Freitag, 4. Mai 2018

Riga FC - Valmieras FK 6:1

Virsliga
Stadions Skonto
Zuschauer: 299 (ca. 15 Gäste)

Das Pokalfinale war nicht nur das Highlight, sondern auch das letzte Spiel meiner Reise durch Polen. Am Abend nach dem Finale startete ich für 25 Euro mit Eurolines weiter nach Riga. In den baltischen Staaten war ich noch nie. Ursprünglich hatte ich noch vorgehabt, einen Halt in der litauischen Stadt Kaunas einzulegen und dort ein Ligaspiel mitzunehmen. Da es mir aber doch zu stressig war und ich lieber mehr Zeit der lettischen Hauptstadt widmen wollte, wurde eben gleich diese angesteuert. Nach etwa 13 Stunden Fahrzeit war ich so gegen Mittag in der größten Stadt der drei baltischen Staaten angekommen. Die baltischen Länder (Lettland, Estland und Litauen) waren schon zur Zeiten der Sowjetunion sehr zivilisiert und galten als der Westen der UdSSR.
So ergab sich auch, dass die drei auch die Vorreiter beim Zerfall der Sowjetunion waren, als sie schon 1990 ihre Unabhängigkeit bekundeten. Seit der großen Osterweiterung 2004 gehört das Baltikum auch zu Mitgliedern in der Europäischen Union. Die Zivilisation spürt man hier auch gänzlich: Es hat schon alles hier seine Ordnung. Selbst auf dem riesigen Markt, der nahe dem Busbahnhof liegt und als erstes von mir dann besucht wurde, war alles ordentlich. Am besten fand ich dort übrigens die Fischhalle, wo die meisten deutschen Touristen ihre Nase zudrückten, atmete ich als Vollblut-Hafenstädter den Geruch ein und bewunderte die mit Fisch überfluteten Verkaufsstände. Auf Empfehlung eines Einheimischen, übrigens einem Fan des lettischen Erstligisten FK Ventspils, besuchte ich den Pub Folkklubs Ala Pagrabs. Schön im Keller gelegen und sehr urig und traditionell gehalten. Das Essen war preislich definitiv günstiger als in Deutschland, wobei der Bierpreis von 3 Euro bestimmt dem einem oder anderen deutschen Hopper in Lettland schon zu teuer wäre... Kulinarisch hat Lettland keine bzw. wenig eigene Spezialitäten. Die traditionelle Küche ähnelt so der Deutschen, wobei dagegen auch viel Unterschiedliches aus Fisch zubereitet wird. Nach dem Essen machte ich mich auf den Weg durch die Altstadt zu meiner Übernachtung, die im Zentrum lag. Die Innenstadt von Riga kann in Altstadt und Zentrum eingeteilt werden. Die Altstadt ist von einem Kanal umgeben und gehört zum Weltkulturerbe. Sie beinhaltet hauptsächlich Bauten aus dem späten Mittelalter. Das Zentrum ist dagegen aber auch nicht unbedingt modern, zumindest in dem Sinn der Stahl-Glas-Beton-Bauten, sondern es ist für seinen Jugendstil bekannt. Somit gibt es in Riga total viele unterschiedliche Architekturepochen zu sehen. Super! Im Park Hostel, wo ich für zwei Nächte im Einzelzimmer 52 Euro bezahlte, ruhte ich mich zunächst nach der Nacht im Bus etwas aus und begab mich wieder für einen kleinen Abendausflug durch die Altstadt. Am Freitagmorgen zog ich zunächst etwas durch die Innenstadt bis es dann pünktlich um 12 Uhr zum Treffpunkt der Free Tour an der Petrikirche ging. Die dreistündige Führung verlief nicht durch die Altstadt, sondern fand hauptsächlich in der sogenannten Moskauer Vorstadt, einem zentralgelegenen Stadtteil, statt. Ich fand alles extrem interessant, sodass ich auch keinerlei Bedenken hatte dem Führer Caspers einen Schein abzudrücken. Nach dem Ende der Führung lief ich durch die Stadt, welche heute am 4. Mai den 28. Jahrestag der lettischen Unabhängigkeit feierte, zu dem geilen Pub von gestern.
