Relegation Druga HNL
Stadion Kantrida
Zuschauer: ca. 1000
Das Stadion Kantrida in Rijeka ist ja sowas wie der Heilige Gral unter Groundhoppern. Wenige Stadien können einen bei der blanken Erwähnung die Augen so leuchten lassen wie diese Perle an der Adria.
Shaffi war ja im Mai 2015 beim vorletzten Spiel von HNK Rijeka gegen Osjek anwesend. Seitdem wird es nur noch ab und zu von der Jugend oder kleineren Vereinen im Umkreis bei großen Spielen genutzt. Selbst das von der Armada organisierte Freundschaftsspiel gegen Zrinjski Mostar passte nicht in meinen Zeitplan.
Mittwochs vor dem Spiel hatte ich wieder mal ein Wochenende in Tschechien geplant und die Busse schon gebucht, als der Kroatenhopper Toni in einer Gruppe postete, das der NK Opatija sein Relegationsspiel um den Aufstieg in die zweite Liga dort austragen würde, und auch noch exakt 3.300 Zuschauer zugelassen wären. Da das Hinspiel 0:0 endete, versprach die Partie auch die nötige Spannung.
Ruckzuck plante ich um. Von Prag fährt Samstags Nacht ein Direktbus nach Rijeka. Da ich noch 14€-One-Way-Gutscheine von Flixbus hatte, tütete ich diese Fahrt sofort ein. Nach einigen Recherchen war klar dass es sicher eine Tageskasse geben wird.
So stieg ich nach einem Dreier in Prag Samstag um 21: 20 Uhr in den Bus in die Kulturhauptstadt Europas. Schlafen gestaltete sich durch dreimaliges Aussteigen an den Grenzen natürlich schwierig, aber das war nun auch egal.
Frühmorgens spuckte einen der Bus am Busbahnhof in Rijeka aus. Dort ist auch gleich eine Gepäckaufgabe, in der ich meinen Rucksack deponieren konnte.
Nun bummelte ich etwas durch die Innenstadt, zu viel wollte ich mir aber auch nicht anschauen, da ich kurioserweise eine Woche später mit meiner Tochter hier den geplanten Kroatienurlaub beginnen wollte.
Übrigens ist Rijeka keine sonderliche Schönheit, sondern eine Industriestadt. Selbst der Yachthafen kommt etwas kümmerlich daher.
Nach einem Karlovacko und einer Kleinigkeit zu essen ging es für mich rechtzeitig Richtung Kantrida, das etwas außerhalb liegt. Eigentlich wollte ich die knapp 5 Kilometer laufen, aufgrund der Hitze, gönnte ich mir doch ein Taxi. Als ich die Flutlichtmasten des Stadion sah, ließ ich mich sofort rauswerfen.
Da lag es nun…majestätisch zu meinen Füßen…still und glanzvoll. Ich bekam Glücksgefühle und eine Gänsehaut so geil sah das Stadion und das dahinterliegende Meer aus. Wow !!!
Das Stadion Kantrida in der Kvarner-Bucht, wurde im Jahre 1912 erbaut. Eröffnet wurde es mit einem Freundschaftsspiel zwischen HSK Victoria und Gradanski Zagreb. Victoria nutzte das Stadion bis zum Ende des Ersten Weltkrieges, ehe sich der Verein auflöste.
1926 fand sich mit der neu gegründeten US Fiumana, einem italienischen Verein, ein neuer Mieter, dessen Existenzzeit jedoch bereits 1945 wieder endete.
1946 wurde dann HNK Rijeka gegründet und nutzte den Ground als Heimstadion. Einst betrug das Fassungsvermögen des Stadions 25.000 Zuschauer, doch durch UEFA-Sicherheitsregeln wurde die Kapazität vor einigen Jahren auf die heute noch gültigen 10.600 herabgesetzt.
Das Kantrida wurde bisher dreimal renoviert und zwar 1925, 1951 und 1958. Das Flutlicht wurde 1975 installiert.
Eigentlich sollte schon lange ein Neubau hier stehen, der 15.000 Zuschauer fassen sollte. Bisher wurde keine Handstrich getan und der HNK Rijeka spielt im Stadion Rujevica, das eigentlich nur als Übergangsspielstätte gedacht war.
