UEFA Champions League
Saint Petersburg Stadion
Zuschauer: 51 683 (ca. 50 Gäste)
Aktuell läuft ein Projekt meines Arbeitgebers in Russland bzw. Sankt
Petersburg an. Ich sollte ein Training für die Projektteilnehmer halten
und die Veranstaltung war auch noch Vorort geplant, sodass ich mich
natürlich gleich nach dem Fußball umschaute. Nachdem der Termin für die
erste Oktober-Woche festgelegt wurde, ließ ich meinen Rückflug nicht aus
Sankt Petersburg, sondern am Montag aus Moskau buchen. Damit stand
zumindest für das Wochenende das Programm in Moskau mehr oder weniger.
Doch diese Woche hatte noch mehr Potential, da ausgerechnet da der
zweite Spieltag der Champions League anstand. Somit war ich so heiß wie
noch nie auf die Champions League Auslosung bzw. ihren Spielplan.
Von Gegnern her gab es zwar nichts Spektakuläres für Zenit, doch dafür
passte der Spielplan perfekt. Für Mittwoch wurde nämlich das Spiel des
fünffachen russischen Meisters gegen den portugiesischen Rekordmeister
Benfica terminiert.
Schon am Dienstag war ich der zweitgrößten
Stadt angekommen. Nach dem kurzen Besuch auf der Arbeit schaute ich mir
soweit es ging bis Mitternacht die Innenstadt der ehemaligen Hauptstadt
an. Mein erster Eindruck bestätigte die Schönheit von Sankt Petersburg,
sodass ich unbedingt noch die Stadt expliziter kennenlernen will. Die
Anzahl der Sehenswürdigkeiten, Palais und Museen ist hier so gigantisch,
dass selbst eine Woche zu wenig kommen könnte. Aber Hauptsache das
geplante Sightseeing findet im Sommer statt, denn erstens ist das Wetter
in Sankt Petersburg zu anderen Jahreszeiten meist grauslich und
zweitens bekommt durch die berühmten Weißen Nächte eine Möglichkeit die
Stadt über die ganze Nacht bei Lichtverhältnissen wie an einem späten
Nachtmittag zu genießen. In Tallinn habe ich es in diesem Sommer bereits
ordentlich genossen gehabt. Meine Arbeit habe ich um pünktlich 18 Uhr
beendet, war aber aufgrund der Entfernungen und dem Verkehr erst nach 19
Uhr im Hotel, welches im Zentrum gelegen war angekommen. Schnell
umgezogen ging es wieder raus in Freie. Zum Glück war das Spiel erst auf
22 Uhr terminiert worden, sodass ich auf dem Weg zum Stadion noch zum
Abend essen konnte. Da es dennoch schnell gehen sollte, wählte ich mir
eine Pelmenya aus. Das ist eine russische Restaurantkette, die sich
ausschließlich auf allen Arten der Teigtaschen spezialisiert. Der Name
ist auf die kultigen sibirischen Teigtaschen namens Pelmeni
zurückzuführen. Der Laden bietet aber nicht nur diese, sondern alle
möglichen internationale Variationen, wie z.B. die ukrainischen
Vareniki, georgischen Khinkali oder sogar die deutschen Maultaschen, an.
Nicht mal vier Euro kostete mir die Portion mit 15 Pelmeni, die ich in
gefühlt 5 Minuten runterschluckte. Anschließend marschierte zur U-Bahn
der grünen Linie, die mich zur Station Novokrestovskaya auf der
Krestovsky Insel brachte. Dies ist die nächstgelegene Station zum
Stadion, dennoch läuft man noch ordentlich um das Stadion herum bis man
an den Eingängen ankommt. Hier wird alles kleinlich handgehabt. Schon
gleich wird man vorgewarnt, dass keine einzelne Tasche, nicht mal eine
Plastiktüte mit ins Stadion darf. Nach der Ticketkontrolle stehen noch
Metalldetektoren mit den extrem peniblen Securities. Nun war ich endlich
auf dem Gelände der Arena. An dieser Stelle stand bis 2006 das Stadion,
das nach dem sowjetischen Parteifunktionär Sergei Kirov benannt war.
Es war das zweitgrößte Stadion des Landes und über 40 Jahre lang (1950 -
1989, 1992 und 1995) die Heimat des Zenits. Nachdem es abgerissen
wurde, begannen hier 2007 die Arbeiten am neuen Stadion. Der Bau dieses
dauerte fast 10 Jahre und kostete dem Staat fast eine Milliarde Euro.
Nicht nur von der Kapazität (ca. 62 000 Plätze) her, sondern auch
funktional mit dem schließbaren Dach und dem ausfahrbaren Spielfeld
ähnelt es verdammt der Arena auf Schalke. Obwohl die Arena schon seit
zwei Jahren steht, sollte an diesem Tage überhaupt das erste Champions
League Spiel hier stattfinden. Zenit war die letzten Jahre eigentlich
schon immer erfolgreich, doch seit 2017 klappte es gleich in zwei
aufeinander folgenden Saisons nicht mit einem der zwei russischen
Champions League Plätzen. Mit dem Meistertitel in der vergangenen
Spielzeit war der Club damit schon direkt für die Gruppenphase
qualifiziert. Die Fankurve, bei Zenit als „Virazh“ bekannt, bereitete
für dieses historische Spiel eine gut gemalte Blockfahne, die drei Engel
zeigte. Dies ist auf eine Stadtlegende zurückzuführen: Die
Nordhauptstadt wird es geben solange sie von den drei Engel, die auf
drei wichtigen Sehenswürdigkeiten stehen, bewahrt wird. Über die
Blockfahne wurde ein glitzerndes Vereinslogo der sogenannte Zenit-Pfeil
hochgezogen. Am Zaun hing die ganzen 90 Minuten das Spruchband „Glänze,
blühe, der großartige Club“. Trotz des großen Spiels wurde wie erwartet
auf jegliche Pyrotechnik verzichtet. In dem Land wird ja jede
Kleinigkeit extrem verfolgt, geschweige denn die Fans versuchen
irgendwas mit Pyro zu machen… Vom Support her ist der Virazh aber doch
eine wirklich einzigartige Kurve. Zu 90% hat man einen komplett eigenen
Stil, den sonst niemand anderer fährt. Sankt Petersburg bzw. Leningrad
zur gilt als die Wiege der sowjetischen Rocks. Darauf ist man hier sehr
stolz, sodass man es auch in die Fankultur einfließen ließ. So hat
Virazh sehr viele umgedichtete Rocklieder in ihrem Repertoire. Manches
lässt sich natürlich nicht einfach singen bzw. kommt nicht so
bombastisch rüber, auch mehrere Trompeten in der Kurve sind nicht
unbedingt ein Ultras-Ding, doch die Kurve zieht es schon sein mehreren
Jahren so durch und dafür verdient sie schon ihren Respekt. Obwohl ich
politisch mit der Fanszene rein gar nichts anfangen kann, gefällt mir
der Supportstil schon sehr, wobei es zumindest von Videos her im
Ex-Stadion Petrovskiy deutlich besser rüberkam.
Nachdem das Spiel
gegen Mitternacht abgepfiffen wurde, ging es schnellen Schrittes zu der
Metro-Station Krestovskiy Ostrov. Diese liegt zwar etwas weiter weg als
die jeweilige von der Hinfahrt, soll aber nach Aussagen der
Einheimischen nicht so überlaufen sein. Aufgrund des Spiels wurde die Öffnungszeit der Metro übrigens bis 1 Uhr verlängert, sodass ich noch gut
zum Hotel kommen konnte.
Text/Fotos: Шаффи





















