Stadion Miejski w Gdyni
Zuschauer: 12 568 (1500 Gäste)
Der dritte Tag unserer Polen-Tour begann mit der Nachricht von Christian, dass 11.500 der 15.000 Kapazität für das anstehende Spiel in Gdynia bereits abgesetzt wurden und dem daraus resultierenden „Stress“ erst mal statt Frühstück zum Kartenkauf ans Stadion zu fahren. Obwohl Gdynia zusammen mit Sopot und Gdansk, wo wir übernachteten, zur sogenannten Trójmiasto (Dreistadt) gehört, waren wir mit dem Auto über eine halbe Stunde unterwegs bis wir am Städtischen Stadion im Stadtteil Redłowo angekommen waren. Bis zur Kasseneröffnung war noch etwas Zeit und so wurde das riesige Einkaufszentrum einige hundert Meter weiter angefahren. Auf dem Weg wurde noch das Rugbystadion mit einer großen Tribüne gesichtet, wo die Rugby-Abteilung von Arka beheimatet ist sowie der Stadtrivale Bałtyk teilweise seine Fußballspiele austrägt.
Im Einkaufszentrum teilten wir uns erst mal auf: Für einen polnischsprachigen Kumpel besorgte ich die aktuellste TMK-Ausgabe im Empik und besuchte zudem noch ein typisches polnisches Schnellrestaurant, wo traditionelles Essen unabhängig von der Art gewichtsmäßig abgerechnet wird. Immer wieder ein Traum diese Läden! Dann fuhren wir wieder zurück zum Ground und besorgten uns für je 35 zloty die Karten für die Haupttribüne. Anschließend war noch genug Zeit bis zum Anpfiff um 18 Uhr, sodass wir in die Innenstadt schauen wollten. So wirklich eine Altstadt gibt’s in Gdynia nicht, es ist eher eine Arbeiter- bzw. reine Hafenstadt. Wir besuchten jedoch die Hauptsehenswürdigkeit – die Meerpromenade, welche recht abgeranzt war und so gar nicht an einen Urlaubsort (was Gdynia aber auch gar nicht ist) erinnerte. Die beiden Museumschiffe, die dort noch aufgestellt waren, wollten von den beiden Mitfahrern nicht besucht werden. So kehrten wir zurück zum Einkaufszentrum, wo ich mich von den beiden trennte und die Zeit dann selbstständig darin vertrieb. Anschließend trafen wir uns wieder und liefen die letzten Meter bis zur Spielstätte zu Fuß. Dieser moderne Ground, der mit seiner Bauweise doch sehr an die Architektur der Stadien in den Niederlanden erinnerte, wurde drei Jahre lang anstelle des alten Stadions errichtet. Dieses war aber ursprünglich gar nicht die Heimat Arkas, sondern von Bałtyk. Arka ist hier in der ul. Olimpijskiej 5 erst seit dem Jahr 2000 beheimatet, nachdem das eigene Stadion przy ulicy Ejsmonda verlassen werden musste. Dort befand sich übrigens auch der legendäre Hügel (Górka), wo sich der Heimblock der Arka-Fans befand. Heute sind um den Hügel herum Tennisplätze errichtet und nichts mehr vom Fußball zu sehen.
Das Stadion betraten wir mehr als 40 Minuten vor dem Spiel, sodass es noch recht leer war. Der Pole kommt ja bekanntlich auf den letzen Drücker. Wirklich schön ist es drinnen so gar nicht, aber wenigstens ist es nicht so überdimensional wie die Arena von Lechia. Wir konnten beobachten wie sich das Stadion langsam füllte und die vielen Zaunfahnen der Hausherren aufgehängt wurden. Auf der Heimseite konnte man auch die Zaunfahne „Gdyńska Górka zawsze z wami“ (Gdingener Hügel immer mit euch) mit der klaren Ansage erblickt werden. Zum Anpfiff zeigte die Kurve eine Schalparade, während ich die Melodie der gerade gespielten geilen Vereinshymne „Arkowcy, Arkowcy, Wielki MZKS“ mitsummte. Sofort ging es dann mit dem Support los, der über das ganzes Spiel über sehr geschlossen und laut vorgetragen wurde. Bei beleidigenden Gesängen gegen den Erzfeind aus Gdansk oder die Polizei waren auch die Normalos sich nicht zu schade anzuschließen. Links von uns stand noch ein anderer Fanblock hinter der „Nigdy Sie Nie Poddawaj“ Fahne mit grauen Schals. Zuerst war uns nicht ganz klar, was es sich damit aufhat, da die polnische Fanszene durch ihren Stil so gar nicht mit einer Abspaltung vorzustellen ist. So war es auch nicht, denn es stellte sich als eine Aktion eines Fanclubs aus einer kaschubischen Stadt heraus, um zu zeigen, dass die ganze Region Kaschubei hinter Arka steht. Es wurde eine eigene größere Mobilisierung und Fahrt zu diesem Spiel organisiert und extra Schals dafür angefertigt. Gegen Ende der ersten Halbzeit wurden darin von ca. 20 vermummten Gestalten eine Blockfahne und ein Spruchband gezeigt. Wir dachten sogar an eine anstehende Pyroshow, aber dem war nicht so (obwohl ursprünglich sogar geplant war). Es blieb bei der einzigen optischen Aktion an diesem Abend.
Die Gäste aus Poznan haben zusammen mit Cracovia und Arka eine langjährige Freundschaft in der sogenannten Koalition „Die Große Triada“. Somit waren auch reichlich in den Norden angereist und verteilten sich neben dem Gästeblock auch auf den restlichen Plätzen. Insgesamt war auf Dauer von ihnen kein organisierter Support auszumachen. Eher selten sowie durch die Wechselgesänge mit der gelb-blauen Heimkurve verschafften die Kolejorz (die Eisenbahner) sich Gehör. Erwähnenswert bleibt noch auf jeden Fall das Spruchband „German death camps“, welches in der zweiten Halbzeit für den Rest des Spiels in der Heimkurve gehisst wurde. Dies ist eine Kampagne zur Unterstützung eines polnischen Gesetzes, das den Begriff „polnische Todeslager“ bei unserem Nachbarn inzwischen unter Strafe stellt. An sich ja nichts schlimmes, da es zur Zeiten des Dritten Reichs tatsächlich keine polnischen Todeslager gegeben hat. Dadurch aber, dass dieses Gesetz auch die Forschung auf dem Gebiet der (für Polen unpassenden) Wahrheit des Zweiten Weltkrieges einschränken kann, stößt es in vielen Staaten auf großes Unverständnis.
Nach dem Abpfiff um 20 Uhr ging es für uns drei geschwind die 900 km nach Süddeutschland, da für mich am nächsten Tag noch ein ganz regulärer Arbeitstag anstand. Do widzenia Polsko!
Text/Fotos: Шаффи



















