Sonntag, 3. März 2019

ŠK Slovan Bratislava - FC Spartak Trnava 2:0

Super Liga
Tehelné Pole 
Zuschauer: 22 500 (0 Gäste)

Ursprünglich habe ich mir gar keine Gedanken über das Spiel der Stadioneröffnung in Bratislava gemacht. Ganz plötzlich sah ich aber, dass noch Tickets dafür übrig waren und man drum herum eine gute Tour bauen könnte. So stand ohne langes Überlegen der Plan für das erste März-Wochenende fest. Der Samstag wurde mit einem Doppler gut in Budapest verbracht und am Sonntagmorgen startete ich von dort in die slowakische Hauptstadt. Für 9 Euro brachte mich der Zug in knapp zwei Stunden dorthin. Um 11 Uhr dort angekommen, marschierte ich in die Innenstadt bzw. zum Bratislava Flag Ship Restaurant. Schon vor zwei Jahren bei meinem zweitägigen Aufenthalt hier war ich mehr von dieser Brauereigaststätte, als von der Stadt als solche begeistert. Die Brauerei machte erst um 12 auf, sodass ich noch etwas durch die Altstadt schlenderte und dann als einer der ersten in die Kneipe konnte.

Seit meinem letzten Besuch hier schwärme ich vom Nationalgericht - bryndzové halušky. Es sind Kartoffelnocken mit Schafskäse und Speck. Zudem bestellte ich mir eine weitere Spezialität – kapustnica (Sauerkrautsuppe). Ordentlich gesättigt habe ich mir noch das Wahrzeichen der Stadt, die Burg, angeschaut, bevor ich mich in meinem Hostel nahe der Burg einnistete. Dann machte ichmich auf den Weg zum Stadion Tehelné Pole. Über 9 Jahre lang konnte der slowakische Rekordmeister nicht in seinem eigenen Stadion spielen. Durch den maroden Zustand musste man es schon 2010 verlassen und seine Heimspiele 500 Meter weiter, im unbeliebten Štadión Pasienky, das die Heimat des Stadtrivalen Inter ist, austragen. Die Spiele darin wurden mit zahlreichen Boykotten begleitet, wobei die Gründe immer wieder unterschiedlich waren. In den letzten Jahren ließen sich die Ultras Slovan Pressburg nur bei wirklich wichtigen Spielen (z.B. Rapid in August 2018) im Pasienky blicken. So kann man sich vorstellen, wie groß die Freude bei den Belasi (Himmelblauen) war, nach so vielen Jahren endlich zurück in ihrer Heimat zu sein. Der Umbau bzw. der Neubau der Arena hat sich über Jahre hinweg hingezogen, sodass nach mehreren Planänderungen die Fertigstellung Ende 2018 realisiert werden konnte. Das neue Tehelné Pole hat ein Fassungsvermögen von 22500 und wird damit das größte Stadion des Landes. Das Ticket für das Eröffnungsspiel holte ich mir in etwa zwei Wochen im Voraus problemlos im Web, wobei es zwei Tage danach als ausverkauft gemeldet wurde. Neben der Rückkehr von Slovan war das Spiel natürlich aus fantechnischer Sicht interessant. Mit Spartak Trnava war nicht nur der amtierende Meister, sondern auch der Erzfeind zu Gast. Leider meinten bestimmte Wichtigtuer das Gästekontingent zunächst auf lediglich 400 Karten einschränken zu müssen. Selbst mit 600 weiteren angebotenen Karten gaben sich die Ultras Spartak nicht zufrieden, sodass sie sich mit dem Spruch „Jebat Derby“ (Fick dich Derby) fernzubleiben entschieden. Damit war die große Brisanz aus dem Derby genommen. Nichtsdestotrotz waren aber die Jungs aus Bratislava heiß auf das Spiel. Selbstverständlich gab es heute noch Unterstützung von altbekannten Freunden (MHC Martin, Brno und Austria Wien). Aber nicht nur die, sondern auch die Schlesier von Ruch Chorzów waren am Start. Mit Ruch gab es schon länger was, aber 2014 soll dies offiziell beendet worden sein. Anscheinend haben sich die Kontakte jetzt nicht nur wieder intensiviert, sondern es ist jetzt noch Wisla mitreingerutscht. Mindestens zwei Lappen von FCs (Jaworzno und Nowa Huta) waren in der Heimkurve gehangen. Nach der ganzen Eröffnungsshow gab es zum Anpfiff eine Choreo über das ganze Stadion. Während auf den ganzen Rängen eine blau-weiße Fähnchenchoreo zu sehen war, wurde im zweiten Rang der Kurve eine kleine Blockfahne mit dem Bild des alten Stadions und dem Text „Unser Bratislava, unsere Tehelné Pole“ ausgerollt. Anschließend gab es eine schön dichte blau-weiße Rauchshow aus dem Unterrang. Schön war‘s definitiv, selbst wenn es jetzt keine Megachoreo war. Das Optische war an diesem Abend dennoch wesentlich interessanter als die akustische Unterstützung der Mannschaft. Das Liedgut der Hausherren war relativ einseitig und so nahm mich persönlich der Support eigentlich wenig mit. Natürlich muss bedacht werden, dass sich Slovan durch das Boykottieren der letzten Jahre erst einmal wieder finden muss, aber die Tatsache der vergleichsweise schwachen Stimmung lässt sich schwer abstreiten. Vor Ende der ersten Halbzeit wurde in der Kurve noch als Blockfahne ein riesiges Trikot (leider schief) ausgerollt. In der Pause bekam man schon mit, dass das noch nicht alles mit der Pyro heute gewesen ist, denn ein Spruchband „Willkommen in der Hölle“ wurde ausgerollt. Irgendwie wussten die Ultras nicht recht wohin damit und schoben es über den Unterrang der Kurve hin und her, bis es dann letztendlich doch zusammengerollt wurde… Gegen Ende der zweiten Halbzeit wurde das 20 Meter große Spruchband doch wieder ausgerollt. Im Oberrang gab es zudem noch eine Blockfahne mit Totenschädel und Vereinswappen der feindlichen Vereine (Kosice, Nitra, Spartak, Dunajska Streda, Sparta, Fradi, Banik und GieKSa). Natürlich wurde das Spruchband im Unterrang mit Massen an Bengalos beleuchtet, was ein wirklich schönes Bild abgab. Anscheinend waren die Pyroaktionen so auch abgesprochen werden, denn beim organisierten Abfackeln störte es den Stadionsprecher nicht, während der Typ bei einzeln brennenden Bengalos schon was dagegen hatte. 
Bei den ganzen Aktionen der Fankurve hatte ich übrigens stets das Gefühl, als ob es den einheimischen Ultras an Erfahrung mangelt… Ich meine wer schon allgemein so lange keine Choreos mehr gebastelt hat, sowie im Boykott war, tut sich damit an einem neuen Standort natürlich doppelt so schwer. Das Potential möchte ich der Szene jedoch nicht absprechen, sodass ich über ihre Zukunft recht zuversichtlich bin. Und vielleicht schaue ich hier bei einem guten Europapokalspiel wieder mal vorbei…

Text/Fotos: Шаффи