Samstag, 26. Oktober 2019

Os Onze Espérancas - Moncarapachense LGC 1:3

Campeonato Algarve
Campo Horta da Areia
Zuschauer: ca. 300

Wie jedes Jahr versuche ich um meinen Geburtstag eine Tour zu basteln, damit ich an meinem Geburtstag ein Spiel im Ausland sehen kann. Da jemand mit mir Urlaub machen wollte, die jedoch kein Fußball sehen wollte, war klar dass es zwangsläufig etwas weniger Spiele werden würden.


Da schönes Wetter gewollt war, einigte man sich auf Portugal. Während der Zeit englische Woche, sollte passen.
Als erstes Ziel wurde die Algarve auserkoren, denn da herrschen Ende Oktober noch Temperaturen von über 20 Grad. 
Die südlichste Provinz des Landes ist vor 700 Jahren als letzte unter die Herrschaft der portugiesischen Krone gekommen. Der 50km breite und 150km lange Küstenstreifen ist Osten durch den Rio Guardiana von Spanien und im Norden durch eine Hügelkette vom Alentejo getrennt. Sie schützt die Region vor kühlen Nordwinden und macht sie so zu einem reichen Garten: Es wachsen hier Öl- und Johannisbrotbäume, Apfelsinen, Zitronen, Feigen und Mandeln. 
Auch die Küstenlandschaft ist abwechslungsreich: Im Osten gibt es ausgedehnte Sandbänke, Dünenlandschaften und Lagunen, zum Westen hin immer mehr Felsküste und steile Riffe. 
Der Name Algarve bedeutet „der Westen“ (Al Gharb). So nannten die Mauren den westlichen Teil ihres Emirats, die Portugiesen behielten nach der Reconquista den Namen bei. Die Algarve bildet eine von sieben Regionen Portugals.  
Mein einziger Besuch Portugals war 2004 zur EURO. Damals ging es mit einem gemischten Bus aus HSVern und Bielefeldern den langen Weg zu einem von Holländern (!!!) geführten Campingplatz, wo man die Vorrunde der deutschen Nationalmannschaft verfolgte. Gut, mehr gab es ja dann auch nicht zu sehen. Zusätzlich wurden noch drei anderen Spiele besucht und so steht man mit 5 Grounds schon gut da. Klasse war diese Tour, gerne erinnere ich mich daran zurück, als man Super Bock lauwarm bei sengender Hitze in sich hinein schüttete und afrikanische Einwanderer in ihrem Bauchladen allerlei bei uns illegale Rauchwaren feilboten. 
Allerdings ist die Anreise mit dem Bus nicht unbedingt zu empfehlen...
Diesmal flog man in drei Stunden von Frankfurt mit der irischen Billig-Airline nach Faro. Von dort mit dem Linienbus zum Busbahnhof und dann mit dem Zug zu unserer ersten Station nach Olhao.
Olhao hat 15.000 Einwohner und liegt an der sogenannten Sand-Algarve, dem Sotavento. So bezeichnet man den Landstrich, der sich zwischen dem Flughafen von Faro und der spanischen Grenze im Osten Portugals erstreckt.
Due Zugfahrt von Faro dauert nur 10 Minuten und unser gebuchtes Hotel „Cidade de Olhao“ war nur einen Katzensprung entfernt. Man hatte sich mal was gegönnt und ein paar Euro mehr ausgegeben und es war im Bahnhofsviertel das mit Abstand beste Haus.
Ein geniales Frühstücksbuffet war inkludiert und auch ein Swimmingpool lud bei angenehmen Temperaturen zum baden ein.
Doch schon am zweiten Tag sollte der Ball rollen. Ausgemacht hatte ich ein Spiel der 4.Liga, die in Portugal in 22 Staffeln, nach Distrikten geordnet, gespielt wird.
Am Spieltag sah ich auf der Facebook-Seite des Vereins 11 Esperancas, dass sie nicht im eigentlichen Stadion Estadio Muncipal de Penha spielen, sondern im Horta da Areia. Ein kurzer Blick in die App wies eine kleine Tribüne auf dem Foto aus. 