Dieses befindet sich ebenfalls etwas außerhalb und wurde von meiner Tochter und mir zu einem Geisterspiel gegen den NK Istra eine Woche später besucht, Bericht folgt !
Zusammen mit einem chinesischen Unternehmen will der Verein Pläne für einen Neubau entwickeln. Zum neuen Stadion sollen ein Hotel und Einkaufszentrum gehören. Ein Termin steht weiter in den Sternen und den Charme und das Charisma vom alten Kantrida wird wohl sicherlich nicht erreicht werden.
Ich lief noch ums Stadion und schaute mir alles an und lichtete auch einige Graffitis der Armada ab. Ein Ordner bestätigte mir die Kassenöffnung um 16 Uhr.
Da ich extra Zeit eingeplant hatte weil ich wusste, dass man hier gleich einen Strand um das Kantrida findet, suchte ich mir eine Strandbude zum gemütlichen Biertrinken. Herrliches Ambiente. Wo kann man sich denn besser auf ein Spiel einstimmen als hier am Strand ? Hier wird auch die These wiederlegt, das ein Stadion unbedingt in der Innenstadt stehen sollte.
Rechtzeitig holte ich mir ein Ticket und gönnte mir sogar ein VIP-Ticket für ein paar wenige Kuna mehr. Am Stadion traf ich auch auf die Bayreuther Eishockey-Truppe, mit der ich in Kontakt stand. Gleich daneben stand Kroatenhopper Toni mit Weggefährte BiFi-Mike (Cottbus), mit diesen ging man nun noch auf ein paar Bier an die Strandbar, wo auch der Augsburger Rado am Glas saß.
Um uns rum stimmten sich die kleinen Fangruppen des heutigen Tages ein und man hätte es hier gerne noch länger ausgehalten, war doch eine ganz lustige Runde und das Bier schmeckte schon wieder zu gut. Doch man wollte ja rechtzeitig im Stadion sein um endlich einen Haken hinter dem Sehnsuchtsort zu setzen !
Geöffnet war nur die Haupttribüne, wobei jeder eine Seite zugewiesen bekam und in der Mitte die neutralen Zuschauer Platz nehmen sollten, sich aber dort doch mischten.
Support war wie erwartet nur rudimentär vertreten und mehr als den Vereinsnamen zu skandieren brachten beide Parteien nicht zustande.
Das Spiel war doch ganz gut anzusehen, wobei Opatija deutlich überlegen und technisch besser war und gegen Ende zweimal einnetzen konnte und sich somit den Aufstieg in die zweite Liga sichern.
Nach dem Ausgleich pöbelten die Gäste schön gegen das Heimteam, was natürlich nach abermaliger Führung entsprechend gekontert wurde. Herrlich !
Für Groundhopper die das Kantrida noch nicht besucht haben, öffnet sich nun eine weitere Möglichkeit. Denn durch den Aufstieg wird der NK Opatija wohl seine Spiele nun im legendären Kantrida bestreiten. Die beiden Orte trennen auch nur 14 Kilometer !
Während Rado noch an der Strandbar weitersaufen wollte, ging es für Toni, Mike und mich mit dem Bus in die Stadt zurück. Die anderen beiden stiegen am Bahnhof aus, während ich mich am Yachthafen in ein Restaurant setzte und frische Calamari und ein paar weitere Kannen Bier gönnte.
Groundhopping ist schon geil, während andere im Corona beschränkten Deutschland sitzen, scheint mir am Meer die Sonne auf den Pelz und ich lasse es mir gut gehen, way of life !
Mein Bus war pünktlich in München, von dort hieß es erstmal warten bis man ab 9 Uhr das Bayern-Ticket nutzen konnte und mit diesem nach Würzburg gondelte, wo dann sogleich die Arbeit wartete.
Ein Hoch auf den Schichtdienst, der mir einen Urlaubstag ersparte.
Schöne Wochenendtour durch zwei Länder, die man so normalerweise nicht kombiniert.
Text/Fotos: Pressi






































