Samstag, 19. September 2020

1.CfR Pforzheim - Sportfreunde Dorfmerkingen 3:0

Oberliga Baden-Württemberg

Stadion im Brötzinger Tal

Zuschauer: 450

 

In Zeiten von Corona gestalten sich Spielbesuche ja schwieriger als sonst. Mindestkapazitäten und Hygieneregeln gilt es zu beachten. Recht stabil wird in BaWü gekickt. Dort sind 500 Zuschauer zugelassen. Da ich in diesen Zeiten auf Nummer sicher gehe, orderte ich mir ein Online-Ticket im Vorfeld. Zudem fand ich vor und nach dem Oberliga-Spiel noch zwei Jugendpartien in Pforzheim.

Also ging es mit dem Zug in den Nordwesten Baden-Württembergs. Pforzheim hat etwa 125.000 Einwohner und liegt nahe der Landeshauptstadt Stuttgart und nicht weit von Karlsruhe. Sie wird gemeinhin als die Pforte zum Schwarzwald bezeichnet.

Da die Stadt nicht viel hergibt, ging es für mich gleich zum Stadion, wo am Kunstrasen-Nebenplatz noch die B-Jugend gegen den Ball trat. Netter Auftakt, da ich ja ungern irgendwohin fahre und mir nur ein Spiel reinziehe. Zeit- und Geldverschwendung !

Heute hatte der Wettergott auch ein Einsehen und nach der Kälte der letzten Tage brannte heute mal wieder die Sonne auf einen herunter.

„Ich geh´zum Club“ sagt man in der Goldstadt , so wird der 1.FCP von jeher genannt, Nachdem er mehrmals seinen Standort wechseln musste, handelte man 13 Grundstücksbesitzern 1911 das heutige Stadiongelände ab. Im Hochwassergebiet an der Enz mussten 30.000 Kubikmeter Erde bewegt werden.

Der Club-Platz lag damals weit draußen vor der Stadt, nun liegt er inmitten eines Gewerbegebietes mit Versandhäusern, Großmärkten und ähnlichen Einrichtungen und ist entsprechend begehrt.

Während des Ersten Weltkriegs erlebte die Anlage ihre finstere Phase. Zeitweise wurde auf dem Spielfeld sogar Kartoffeln angepflanzt. Auch die Fenster wurden zertrümmert, Türen aufgebrochen und Sportgeräte entwendet.

Die aus Holz errichtete Tribüne brannte 1943 vollständig ab. 2 Jahre vor der Zerstörung Pforzheims 1950 wurde sie als Stahlbeton-Skelettkonstruktion wieder aufgebaut. Das Dach wurde 1968 erneut zerstört, als ein Tornado über die Goldstadt hinwegfegte.

2010 kam es zur Fusion vom 1.FC Pforzheim mit dem VfR Pforzheim und der Spielbetrieb startete zunächst im Brötzinger Tal. Als im Frühjahr 2014 die Bauarbeiten begannen, zog der Verein mit dem Spielbetrieb ins Holzhofstadion. Aus geplanten 1-2 Jahren im Osten der Stadt wurde ein Aufenthalt von über 5 Jahren, denn der Fortschritt im Brötzinger Tal verzögerte sich immer wieder.

In der Winterpause der Saison 2019/20 legten sich zahlreiche CfR-Mitglieder und Freunde ist Zeug und nun kann seit dieser Saison endlich wieder hier gespielt werden.

Blickfang ist sicherlich die Haupttribüne, welche von zwei grauen Funktionsgebäuden flankiert wird. Die Gegengerade ist teilweise mit blauen und roten Schalensitzen bestückt und beherbergt noch die Sprecherkabine. Hinter einem Tor sieht man noch alte Stehstufen und in der Ecke ist die neue Anzeigetafel untergebracht. Auf der Hintertortribüne am Haupteingang befinden sich ebenfalls Stehplätze und die Klos, sowie die Versorgungstände.

Normalerweise kann man in Baden-Württemberg einen großen Bogen um die Verpflegung machen, denn normalerweise gibt es da nur die traditionelle Rote. Für mich eine genauso sinnlose Wurst wie Wiener und Bockwurst. Schmecken sie doch alle gleich fad und geschmacksneutral. 

Aber beim CfR wird groß aufgefahren, schon damals bei unserem Besuch im Holzhofstadion waren wir begeistert von der Auswahl. Rote, Bratwurst, Steak (Schwein und Pute), Schnitzel und Currywurst werden hier kredenzt. Da geht der Daumen nach oben !

Ich gönnte mir eine Bratwurst, welche überaschenderweise echt gut war. Gleich zu Beginn traf man auf Bayern-Allesfahrer WR und konnte so eine gute Stunde verlabern. Leider hatte ich meine Mütze vergessen und die Sonne brannte unerbittlich auf meine Birne, dass ich irgendwann einen Platz im Schatten suchte.

Auf dem Rasen fuhr Pforzheim einen doch recht souveränen 3:0-Sieg ein und bezwang die Sportfreunde aus Dorfmerkingen die vor 3 Jahren in der ersten Runde des DFB-Pokals auf den ungeliebten Brauseclub trafen.

Übrigens gibt es eine kleine Fanszene, welche aus älteren Kernassis besteht, welche sich auch gerne mal untereinander kloppen sollen. Am Zaun davor hing ein Union-Jack und eine Pforzheim-Fahne mit RWE-Logo. Vernehmen konnte ich nur lautes Gepöbel und ein paar Old-School-Gesänge. Scheint eine lustige Truppe zu sein…

Nach Abpfiff erwartete mich noch ein 50-Minuten langer Fußmarsch bergauf um auf der Wilferdinger Höhe der A-Jugend des SV Kickers Pforzheim zu schauen. Danach stellte ich meine Joggingqualitäten unter Beweis und erreichte pünktlich meinen anvisierten Zug, der mich wieder in die Heimat brachte.

 

Text/Fotos: Pressi