Stadion im. Kazimierza Górskiego
Zuschauer: 4367 (550 Gäste)
Nachdem ich letztes Jahr Polen keinen Besuch abgestattet habe, wollte ich dies in diesem Jahr auf jeden Fall wieder tun. Die Anfrage Christians aus Bamberg, ob ich Interesse an einer Tour kam als genau rechtzeitig. Neben mir fand Christian auch noch zwei andere Mitfahrer, sodass die Fahrt mit dem Mietfahrzeug losgehen konnte. So startete ich am Freitag in der Früh nach Bamberg, wovon die Fahrt dann mit dem Mietwagen in den Osten gehen sollte. Nach Ankunft kam erst die schlechte Nachricht, dass ein Mitfahrer wegen Krankheit ausfällt, sodass ich zunächst nur mit Christian knapp vor 8 Uhr losfuhr. Bei Bayreuth wurde dann noch der Dritte, der Weidener Tobi, aufgegabelt und die Fahrt in das 800 km entfernte Masowien konnte so richtig beginnen.
Diese verlief relativ entspannt beim Erzählen von Anekdoten aus dem Fanleben sowie dem Unterricht der polnischen Aussprache von mir. Nach der 100. Bemerkung meinerseits, dass vor allem unsere heutige Zielstadt Płozk und nicht Płock ausgesprochen wird, haben die Kollegen es auch angenommen. Beim Grenzübergang in Görlitz wären wir fast in einen über einstündigen Stau an der Autobahn geraten, doch die Autobahn wurde gerade noch rechtzeitig verlassen und die Grenze direkt durch die Stadt überquert. Dies hat uns schon richtig die Zeit gerettet, denn sonst hätten wir einen enormen Zeitdruck, das Spiel um 18 Uhr in Płock zu besuchen. Schlussendlich waren wir eineinhalb Stunden vor Spielbeginn angekommen, checkten im Hostel Kamienica ein und liefen gemütlich zum Stadion im. Kazimierza Górskiego, Heimspielstätte vom Wisła Płock. Die masowische Wisła ist eine relativ unbekannte Nummer im Land, erst letzte Saison ist der Club nach 9 Jahren Abwesenheit wieder in der höchsten Liga Polens dabei. Der größte Erfolg des Vereins war der Pokalsieg 2006 sowie die anschließende Teilnahme am UEFA-Cup, wo man in der 2. Qualifikationsrunde gegen Chernomorets Odessa ausgeschieden war. Das Stadion, wo Wisła seit 1973 seine Heimspiele austrägt, ist lediglich an zwei Seiten ausgebaut und hat ein Fassungsvermögen von ca. 11 000 Plätzen. Aufgrund der Bauweise sind die Heim- und Gästeblock in Płock dementsprechend auf jeweils einer anderen Tribüne platziert. Übrigens gibt es hier auch Pläne den Ground in eine moderne Arena umzuwandeln. Der Wandel der Stadien ist wohl in keinem anderen Land so stark wie in Polen. Wir kaufen uns für je 25 złoty Karten für die Haupttribüne (hier Osttribüne), wo sich auch der Gästebereich befindet, sodass wir nur einen guten Blickwinkel auf die Wisła-Fans hatten. Misstrauisch suchten wir nach dem Betreten der Ränge den Imbissstand und hatten schon das schlimmste befürchtet, da die Bude erst mal zu war. Doch dann wurde diese eröffnet: Christian gönnte sich Bigos (Krauteintopf) für 11 złoty, ich und Tobi wollten zuerst auf die Kiełbasa warten, die noch mindestens 10 Minuten gebraucht hätte. Aber durch den heutigen langen Fastentag dauerte es uns doch zu lange und die Zufriedenheit Christians überzeugte uns beide auch Bigos zu nehmen. Es schmeckte super und hatte bei der üblen Kälte auch einen leicht wärmenden Effekt. Tee, löslichen Kaffee und Kekse gab es übrigens, wohl aufgrund der Minusgrade, heute komplett umsonst. Der Pole lässt es sich natürlich auch nicht entgehen und so bildete sich dort zum Ende der ersten Halbzeit eine wirklich riesige Schlange. Wir waren heute vor allem auf die Gästefans, deren Verein nach der Wiederkehr in die Ekstraklasa, wieder oben mitspielt, gespannt. 550 Oberschlesier, u.a. mit Unterstützung aus Rybnik, Katowice und Dębica, schafften es dann tatsächlich an einem Freitag in das 300 km entfernte Płock. So lag ich auch mit meiner schlechten Schätzung vor dem Spiel mit den 250 Gästen sogar am nähesten dran. Zeitweise waren die Gesänge der Kibice ordentlich in polnischer Manier zu hören, jedoch nicht durchgängig so gut gewesen. Das Highlight passierte aber definitiv am Ende des Spiels, als bei -5 °C der Gästeblock komplett oberkörperfrei erschien. Die Heimszene auf der Gegengerade gehört zu einer der schlechten in der Ekstraklasa, was man gut der Rangliste der Auswärtsfahrern, wo die blau-weißen einen den untersten Ränge belegen, entnehmen kann. Jedoch soll dies nur relativ gesehen werden, weil es eben vergleichsweise eine kleinere Szene in einem stark umkämpften Gebiet von Legia und Widzew ist. Von der Lautstärke war ihr heutiger Auftritt für uns völlig zufriedenstellend. Zudem gab es optisch in der zweiten Halbzeit etwas zu bestaunen: Zuerst war eine Blockfahne mit Silhouette der Stadt und der Aufschrift „Mein Płock, meine Wisła“ zu sehen. Diese wurde echt übermäßig lange, in etwa 10 Minuten, hochgehalten, sodass wir uns schon drüber amüsieren mussten. Anschließend wurde aber die Fahne doch zusammengerollt und eine schön anzusehende Pyroshow gestartet. Wegen dem Rauch über dem Platz musste das Spiel sogar kurzzeitig vom Schiedsrichter unterbrochen werden. Nach dem Schlusspfiff wurde schnell ein Restaurant auf dem Marktplatz aufgesucht. Dort wurde auch endlich richtig gegessen sowie zum Ausklang des ersten Tages der Tour mit Żubrówka angestoßen.
Text/Fotos: Шаффи
Nachtrag: Aufgrund von Pyrotechnik wurde Wisła mit 10 000 złoty Strafe belegt, die Heimtribüne für ein Spiel gesperrt sowie ein Auswärtsverbot nach Zabrze gab es oben drauf.


















