LFL Moskau Oblast
Stadion Torpedo
Zuschauer: 40
Nach
dem Champions League am Mittwoch war Donnerstag und Freitag zunächst
fußballfrei gewesen. Am Freitag wurde ich nach der Arbeit von Taxi zum
Hauptbahnhof bzw. dem sogenannten Moskauer Bahnhof in Sankt Petersburg gebracht. Dort mein Gepäck abgegeben ging es noch auf einen
Spaziergang, inklusive Abendessen. Spätabends ist noch mein Zug nach
Moskau gefahren. Für ca. 45 Euro buchte ich mir die zweite Klasse im
Nacht-Doppeldecker. Als in meinem Abteil ankam und nur Chinesen drin
gesehen hatte, kam zunächst nur ein lautes „Suka!“ von mir. Ich versuche
ja schon meistens tolerant gegenüber anderen Touristen zu sein, doch
wie sich diese Chinesen in Russland geben, ist schon unter aller Sau!
Anscheinend war einer der Chinesen offiziell im Nachbarabteil
eingebucht, sodass ich gleich auf Englisch gefragt wurde, ob ich denn
tauschen könnte. Damit war ich wieder gerettet! Nach etwa 8 Stunden
Fahrzeit war ich dann in der 700 km entfernten russischen Hauptstadt
angekommen. Die Nacht war extrem gut. Ich habe schon lang nicht mehr so
gut in den Nachtzügen gepennt. Wie alle Züge aus Sankt Petersburg kam auch dieser in Moskau am Leningrader Bahnhof an. Dieser liegt an einem
Platz, wo sich noch zwei andere Bahnhöfe (Yaroslavskiy und Kazanskiy)
befinden. Alle drei Bahnhöfe sind zudem wirklich groß und gehören vom
Passagieraufkommen zu den Top 5 der Russischen Föderation. Meine
Übernachtung für die zwei Nächte war in der Wohnung eines
Arbeitskollegen geplant, sodass ich vom Bahnhof mit der U-Bahn dorthin
reiste. Die gewaltigen Entfernungen von Moskau machen Metro zum
schnellsten Verkehrsmittel der Stadt. Denn während man im Auto in den
Staus ewig verbringen kann, fährt die Bahn in den Hauptzeiten in
Minutentakt durch die Metropole. Dadurch, dass ich die U-Bahn voll
nutzen sollte, holte ich mir gleich ein Ticket für drei Tage. Neben dem
Tagesticket würde ich noch die Yandex-App für die U-Bahn empfehlen. Die
russische Suchmaschine Yandex bestimmt in vielen Bereichen das Leben der
Russen und ist um einiges besser als ihr ehemaliges Vorbild Google. Ich
bin ja ehrlich gesagt total voreingenommen gegenüber Russland, doch
technologisch und dienstleistungstechnisch muss ich ehrlich gestehen,
dass sie Deutschland schon meilenweit voraus sind. Umso trauriger ist es
aber für die Bevölkerung, die von einer KGB-Truppe regiert wird, denen es
nie um die Menschen ging. Nachdem ich in meiner meine Sachen in der Bleibe gelassen hatte, musste ich gleich wieder in die
U-Bahn steigen, um ans andere Ende der Stadt zu kommen. Dort wartete
Slava CWT auf mich. Gemeinsam wollten wir zum offiziellen Spiel des
russischen Tags der Amateure kommen. Slava ist eine sehr bekannte
Persönlichkeit in den postsowjetischen Fankreisen. Er ist der Sänger der
Kultband Clockwork Times - CWT,
die seit 2002 existiert. Diese SKA-Band ist eine der zwei bekanntesten
Bands, die von der Fankultur bestimmt werden. Trotz der Berühmtheit ist
Slava dennoch sehr cool drauf und seit kurzem auch ins Hopping
reingerutscht. Nachdem auch noch Taras, ein CSKA-Hool, zum Treffpunkt
kam, konnte unserer Ausflug in der Karre von Slava in die 50 km
entfernte Stadt Elektrostal beginnen. Das Ziel haben wir aber nicht erreicht, denn nachdem wir für 10 km eine Stunde gebraucht hatten und
das Navi als Ankunftszeit die Halbzeitpause ankündigte, entschieden wir
uns, dass es sein zu lassen und doch lieber ein anderes Spiel zu suchen.
Mit dem Viertligaspiel in Lyubertsy wurden wir auch schnell fündig.
Doch bevor dieses angefahren wurde, ging es auf den Markt in eine
Schmierbudde zum Schaschlik-Essen. Auf der ganzen Fahrt konnte ich von
den beiden Russen mit Interesse noch viele Storys aus dem früheren
Hooliganleben anhören. Damit ist schon seit einigen Jahren mehr oder
weniger Schluss in Russland. Das Stadion in Lyubertsy ist seit kurzem
leider umgebaut bzw. die Holzbänke auf der einzigen Tribüne wurden durch
bunte Plastiksitze ersetzt. Außerdem wurde am Stadioneingang ein
Metalldetektor aufgestellt, was bei der heutigen Zuschauerzahl von ca.
40 Leuten mehr als übertrieben wirkte. Die Russen sind aber an jeder
Ecke so total im Polizei- und Sicherheitswahn. Gleich nach dem Betreten
des Stadion wurden wir noch zusätzlich von der Miliz angesprochen, dass
es nichts mit Freirumlaufen im Stadion wäre. Auch Slavas Argument, das
hier einer aus Deutschland wäre, der das Stadion gerne fotografieren
würde, interessierte keinen. Sogar im Gegenteil hieß es, dass es umso
besser für uns wäre, wenn man sich gleich auf die Haupttribüne verpissеn würde ohne auf eine Diskussion mit der Staatsmacht einzulassen. Das Spiel, das
die Heimmannschaft in letzter Minute noch mit einem 2:2 beenden
konnten, war übrigens in der höchsten Amateurliga des Landes gewesen.
Die Liga heißt Lyubitelskaya Futbolnaya Liga (LFL), was auf Deutsch
einfach nur Fußballamateurliga übersetzt bedeutet. Sie wird in 10
Staffeln ausgespielt und die Region von Moskau hat dabei gleich zwei
Meisterschaften in der LFL. Fantechnisch lief leider nichts an dem
Nachmittag, wobei Slava gemeint hat, dass sowohl die Hausherren als
Gäste eigentlich jeweils eine kleine und überraschenderweise für mich
linke Szene hätten. Nach dem Abpfiff kutschierte Slava mich und Taras
noch zur nächsten U-Bahn Station. Während Taras zu einem Eishockey-Spiel
fahren wollte, stand für mich der nächste Kick des legendären
Werksvereins Torpedo in der zweiten Liga an.
Text/Fotos: Шаффи













