Montag, 3. August 2020

NK Zagora Unešić - NK Dinara Knin 5:0 Spielabbruch

Freundschaftsspiel
Stadion Borovište
Zuschauer: 100
Die letzten Tage des Urlaubs verbrachten wir in Trogir. Die Hafenstadt in Mitteldalmatien liegt 15 Kilometer westlich von Split. Die Einwohnerzahl beträgt etwa 13.000. Vom historischen Stadtkern, der auf einer Insel liegt, führt eine Steinbrücke im Norden der Insel zum Festland. Auf der südöstlichen Seite der Altstadt ist Trogir mit der Insel Ciovo durch eine Klappbrücke verbunden, die jedoch nicht mehr für den Schiffsverkehr geöffnet wird.
Die Klappbrücke stellte bis 2018 die einzige landseitige Verbindung der Insel mit dem Festland dar. Seit Juli 2018 verbindet Ciovo eine neue Brücke direkt mit dem Festland.
Die gesamte Altstadt von Trogir ist UNESCO-Welterbe und gilt als herausragendes Beispiel für städtebauliche Kontinuität. Die Erwähnung eines UNESCO-Weltkulturerbes, wertet ja jeden Hopper-Bericht ungemein auf und lässt den Verfasser als intellektuell erscheinen. 😉
Mitten in der Altstadt lag auch unser Zimmer. Die Stadt konnte uns auf Anhieb begeistern, allerdings sind die engen, verwinkelten Gassen auch eine Herausforderung für den Orientierungssinn. Öfters haben wir uns dort verlaufen und mussten unsere Pension suchen, teilweise gelang uns das nur Mithilfe Einheimischer.
Die romanische Stadt Trogir stellt den am besten erhaltenen romanisch-gotischen Komplex in ganz Osteuropa da. In dem mittelalterlichen, teilweise von einer Stadtmauer umgebenen historischen Stadtkern befinden sich ein erhaltenes Schloss, ein Turm, etwa zehn Kirchen und eine Reihe von Wohnhäusern und Palästen der Romanik, Gotik, Rennaissance und des Barrock.
Die wichtigste und schönste Sehenswürdigkeit für Groundhopper liegt direkt hinter der Festung Kemerlengo. Der Ground des NK Trogir, die Igraliste Baterija. Dieser besteht aus einem Kunstrasenplatz mit einer kleinen Tribüne, aber die Lage auch direkt am Meer ist ein Traum. Eines Abends brannte sogar das Flutlicht und uns zog es wie magisch zu dem Sehnsuchtsort. Doch leider war nur ein Training aller Jugendmannschaften am Laufen.
Doch eine Meldung bei Facebook des Vereins schreckte mich auf. Ein Spiel am Montag um 18:30 !
Yeah, komme ich doch noch zu dem fantastischen Ground ? Schnell Toni gefragt da ich mit der Bezeichnung „stariji pioniri“ nichts genaues anfangen konnte. Nach kurzer Recherche stellte sich das als C-Jugend heraus. Definitiv für mich nicht zählbar. Ich schaue in Ausnahmefällen gerade mal noch B-Jugend, wo ja gerade mal 80 Minuten gekickt wird.
Montag Mittag meldete sich der Kroatenhopper noch einmal, ob wir denn nicht Abends nicht Lust hätten mit nach Unešić zu fahren, er war zwar schon vor einer Woche dort, würde aber nochmals hin und wie man so schön (haha) im Hopper-Deutsch sagt den Ground bestätigen. Das ließen wir uns nicht zweimal sagen, denn auch meine Tochter war mittlerweile vom Fußball in Kroatien begeistert. Oder war es vielleicht nur wegen deren Aussehen ?
So traf man sich an einer Tankstelle und es ging etwa 40 Kilometer ins Landesinnere, ins sogenannte Hinterland nach Unešić.
Witzigerweise heißt Zagora im Namen des Vereins wörtlich übersetzt auch Hinterland.
Der NK Zagora Unešić wurde 1948 gegründet und spielt aktuell in der dritten kroatischen Liga. Der Verein hat 400 Mitglieder, obwohl er aus einem Dorf mit nur 1500 Einwohnern stammt. Die kleine Stadt liegt im Landkreis Sibenik-Knin.
NK Zagora gewann 2007 den Kreispokal. In dem der Torschütze Ivica Šupe für seine Leistungen ein Lamm bekam. Durch den Kreispokal qualifizierte man sich für den nationalen Pokal. Dort erreichte NK Zagora das Viertelfinale und schied durch ein 7:2 in Hin- und Rückspiel gegen Dinamo Zagreb aus. Der Postbote Šupe erzielte beide Tore und stellte klar, das Zagora „nicht für Lämmer spielte“.