Der ursprüngliche Ground hätte eine große Tribüne an einer Seite mit Steh- und Sitzplätzen gehabt. So fuhr man mit dem Zug nach Faro und schaute sich etwas die Stadt an. Faro hat zwar keine schöne Stadtsilhouette und gilt oft als reizloses Industrie- und Verwaltungszentrum mit etwa 51.000 Einwohnern, ist aber doch eine Stadt mit Charme und viel Grün, einem kleinen geschützten Hafen, einer lang gezogenen Lagune und einem hübschen Stadtkern, der eine Besichtigung durchaus lohnt. Das alte Stadtviertel wird noch von mittelalterlichen Befestigungsmauern mit gewaltigen Stadttoren umringt. Mehr als 500 Jahre haben hier die Mauren geherrscht. Vom Aussichtsturm der Kathedrale hat man einen schönen Ausblick auf die nähere Umgebung.
Nachdem man einen Happen gegessen hatte, trennte ich mich von meiner Begleitung und besorgte mir erstmal ein paar Dosen Super Bock für den kurzen Weg vom Hafen am Wasser entlang zum Ground. Auf dem Weg war noch eine Kirmes mit Riesenrad und anderen Fahrgeschäften. Da kein Bierzelt zu sehen war, ging ich weiter zum Campo Horta da Areia. Nach etwas suchen fand ich den Eingang und war erstmal enttäuscht. Keine Tribüne mehr vorhanden und vor einem lag ein Kunstrasenplatz, der von einer Mauer umringt war...
Entweder ist das Bild in der App ein Scherz oder die Tribüne wurde abgerissen. Aber über sowas rege ich mich nicht mehr auf, das wichtigste ist dass überhaupt der Ball rollt !
Erstaunlicherweise musste ich mich durch eine vorhandene Fanszene kämpfen um an den Getränkestand zu kommen. Viele Leute mit Fahnen, T-Shirts und Schals des Vereins „11 Esperancas“ . Das heißt auf deutsch soviel wie „11 Hoffnungen“. Ja die hat ein Groundhopper auch immer wenn er wohin fährt...
Eine davon wurde heute halt enttäuscht. Nämlich die mit dem Ausbau !
Aber zumindest war eine Fanszene vorhanden und Bier wurde auch ausgeschenkt. Also zwei Hoffnungen wieder erfüllt 😉
Einige Gäste mit Schals waren ebenso erschienen, ist ja auch nur etwa 25 Kilometer entfernt. Auf FB wurde schon angekündigt dass man heute nicht im „heiligen Mantel“ spielt, so nennt man auf Portugiesisch das Trikot. Denn der Gast spielte heute in Grün-Weiß, während die Heimequipe in Schwarz auflief. Das wurde im Facebook-Account groß mit „Fear of the Dark“ angekündigt. Beim Einlauf lief auch das gleichnamige Lied von Iron Maiden, während die Fanszene mir gegenüber ihre Fahnen im Wind flattern lies und einen Doppelhalter in die Höhe reckte.
Leider hatte die Gäste keine Angst vorm Dunkeln und gewannen das Spiel locker mit 3:1. Ich fand das Ambiente hier trotzdem ganz angenehm. Auch die örtliche Polizei drehte ihre Runden und langweilte sich, nachdem man zwei, drei Leute von der Mauer vertrieb.
Ich bruzzelte in der sengenden Sonne und trieb den Bierkonsum in die Höhe. Was soll man Samstags auch sonst machen ?
Nach dem Spiel ging es zurück nach Olhao und beendete den Tag mit einem netten Abendessen, bei dem der heutige Fang eines örtlichen Fischers verspeist wurde.
In den einfachen portugiesischen Kneipen gibt es meist Menus, bei denen man für wenig Geld eine Vorspeise oder Salat, einen Hauptgang und einen Kaffee als Nachtisch bekommt. Ist zwar keine große Kochkunst, aber manchmal schmecken die einfachen Gerichte doch am besten! 

Text/Fotos: Pressi