Sonntag, 4. Februar 2018

TSG Bergedorf - HFC Falke e.V. II 2:0

Testspiel
Billtalstadion
Zuschauer: 33

Der Winter kommt zurück…härter als zuvor!
Nein, hier geht es nicht um die neue Staffel von „Game of Thrones“ sondern um den Alptraum jedes Fußballfans. Spielausfälle!
Diesen Sonntag hatte ich  mal wieder ein Heimspiel meines HSV´s geplant.  Wenn ich dies tue, versuche ich immer vorher noch Spiele im Amateurbereich zu besuchen. Hab ich hier doch schon eine ordentliche Anzahl Grounds besucht und werde bald meine Heimatstadt mit der Anzahl besuchter Plätze überholen, da ich in Würzburg natürlich schon alle habe. Sind ja nunmal einige weniger als in der Weltstadt Hamburg!
Schon Tage vorher kündigte der Wetterdienst den Wintereinbruch an und man bekam schon die ersten Spielabsagen rein. So wurde die Auswahl im Zug sitzend und surfend im enger. Ein Hoch auf die FuPa-App und Vereine die ihre Facebook-Seiten pflegen und dem Hopper-Heinz umgehend antworten.
Selbst von Hamburger Hoppern kamen nur noch wenige Empfehlungen und selbst bei diesen waren noch Fragezeichen ob denn nicht auch dort noch abgesagt wird. So wäre ich zu diesem Zeitpunkt schon froh gewesen statt den anvisierten zwei Spielen wenigstens noch eines zu machen.
Also ging es erstmal zum SC Sternschanze, dort sollte heute ein Testspiel um 13 Uhr stattfinden, da man schon um 11:30 auflief, konnte man noch eine Jugendspiel im Schneetreiben bewundern. Mittlerweile muss man ja fast froh sein, wenn ein Verein auf Kunstrasen spielt. Zumindest im Winter. Irgendwann traf Wasi aus Hannover mit seiner Entourage ein und man verzog sich auf 2 Bier in die geniale Vereinskneipe. Wasi hatte ich mal bei einem Belgrad-Derby kennengelernt und so konnte man sich mal wieder über das schönste Hobby der Welt austauschen. Schön dich mal wieder getroffen zu haben.
Da der Ground von Sternschanze außer dem Ausblick auf den Fernsehturm nix zu bieten hat und ich mich mittlerweile mit zwei Kollegen verabredet hatte ging es für mich weiter nach Bergedorf, einem Stadtteil im Südosten von Hamburg an der Landesgrenze zu Schleswig-Holstein liegend. An der S-Bahn Station dort traf ich wie verabredet auf Mitch und Ronaldo, welche die HSV- und Hopperlegende, den „Roten“ im Schlepptau hatten. Das ist einer der witzigsten Typen die ich kenne und so war klar dass es heute sicher lustig wird. Er ist einfach ein echtes Original !
Nach einigen Orientierungsproblemen fanden wir dank Google Maps, meinem Smartphone und Befragung einiger Einheimischer den Ground endlich. Dachte ich eigentlich den Ground habe ich schon und wunderte mich über das in meiner Erinnerung etwas anders aussehende Stadion, machte mich natürlich der Rote auf meinen Faux-Pas aufmerksam. Da ich nicht auf dem Schirm hatte das in Bergedorf zwei so wahnsinnig geile Stadien stehen. Wie man Billtalstadion mit Sander Tannen verwechseln kann…aber gut, unerhofft ein neuer, geiler Ground.
Denn irgendwie ist das Billtalstadion doch in Vergessenheit geraten, hab ich doch noch nie was von gehört bzw. Fotos gesehen. Dabei war es laut der „Welt“ bei der Eröffnung 1950 Norddeutschlands schönste Sportanlage.
Das Billtalstadion hat seinen Namen nach einem nahegelegenen Fluss, der Bille. Es fasst 30.000 unüberdachte Plätze, davon sind 300 Sitzplätze.
Es wurde von 1949-1950 im ehemaligen Schießtal des Bergedorfer Gehölzes erbaut. Es wurde zunächst mit 50 „Alfu“-Arbeitern und zwei Greifbaggern begonnen. Alfu bedeutete damals Arbeitslosenfürsorgeunterstützungsempfänger. Das Hauptaugenmerk wurde auf Handarbeit gelegt, um so möglichst vielen Erwerbslosen Arbeit zu bieten. Wäre ja vielleicht auch mal eine Idee in der heutigen Zeit. Baut mehr Stadien ! Ob sich für diese Arbeit dann Horden an Groundhoppern finden würden ???
Die Besonderheit ist, dass das Spielfeld und die Aschenbahn in einer Senke liegen, während die Zuschauerränge in den Hang eingelassen sind. Erstmals in Hamburg hatte das Stadion eine exakt 400 Meter lange Laufbahn.
Das Billtalstadion war bis zu seiner Sanierung 2009 das mit Abstand größte Stadion mit einem Grandplatz in Deutschland. Heute ist es das größte Amateurstadion Hamburgs und hat einen Kunstrasen.
Im Spielbetrieb spielt die TSG Bergedorf in der Kreisklasse, während der BFSV Atlantik 97, ein Verein ehemaliger Sowjet-Aussiedler, in der Kreisliga kickt.
Es gab mal Pläne hier sogar Flutlicht zu installieren. Dies sollten die damals hier spielenden Footballer der Hamburg Blue Devils tun, Wegen massiver Beschwerden einiger Anwohner, wurde dies aufgrund ungeklärter finanzieller Verhältnisse und dem Prozessrisiko sein gelassen und die Blue Devils bauten in Altona ein eigenes Football-Stadion.
Früher spielte hier noch der ASV Bergedorf 85, der während der 50er und 60er Jahre in den höchsten deutschen Spielklassen vertreten war. Höhepunkt war das Fußballspiel im Jahr 1958 gegen den HSV (1:4), mit Uwe Seeler, vor über 25.000 Zuschauern.
Heute zu Gast war der HFC Falke und mit ihm wie immer eine ordentliche Anzahl Fans mit einigen Zaunfahnen im Gepäck, so dass wenigstens etwas für das Auge geboten war. Über einen Testkick Worte zu verlieren ist natürlich reine Zeitverschwendung. Wir verlaberten das Spiel bei einigen günstigen Knollen aus dem gottseidank geöffneten Stadionkiosk. Der Schankgott meinte das hier in Bergedorf noch mehr gute Stadien wären..das muss ich doch mal recherchieren.
Bedenkt man die nicht ganz ausgebauten Hänge, so würde das Stadion bei vollem Ausbau noch größer sein als jetzt...
Nach dem Spiel ging es für uns direkt zum Volksparkstadion, wo ich wieder feststellte wie wenig mir die Bundesliga gibt und mir mittlerweile bedeutet. Denn das Highlight des Tages waren für mich die zwei Spiele vorher. Gemütlich Fußball schauen, ohne Wochen vorher ein Ticket bestellen zu müssen, statt überteuerter Caterer und fragwürdigem KöPi gibt’s ne Holsten Knolle für 1,50 €.
„Aber die Flasche bringste wieder mit rein, sonst muss ich Pfand verlangen !“

Text/Fotos: Pressi