Das der Klub ein wichtiger Bestandteil des Dorfes ist merkte man sofort an der Anlage. Ein schmuckes Vereinsheim mit Bar und Fan-Shop stellte auch durch die Beschriftung und dem Wappen schon einen Blickfang dar. Jede Menge Leute waren schon vor Ort und unterhielten sich bei einem Karlovacko, welches wir uns natürlich auch gönnten.
Nun ging es erstmal auf die obligatorische Fotorunde. Toni war ja wie gesagt schon vor einer Woche hier und ihm fiel gleich die Gegentribüne ins Auge, denn bei seinem Erstbesuch war diese noch im Rohbau. Jetzt erstrahlte sie frisch betoniert und mit roten Schalensitzen bestückt. Da haben die fleißigen Handwerker im Verein ganze Arbeit geleistet !
Die Haupttribüne ist auch schon ein ordentliches Ding, wenn man die Größe des Vereins und Dorfes in Relation dazu setzt. Man will wohl hier für die Zukunft noch weiter ausbauen und ein richtiges Stadion hinsetzen. Da hat man wohl noch größere Ambitionen als die dritte Liga.
Der Ground füllte sich recht ordentlich, doch am Himmel kündigte sich schon ein Gewitter an. Wir setzten uns logischerweise unters schützende Dach. Das wir von der Küste kommen, konnte ein Blinder mit Krückstock sehen, so waren wir die einzigen mit kurzen Hosen und Flip-Flops. Das sollten wir später noch bitter bereuen…
Das Spiel stand unter dem Gedenken an zwei gefallene Soldaten und vor dem Spiel fand auch noch eine Ehrung statt, das geschah alles in Vorgriff auf den kroatischen Nationalfeiertag am 5. August.
Er wird in Erinnerung an die vom 4. Bis 7. August durchgeführte Militäroperation Oluja gefeiert, bei der Polizei- und Armeeeinheiten der Kroatischen Streitkräfte (HV) und des Kroatischen Verteidigungsrates (HVO) das von Krajina-Serben als unabhängigen Staat proklamierte Gebiet Republik Serbische Krajina zurück eroberten. Am 5. August wurde Knin, die „Hauptstadt“ der Republik Serbische Krajina eingenommen. Knin war ursprünglich ein Sitz kroatischer Könige, weshalb man die Stadt oft auch als königliche Stadt bezeichnet.
Das Spiel war doch recht einseitig und Zagora brannte ein regelrechtes Feuerwerk ab und es deutete sich eine echte Packung für Dinara Knin ab, denn zur Pause führte man schon deutlich mit 5:0. Der Himmel war schon richtig schwarz und es war stockduster. Man konnte schon kaum noch etwas sehen, als die zweite Hälfte angepfiffen wurde. Nach 5 Minuten pfiff der Schiedsrichter ab und die Spieler gingen aufgrund des drohenden Gewitters vom Platz.
Schnell sprach sich der Spielabbruch rum und wir gingen Richtung Stadionbar. Nun setzte ein apokalyptisches Unwetter ein. Starkregen und Orkanböen setzten ein und wir suchten Schutz unter einem Dach wie alle anderen Zuschauer auch. Da Toni bei dem Wetter sowieso nicht fahren wollte, da auf den schlechten Straßenbelägen Aquaplaning herrscht, holten wir uns noch ein Bier und warteten auf das Ende des Unwetters.
Nicht zu erwähnen brauche ich ja unsere unsachgemäße Kleidung und wir froren vor uns hin.
So wie der Sturm tobte, rechnete ich schon mit einer außerplanmäßigen Übernachtung hier im Hinterland, doch nach etwa einer halben Stunde verzog sich das Gewitter so wie es gekommen war und wir konnten los fahren.
Kurz vor Trogir gingen wir zum Abschluss noch einmal gemeinsam in einer alten Mühle essen. Hier nochmals ein herzliches Hvala an Toni, für alles was du für uns getan hast ! Ohne Dich wäre es wohl bei einem Spiel im Urlaub geblieben ! Ein echter Top-Lad !
Wir blieben noch zwei Tage in Trogir, bevor es mit dem Bus über München wieder zurück in die fränkische Heimat ging. Dort wurde der kostenlose Corona-Test am Hauptbahnhof in Anspruch genommen. Und nach einer Woche bekam ich eine E-Mail, dass meine Tochter negativ ist. Eigentlich sollte nur im positiven Falle eine Rückmeldung kommen.
Mein Testergebnis kam per Post nach zwei Wochen und war ebenfalls negativ. In jeder Bananenrepublik geht sowas schneller ! Eigentlich hätte man so lange ja in Quarantäne gemusst, anderweitig machen solche Test sonst ja keinen Sinn. Aber Hauptsache König Markus I. lässt in Bayern Fußballspiele unter freiem Himmel ohne Zuschauer statt finden.
 
Text/Fotos: Pressi