Rhein-Neckar-Stadion
Zuschauer: 2000
Irgendwie hab ich es bis heute nie geschafft im Rhein-Neckar-Stadion vorstellig zu werden. Da kam mir die Ansetzung im Pokal des Mannheimer Stadtteilvereins VfB Gartenstadt gegen den im Eigenverständnis “asozialen“ KSC unter der Woche doch sehr gelegen. Obwohl ich Grounds schon am liebsten mit ihren richtigen Eigentümern mache.
Was gibt es denn schöneres als früher Feierabend zu machen und mit Bier und Fanzine bewaffnet einem Qualitäts-Ground entgegen zu gondeln?In der Quadratestadt angekommen, machte ich mich diesmal zu Fuß auf zum Ground. Dauert knapp eine halbe Stunde bis man das Stadion im Stadtteil Oststadt, zwischen Luisenpark und dem Technischen Landesmuseum, erreicht hat.
Als ich gerade am Luisenpark ankam, fuhren mir dutzende Polizei-Bullis und Streifenwagen mit Blaulicht und Sirene entgegen. Schon am Bahnhof standen utopisch viele Bullen. Denn der Waldhof spielte das andere Halbfinale eine Stunde später in Nöttingen. Traditionell mögen sich beide ja nicht sonderlich. Grund für den Aufruhr war eine Boxerei in der Innenstadt unweit der Einkaufsstraße Planken. Wo sich beide an einer Baustelle ein 30 (SVW) vs 50 (KSC) lieferten und auch Bauzäune geworfen wurden. Videos kursieren auch hier auf dieser Plattform. Eine Gruppe von 40 Karlsruhern wurde anschließend von der Polizei festgenommen.
Ich kaufte mir ein Ticket für die Gegengerade und landete erstmal im Gästeblock. Kein Problem, denn es waren kaum Szeneleute anwesend.
Die kurioseste Stadiongeschichte dürfte die Industriestadt "Monnem" ihr Eigen nennen. Davon jetzt aber nur eine Kurzfassung.
Das Rhein-Neckar-Stadion ist die Spielstätte des Deutschen Meisters von 1949, dem VfR Mannheim. Im Volksmund nur “Rasensportler“ genannt, früher ein "Verein der besseren Leute". Es wurde im Dezember 1971 eingeweiht, damals mit dem Zusatz “2“ im Namen und fasst 8.000 Zuschauer, wovon 2.000 Sitzplätze und davon 1000 überdacht sind.
Das heutige Rhein-Neckar-Stadion ist nicht zu verwechseln mit dem alten “Stadion Mannheim“, das 1963 in Rhein-Neckar-Stadion umbenannt wurde und bis Anfang der 1990er Jahre an dem Ort des heutigen Carl-Benz-Stadion stand. Erst als das anschließend “Hauptspielfeld“ genannte alte Stadion später dem Carl-Benz-Stadion weichen mußte, erhielt die “2“ - also das VfR-Gelände - ihren derzeit gültigen Namen “Rhein-Neckar-Stadion“. Alles klar?
Da der heimische Erich-Schäfer-Sportpark für solche Ereignisse wohl ungeeignet ist, wurde die Begegnung hierher verlegt. Der VfB Gartenstadt wurde am 20. Juli 1950 von sportbegeisterten Gartenstädtern gegründet. Gleichzeitig folgte der Aufbau einer Jugendabteilung. Von den Jugendmannschaften waren, denke ich fast alle anwesend in Trikots oder Trainingsanzügen.
Der Stadtteil Gartenstadt liegt im Nordosten von Mannheim, in direkter Nachbarschaft vom Arbeiterstadtteil Waldhof.
Das Stadion ist schon ein kleiner, feuchter Traum für Nostalgiker. Auf dem Dach der ein wenig eigentümlich aussehenden Wellblechtribüne mit 16 Sitzreihen, sprießt das Moos. Zwischen den rund 30 Stehtraversen wachsen Grashalme. Die Hintertorseiten sind nur zu Hälfte mit jeweils 10 Traversen ausgestattet, wobei auf der Straßenseite zudem die an eine Fabrik erinnernde Turnhalle den Blick trübt.
Bis auf eine Handvoll mehr oder weniger bekannter Zaunfahnen vom KSC hing nix im weiten Viereck. Support gab es auch keinen organisierten, da die Ultras nicht auftraten. Schade, halte ich doch Karlsruhe für eine der besseren Szenen im Lande. Vereinzelt wurde was gerufen oder gepöbelt, das wars dann auch.
Ein Blick auf dem Grill ließ den Kenner die angepriesene "Qualitätswurst vom Metzger" als Mist enttarnen. Vor mir wurde die Wurst von einigen KSC-Fans als "besser als im Wildpark" gelobt. Dies und das ich nach dem Spiel keinen großen Spielraum hatte und absolut keine Lust auf Fast Food, liess mich kurz vor der Halbzeit eine Bratwurst ordern. Natürlich hatte ich Recht und sie war geschmacksneutral. Da ich später noch Geld fand, war das zu verschmerzen. Da bleibt mir nur als Fazit: Armer Wildpark !
In der Halbzeit wechselte ich auf die Haupttribüne und genoss den Ground von einem anderen Blickwinkel. Herrlich hier !! Das Spiel gewann der KSC mehr oder weniger locker mit 4:0 und steht nun im Finale und trifft dort auf den SV Waldhof. Da steht dann der nächste Großkampftag an, ich bin gespannt wo da gespielt wird !
Auf dem Heimweg hatte ich Glück im Unglück.
Da ich nach langer Zeit mal wieder Verspätung hatte mit meinem ersten Zug. Doch auch der Anschlusszug hatte diese und ich konnte am Frankfurter Flughafen direkt umsteigen.So kam ich gegen Mitternacht in Würzburg an.
Text/Fotos: Pressi







































