufladbare Verkehrskarte, die für Stadtbusse, Fernbusse und Züge im ganzen Land genutzt werden kann. Für mich ein faszinierendes System, da man keinerlei Bargeld für Reisen mehr braucht und auch mit der Karte noch mal Geld sparen kann. So bekommt man beim Aufladen von 100 Schekel 125 gutgeschrieben. Dabei ist der Verkehr auch wohl das einzige wirklich günstige in Israel, aber sei’s drum. Man reist hierhin schließlich zum Urlaub machen und nicht Geld sparen. Gleich an der ersten Station nach ca. 10 Minuten Fahrtzeit stieg ich aus dem Zug und machte mich auf den Weg nach Jaffa. Dies ist eine der ältesten Städte der Welt. Die archäologischen Ausgrabungen deuten darauf hin, dass Jaffa schon mehrere Tausend v. Chr. bewohnt wurde. Zwei Jahre nach der Israels Staatsgründung wurde Jaffo mit Tel Aviv in eine Stadt vereinigt. Auf dem langen Weg dorthin konnte ich auch noch am Stadion Bloomfield vorbeischauen. Dieses Stadion war jahrelang die Heimat der drei Erstligisten Maccabi, Hapoel und Bnei Yehuda Tel Aviv. Seit 2016 befindet es sich im Umbau, der aber leider recht zäh läuft. Nach dem Umbau soll es knapp 30 000 Plätze fassen und wird wohl bei den Top-Spielen von Maccabi oder Hapoel problemlos voll werden. Die fünf großen Vereine in Israel haben nämlich eine wirklich gute Fanbasis. In der Altstadt Jaffo angekommen und im Hostel Old Jaffo eingecheckt, musste ich schon auf den Weg nach Rishon LeZion aufbrechen. Die viertgrößte Stadt des Landes (243000 Einwohner) liegt im Großraum von Tel Aviv, dem sogenannten Gush Dan, das über die Hälfte der Einwohner Israels beherbergt. Wie viele große Städte Israels, das 1948 in der Wüste gegründet wurde, ist auch Rishon leZion nicht für seine Kultur bekannt. Mein Ziel war eigentlich nur das Haberfeld Stadion gewesen, wo der Zweitligist Hapoel seine Spiele austrägt. Die Buslinie 10 brachte mich direkt aus Jaffo nach Rishon leZion, doch nicht direkt bis zum Stadion. Leider verpasste ich die Haltestelle bei der ich in einen anderen Bus umsteigen sollte und stand an der Moshe Dayan Brücke. Von dort sah ich zwar schon die Flutlichter des Stadions in maximal 2 km Luftlinie, doch aufgrund des Straßenverlaufs war es zu Fuß ziemlich unerreichbar. Ich versuchte mich bei Einheimischen durchzufragen, diese versuchten mir zwar freundlicherweise zu helfen, doch es gab einfach keinen Bus von der Brücke zum Stadion. Somit musste ein Taxi her. Bei der Verhandlung mit dem Fahrer half mir ein russischsprachiger Passant. Diese lief in etwa so ab: Der Taxifahrer zuerst - 30, ich - 25 und letztendlich Taxifahrer - 20 Shekel (ca. 4,5 Euro). Verhandlung auf jüdische Weise! Taxifahren durfte ich in Israel übrigens noch öfter. Bei früheren Touren habe ich das bislang ja gar nicht bis kaum praktiziert, aber in Israel war es A - günstig und B – in manchen Situationen unvermeidlich. Das Haberfeld Stadion ist jeweils auf den beiden langen Seiten ausgebaut, wovon nur die Haupttribüne offen war. Hapoel Rishon leZion ist einer der ersten jüdischen Vereine, der noch zu Zeiten des britischen Mandatsgebietes gegründet wurde. Hapoel war in seiner Geschichte meist zweit- oder drittklassig, schaffte es aber einige Male auch in die erste Liga und stand zweimal im Pokalfinale (1946 und 1996). Zu Gast war heute ein anderer Verein aus der Agglomeration Tel Avivs – Hapoel Ramat Gan. Das Zweitligapiel war wie erwartet relativ zäh und auch die Stimmung seitens der beiden anwesenden Gruppen war kaum vorhanden. Es war ursprünglich gar nicht meine Wahl gewesen, aber nachdem ich es nicht schaffte, mir vorab zu einem vertretbaren Preis ein Ticket für das ausverkaufte Top-Spiel zwischen Maccabi Tel Aviv und Hapoel Beer Sheva zu besorgen, wurde zu diesem Alternativspiel gegriffen. Nach dem Spiel begab ich mich zum Einkaufszentrum in der Nähe. Von da ist dann ein Bus zu einer Haltestelle der Linie 10 gefahren. Diese brachte mich dann wieder nach Jaffo zurück, wo ich nach einer Schawarma den intensiven Tag gemütlich ausklingen ließ. 

Text/Fotos: Шаффи