Nach der Mahlzeit dann wieder quer durch die Innenstadt zum Skonto Stadion. Das Stadion wurde 2000 als neues Zuhause für den gleichnamigen lettischen Rekordmeister eröffnet. Mit ca. 9000 Plätzen ist es auch schon das größte Stadion des Landes. 2016 war das letzte Jahr für den Verein Skonto: Aufgrund finanzieller Probleme wurde die Lizenz verwehrt, sodass auch der Verein nicht mehr existiert. Als neuer Hauptstadtclub entstand der Riga FC, dessen Spiel auch heute mein Ziel war. Lettischer Fußball ist schon allgemein eine harte Kost. Noch bis Ende April trug der Verein seine Spiele der zyklischen Saison 2018 auf einem Sportplatz mit Kunstrasen aus. Somit ein Riesenglück für mich, das heutige Spiel in einem richtigen Stadion zu sehen. Für einen Fünfer gab es die Eintrittskarte, die 10 Meter weiter dann von der Trottelsecurity komplett abgerissen wurde. Auf den Rängen versammelten sich gerade mal dreihundert Zuschauer. Hinter dem Tor positionierte sich ein Block mit ca. 25 einheimischen Fans. Als Ultras würde ich diese auf keinem Fall betiteln, lediglich als ein Supporters-Fanclub. Im baltischen Vergleich geht in Lettland fantechnisch generell am wenigsten, sodass man sich schon mit solchen Gruppen zufrieden geben sollte. In der Halbzeitpause wollte ich meinen Standort wechseln und auf die Tribüne hinter dem Tor wechseln. Mit einem Schreck in den Augen wurde ich vom Security gefragt wohin ich denn gehen möchte und er verwehrte mir anschließend den Weg. Als dann während der Pause der Chefsecurity mich noch darum gebeten hat, sich nicht am Zaun anzulehnen, bin ich komplett ausgeflippt. Dann wurde noch etwas mit dem Trottel auf Russisch diskutiert. Irgendwann kam Dinars, Chef vom Fanblock, vorbei und mischte sich richtig heiß mit ein. Am Ende durfte ich dann doch rüber, wobei der Security auch noch versucht hatte mit der Begründung „ich hätte kein Heimtrikot“, also eigentlich aus Prinzip, mir den Zutritt zu verbieten. Wie wichtig muss man sich denn fühlen, dass man bei so einem popligen Spiel so einen Wahn schiebt? Somit wurde der Rest des Spiels vom Heimblock aus geschaut. Dinars entschuldigte sich gleich mehrmals bei mir für die dumme Situation von vorhin. Tatsächlich konnte er ja eigentlich am wenigsten was für, aber es war dem gastfreundlichen Letten eben unangenehm, dass man als Fremder bei seinem Verein so empfangen wird. Schließlich war das Spiel für mich kaum langweilig: Es gab genug Tore, etwas Stimmung und auch ein Erlebnis, das definitiv in Erinnerung bleibt.
Am nächsten Tag, dem Samstag, hatte ich noch etwas Zeit bis zum Flug und schaute mir auf der anderen Seite des Flusses Daugava das idyllische Viertel Āgenskalns, das teils aus alten Holzhäusern besteht, an. Nach dem Spaziergang bestieg ich die Buslinie 22, die mich direkt zum Flughafen brachte. Für 17 Euro ging es von da mit Ryanair nach Berlin Schönefeld. Die Stadt Riga hat mir schon echt gut gefallen und bei einer Tour nach Litauen und/oder Estland schaue ich hier noch gerne wieder vorbei.


Text/Fotos: Шаффи