Challenge League
Rheinpark Stadion
Zuschauer: 971
Das war sicher einer der am härtesten erkämpften Länderpunkte, aber erstmal von vorne. Vor kurzem schaute ich spaßeshalber mal auf der Bahnseite nach Verbindungen nach Liechtenstein. Preislich waren sie überraschenderweise recht günstig. Da ich schon lange den Länderpunkt machen wollte und noch zwei 10 € Gutscheine hatte, buchte ich mir Hin- und Rückfahrt, auch wenn der Gegner total unspektakulär war. Aber Eventhopper war ich ja noch nie und ich wollte einfach dieses Jahr noch ein weiteres neues Land besuchen.
Samstag abend gegen 23 Uhr ging es von Würzburg aus los. In Frankfurt dann ein über zweistündiger Aufenthalt und mal wieder großes Kino was in der Bankenmetropole so alles rumstolpert. Lederhosentrottel, Penner, Junkeys…das ganze Programm an skurillen Typen und es war echt unterhaltsam. Über Basel und Sargans ging es nach Buchs an der Schweizer Grenze, wo ich frühmorgens gegen 9 Uhr, nach 10 Stunden Fahrt, endlich eintraf. Erstmal mein mitgebrachtes Frühstück verzehrt, denn das Fürstentum ist für uns Deutsche ja extrem teuer und ich hatte den Plan einfach mal kein Geld auszugeben.
Liechtenstein ist ein deutschsprachiges, 25 km langes Fürstentum zwischen Österreich und der Schweiz. Es ist bekannt für seine mittelalterlichen Burgen, Alpenlandschaften und Dörfer. Es ist der sechstkleinste Staat der Erde mit seiner Fläche von nur 160 Quadratkilometer und seinen 38.000 Einwohnern.
Die Hauptstadt Vaduz ist ein Zentrum der Kultur und Finanzwirtschaft. Hier befindet sich auch das Kunstmuseum Liechtenstein, in dem moderne und zeitgenössischen Kunstwerke ausgestellt werden. Was mich aber recht wenig interessierte und ich mir ein Frauen Drittliga-Spiel ausgesucht hatte. Leider war ich der einzige der am Sportplatz Rheinau gegen 10:30 Uhr auflief. Aso ging es über die Rheinbrücke. Der Rhein ist praktisch in der Mitte der Grenzübergang von der Schweiz zu Liechtenstein.
Vom Bahnhof Buchs läuft man schon eine gute Stunde nach Vaduz.
Dort ging es bergauf zum Schloss Vaduz, war schon echt lang und anstrengend und ich wollte schon aufgeben.
Leider kann man das Schloss nicht besichtigen, doch von oben hat man einen schönen Blick ins Tal auf das Fürstentum.
Sogar ein Volksfest in der Ortsmitte konnte ich ausmachen, auf dem man schon laut die Blasmusik hören konnte.
Die Innenstadt ist ganz nett, mit dem Rathaus, Regierungsgebäude und der Kathedrale St. Florin. Dazu noch das Fest mit allerlei Fahrgeschäfte und Marktständen. Beinahe hätte ich mein Vorhaben schon in die Tonne klopfen können, den der Darm verlangte eine dringende Entleerung, doch gottseidank waren dank des Volksfestes die Schranken auf der öffentlichen Toilette auf !
Wer mich kennt weiß, dass ich im Ausland normal echt nicht so aufs Geld schaue und ich hätte mir schon gern was warmes zu essen oder mal ein paar Bier gegönnt. Da ich noch genug Zeit hatte, las ich noch etwas im Fanzine und trank das mitgebrachte Bier auf einer Bank.
Rechtzeitig ging es dann zum Stadion, da man die Tickets online kaufen konnte, brauchte ich auch dort keine Schweizer Franken. Übrigens 35 CHF für Haupttribüne und 20 CHF hinter dem Tor.
Der FC Vaduz wurde 1932 gegründet und schloss sich zunächst dem Vorarlberger Fußballverband an, wechselte aber bereits ein Jahr später in den Spielbetrieb des Schweizer Fußball- und Athletik-Verband, des heutigen Schweizerischen Fußballverbandes (SFV).
2001 stieg der Verein in die Nationalliga B auf, der zweithöchsten Schweizer Liga. In den Jahren darauf stand der Aufstieg in die höchste Schweizer Liga auf dem Programm.
2004 und 2005 scheiterte man in der Relegation. Im Jahre 2008 ging endlich der jahrelange Traum in Erfüllung. Nach sieben Jahren Challenge League stieg der FC Vaduz als Meister direkt in die Super League auf.
Damit war erstmals in der höchsten Schweizer Liga ein ausländischer Verein vertreten. Mitte 2008 kam die Frage auf, ob dem FCV auch nach Ablauf des Vertrages im Jahre 2010 die Teilnahme als nicht-Schweizer Verein weiterhin erlaubt werden solle. Diese Frage hatte insbesondere auch darum eine gewisse Brisanz, da der FC Vaduz zu dieser Zeit erstmals in der Super League spielte.
