Samstag, 5. Oktober 2019

FK Lyubertsy - FK Prialit Reutov 2:2

LFL Moskau Oblast
Stadion Torpedo
Zuschauer: 40


Nach dem Champions League am Mittwoch war Donnerstag und Freitag zunächst fußballfrei gewesen. Am Freitag wurde ich nach der Arbeit von Taxi zum Hauptbahnhof bzw. dem sogenannten Moskauer Bahnhof in Sankt Petersburg gebracht. Dort mein Gepäck abgegeben ging es noch auf einen Spaziergang, inklusive Abendessen. Spätabends ist noch mein Zug nach Moskau gefahren. Für ca. 45 Euro buchte ich mir die zweite Klasse im Nacht-Doppeldecker. Als in meinem Abteil ankam und nur Chinesen drin gesehen hatte, kam zunächst nur ein lautes „Suka!“ von mir. Ich versuche ja schon meistens tolerant gegenüber anderen Touristen zu sein, doch wie sich diese Chinesen in Russland geben, ist schon unter aller Sau!
Anscheinend war einer der Chinesen offiziell im Nachbarabteil eingebucht, sodass ich gleich auf Englisch gefragt wurde, ob ich denn tauschen könnte. Damit war ich wieder gerettet! Nach etwa 8 Stunden Fahrzeit war ich dann in der 700 km entfernten russischen Hauptstadt angekommen. Die Nacht war extrem gut. Ich habe schon lang nicht mehr so gut in den Nachtzügen gepennt. Wie alle Züge aus Sankt Petersburg kam auch dieser in Moskau am Leningrader Bahnhof an. Dieser liegt an einem Platz, wo sich noch zwei andere Bahnhöfe (Yaroslavskiy und Kazanskiy) befinden. Alle drei Bahnhöfe sind zudem wirklich groß und gehören vom Passagieraufkommen zu den Top 5 der Russischen Föderation. Meine Übernachtung für die zwei Nächte war in der Wohnung eines Arbeitskollegen geplant, sodass ich vom Bahnhof mit der U-Bahn dorthin reiste. Die gewaltigen Entfernungen von Moskau machen Metro zum schnellsten Verkehrsmittel der Stadt. Denn während man im Auto in den Staus ewig verbringen kann, fährt die Bahn in den Hauptzeiten in Minutentakt durch die Metropole. Dadurch, dass ich die U-Bahn voll nutzen sollte, holte ich mir gleich ein Ticket für drei Tage. Neben dem Tagesticket würde ich noch die Yandex-App für die U-Bahn empfehlen. Die russische Suchmaschine Yandex bestimmt in vielen Bereichen das Leben der Russen und ist um einiges besser als ihr ehemaliges Vorbild Google. Ich bin ja ehrlich gesagt total voreingenommen gegenüber Russland, doch technologisch und dienstleistungstechnisch muss ich ehrlich gestehen, dass sie Deutschland schon meilenweit voraus sind. Umso trauriger ist es aber für die Bevölkerung, die von einer KGB-Truppe regiert wird, denen es nie um die Menschen ging. Nachdem ich in meiner meine Sachen in der Bleibe gelassen hatte, musste ich gleich wieder in die U-Bahn steigen, um ans andere Ende der Stadt zu kommen. Dort wartete Slava CWT auf mich. Gemeinsam wollten wir zum offiziellen Spiel des russischen Tags der Amateure kommen. Slava ist eine sehr bekannte Persönlichkeit in den postsowjetischen Fankreisen. Er ist der Sänger der Kultband Clockwork Times - CWT, die seit 2002 existiert. Diese SKA-Band ist eine der zwei bekanntesten Bands, die von der Fankultur bestimmt werden. Trotz der Berühmtheit ist Slava dennoch sehr cool drauf und seit kurzem auch ins Hopping reingerutscht. Nachdem auch noch Taras, ein CSKA-Hool, zum Treffpunkt kam, konnte unserer Ausflug in der Karre von Slava in die 50 km entfernte Stadt Elektrostal beginnen. Das Ziel haben wir aber nicht erreicht, denn nachdem wir für 10 km eine Stunde gebraucht hatten und das Navi als Ankunftszeit die Halbzeitpause ankündigte, entschieden wir uns, dass es sein zu lassen und doch lieber ein anderes Spiel zu suchen. Mit dem Viertligaspiel in Lyubertsy wurden wir auch schnell fündig. Doch bevor dieses angefahren wurde, ging es auf den Markt in eine Schmierbudde zum Schaschlik-Essen. Auf der ganzen Fahrt konnte ich von den beiden Russen mit Interesse noch viele Storys aus dem früheren Hooliganleben anhören. Damit ist schon seit einigen Jahren mehr oder weniger Schluss in Russland. Das Stadion in Lyubertsy ist seit kurzem leider umgebaut bzw. die Holzbänke auf der einzigen Tribüne wurden durch bunte Plastiksitze ersetzt. Außerdem wurde am Stadioneingang ein Metalldetektor aufgestellt, was bei der heutigen Zuschauerzahl von ca. 40 Leuten mehr als übertrieben wirkte. Die Russen sind aber an jeder Ecke so total im Polizei- und Sicherheitswahn. Gleich nach dem Betreten des Stadion wurden wir noch zusätzlich von der Miliz angesprochen, dass es nichts mit Freirumlaufen im Stadion wäre. Auch Slavas Argument, das hier einer aus Deutschland wäre, der das Stadion gerne fotografieren würde, interessierte keinen. Sogar im Gegenteil hieß es, dass es umso besser für uns wäre, wenn man sich gleich auf die Haupttribüne verpissеn würde ohne auf eine Diskussion mit der Staatsmacht einzulassen. Das Spiel, das die Heimmannschaft in letzter Minute noch mit einem 2:2 beenden konnten, war übrigens in der höchsten Amateurliga des Landes gewesen. Die Liga heißt Lyubitelskaya Futbolnaya Liga (LFL), was auf Deutsch einfach nur Fußballamateurliga übersetzt bedeutet. Sie wird in 10 Staffeln ausgespielt und die Region von Moskau hat dabei gleich zwei Meisterschaften in der LFL. Fantechnisch lief leider nichts an dem Nachmittag, wobei Slava gemeint hat, dass sowohl die Hausherren als Gäste eigentlich jeweils eine kleine und überraschenderweise für mich linke Szene hätten. Nach dem Abpfiff kutschierte Slava mich und Taras noch zur nächsten U-Bahn Station. Während Taras zu einem Eishockey-Spiel fahren wollte, stand für mich der nächste Kick des legendären Werksvereins Torpedo in der zweiten Liga an. 

Text/Fotos: Шаффи