Im Juni 2009 wurde vom SFV der Grundsatzentscheid gefällt, dass der FC Vaduz auch weiterhin die Teilnahmemöglichkeit an der Meisterschaft der Super League und der Challenge League haben sollte.
Den Liechtensteiner Cup konnte man 47 mal gewinnen, was natürlich Rekord ist. Meister der Challenge League wurde man 2003, 2008 und 2014 und nahm 4 Saisons in der höchsten Schweizer Spielklasse teil.
Das Rheinpark Stadion in Vaduz ist das einzige für internationale Spiele zugelassene Stadion im Fürstentum Liechtenstein. Es wurde 1998 eröffnet und fasst insgesamt 7.838 Plätze und wurde vom Fürstentum mitfinanziert und gehört der Gemeinde Vaduz.
Es liegt unmittelbar am rechten Rheinufer und damit an der Landesgrenze zur Schweiz. Der Bau des Stadions wurde notwendig, weil die FIFA und die UEFA damit drohten, in Liechtenstein keine Europapokal- und Länderspiele mehr zuzulassen, wenn das Land nicht eine moderne Spielstätte nach internationalen Normen zur Verfügung stelle. Zwar gibt es in Liechtenstein keine eigene Meisterschaft, aber es wird ein Pokalwettbewerb ausgespielt, dessen Sieger (meist der FC Vaduz) jedes Jahr in der Qualifikationsrunde der Europa League vertreten ist. Eine Modernisierung und Ausbau auf 8.000 Plätze um den neuen Infrastruktur-Lizenzanforderungen der Swiss Football League nachzukommen wurde allerdings auf unbestimmte Zeit verschoben.
Der Gegner heute war der FC Stade Lausanne-Ouchy, welcher einer der ältesten Fußballclubs der Schweiz ist. Er wurde 1895 gegründet und ist im Lausanner Stadtteil Ouchy beheimatet und war 1897 Gründungsmitglied des SFV. Fanszene gibt es hier keine und somit war der Gästeblock auch heute geschlossen. Starker Stadtteilname, schade das kein M davor ist.
Auf der Hintertor-Tribüne machte sich auch ein jugendlicher Mob der „Sektion Nord“ mit zwei Zaunfahnen breit. Es scheint hier laut der einen Fahne sogar Stadionverbotler zu geben. Stimmung gab es natürlich keine von Ihnen, sie beließen es beim Biertrinken. Gut, ich hätte auch keine Motivation bei so einem Gegner.
Das einzige was man hörte, waren die Aktivisten auf dem Rasen und das klacken der Werbebanden beim umschalten. Es war wie erwartet ganz harte Kost, aber das wusste ich ja vorher.
Wobei ich sagen muss das durch das Bergpanorama hier schon optisch einiges geboten ist. Einfach herrlich dieser Ausblick !
Übrigens hab ich jetzt einen Ohrwurm im Ohr, denn jemand rief etwa alle 5-10 Minuten „Hopp Vadotz“, ähnlich dem Opa in Krefeld der ständig „KaEffZeh“ kräht. Hat mich irgendwie an ihn erinnert.
Hier scheint man Vaduz tatsächlich Vadotz auszusprechen, wenn ich den Stadionsprecher richtig verstanden habe.
Da die Gäste aus dem französischen Teil der Schweiz waren, galten meine Sympathien natürlich dem Heimteam. Diese führten locker und leicht mit 3:0 bevor die zwei Anschlusstore gegen Ende sie doch noch etwas zittern ließen.
Nach Spielschluss sammelte ich noch ordentliche Eintrittskarten ein es ging am Rhein entlang, mit einem letzten Blick auf das von Flutlicht beleuchtete Stadion mit den in Nebel gehüllten Bergspitzen im Hintergrund…An manchen Sachen kann man sich einfach nicht satt sehen !
Nun ging es wieder zu Fuß zurück in die Schweiz nach Buchs um dort noch eine Stunde auf meinen Zug zu warten, was mir mein letztes Cider etwas versüßte. Der Magen knurrte und verlangte Fleisch und der nahe McDonalds lockte, doch ich blieb standhaft und vertilgte meine letzten beiden belgischen Waffeln um das Hungergefühl zu übertünchen.
Manchmal muss hoppen wirklich weh tun, aber es ist das Leben das ich mir ausgesucht habe vor Jahren.
Nach wiederum 10 Stunden Fahrt über Zürich, Basel und wieder knapp zwei Stunden in Frankfurt war ich frühmorgens um 6 Uhr in Würzburg, während alle anderen auf Arbeit gingen, konnte ich mich dank Spätschicht noch etwas hinlegen.
25 Kilometer gelaufen und 20 Stunden Fahrt für zweite Liga Schweiz ohne Fanaktionen kann man schon mal machen und das Ziel keinen müden Schweizer Franken auszugeben, konnte erfolgreich abgeschlossen werden.
Ein Glück sind nicht alle Länderpunkte mit so viel Mühen gesät.
Text/Fotos: Pressi




































