Samstag, 19. Mai 2018

GKS Katowice - GKS Tychy 1:2

I Liga
Stadion GKS Katowice
Zuschauer: 3500 (keine Gäste – Verbot)

Nachdem ich schon 6 Tage Ende April bzw. Anfang Mai in Polen gewesen bin, sollte es wieder soweit sein und wieder ins Nachbarland gehen. Dieses Mal wurde für die Hinfahrt als Reisemittel die Mitfahrgelegenheit gewählt. Spät am Freitagabend startete ich somit mit einer polnischen Autobesatzung nach Oberschlesien. Für 35 Euro war es nicht nur günstiger als mit dem Bus, sondern auch bequemer und schneller. So war ich dann um 6 früh in der schlesischen Hauptstadt, Katowice, angekommen. An dem heutigen Samstag standen zwar zwei Spiele an, das erste jedoch erst um 15 Uhr. An diesem Morgen galt es also irgendwie die Zeit totzuschlagen, sodass ich es mir am Hauptbahnhof gemütlich machte und Fanzines gelesen habe.
Um 9 machte das Einkaufszentrum Galeria Katowicka auf und ich suchte dort den Empik, wo es den TMK (Fanzine To my kibice) gibt. Das Fanzine erscheint monatlich selbst in der Winterpause - aktuell ist die 200. Ausgabe des Heftes draußen! Das Heft bringt Auswärtsfahrerzahlen, Fotostorys (auch von unterklassigen polnischen Spielen), Infos über Aufeinandertreffen von Hooligangruppen, Fahnenwechsel, Interviews etc. Im Mai wurden auch die drei ersten Ausgaben, welche vor 17 Jahren erschienen sind, als Neuauflage wieder rausgebracht. Diese wurden von mir natürlich ebenfalls gekauft. Anschließend steuerte ich auch schon die Kneipenstraße Mariacka an. Zeitgleich waren auch die Bremer dort angekommen, nach einem kurzen Aufenthalt in ihrem Hotel ging es zusammen in ein Restaurant in der Nähe des Bahnhofs zum Frühstück. Ursprünglich wollten wir noch nach Sosnowiec fahren, um vorab die Tickets für das anstehende zweite Spiel des Tages zu holen, doch die Zeit war schon etwas knapp dafür. So bestiegen wir die Straßenbahn, die uns in 15 Minuten Fahrzeit zum Schlesischen Park, dem größten Stadtpark Europas, brachte, wodurch wir aber das Fantreffen und den Marsch durch die Innenstadt, wo auch ganz gut gezündet wurde, verpassten. GieKSa muss einiges daran liegen, sich in der eigenen Stadt gut zu präsentieren, weil bekanntlich ja auch Ruch viele Fans in der Stadt hat, die gerade in letzter Zeit immer wieder auffallen mit Graffiti übermalen oder dem kürzlichen öffentlichen Verbrennen einer GieKSa-Fahne im umkämpften Stadtteil Giszowiec. Gelegen ist die Parkanlage genau zwischen Chorzów und Katowice. Der Stadtpark beinhaltet nicht nur alle möglichen Freizeitaktivitäten, wie Zoo, Seilbahn, Museen etc., sondern es stehen hier auch noch zwei Fußballstadien. Das eine ist das Stadion Śląski, welches früher jahrelang als Nationalstadion genutzt wurde und als Reserve der EM 2012 angedacht war. Dieses ist nun seit diesem Jahr eröffnet. Gerüchten zufolge sollen hier in Zukunft auch wieder Pokalendspiele ausgetragen werden. Der andere Ground ist die Heimat des GKS Katowice in der Bukowa Straße. Cooles Stadion, wobei es früher, vor dem Abriss der riesigen Hintertortribüne, welche gleichzeitig der Gästeblock war, noch geiler gewesen ist. Hier existieren aber auch schon lange Gerüchte bezügliches des Komplettumbaus. An den Stadionkassen holten wir problemlos die Eintrittskarten und wurden gleich von einem Einheimischen angesprochen, ob wir nicht aus Dresden seien. Bekanntlich pflegte Katowice eine Freundschaft zu den Sachsen, die aber dann auf Wunsch der anderen Freunde beendet wurde. Das heutige Spiel stellte für beide Szenen ein Derby schlechthin dar. Wobei in dem hartumkämpften schlesischen Gebiet ja aber eigentlich fast jedes Aufeinandertreffen eines ist. Früher gab es regelmäßig starke Ausschreitungen bei den Spielen der beiden Clubs. In der Saison 2005/06 als beide Rivalen in der vierten Liga spielten, kamen beachtliche 8000 Zuschauer ins Stadion in Katowice. Die Polizei setze dabei während dem Spiel mehrmals den Wasserwerfer ein, um die beiden Fanlager zu beruhigen. Krass! Auch beim letzten Aufeinandertreffen mit Fans 2016 in Tychy kam der Wasserwerfer vor dem Spiel zum Einsatz. Heute war aber nicht annährungsweise was zu erwarten. Die Gäste aus Tychy haben nach ihrem Heimderby gegen Ruch Chorzów vor einigen Wochen bis zur nächsten Saison Auswärtsverbot bekommen. Das „Fanaufeinandertreffen“ wurde übrigens am nächsten Tag im Stadtpark von Tychy nachgeholt: Eine Massenschlägerei GieKSa+Banik gegen Tychy mit 300 Beteiligten wurde von der Polizei noch einigermaßen verhindert. Aber auch die Hausherren machten beim heutigen Spiel keinen besonders guten Eindruck. Die sogenannte Fantribüne Blaszok war mit bis zu 400 Aktiven eher durchschnittlich besucht und ihr Anblick erinnerte nicht wirklich an ein besonderes Spiel. Das dürfte einerseits daran liegen, dass Gäste eben Verbot hatten, andererseits sicher auch daran, dass die Mannschaft die Chancen auf den Aufstieg fast schon lächerlich verspielt hat. Dementsprechend wurden die Spieler dann am Ende auch mit „Wypierdalać“ (Verpisst euch) in die Kabine geschickt. Ihr Programm zogen die Jungs aber trotzdem durch und unter dem Dach war der Support dann schon ganz in Ordnung, aber auch nicht mehr. Interessant dürfte auch sein, dass unter anderem eine riesige Zaunfahne von Banik Ostrava gehangen war, obwohl Banik zeitgleich ein wichtiges Auswärtsspiel in Karvina hatte. Ich kann zwar nicht sicher sagen, wie es in diesem Fall ausschaut, aber in Polen ist es zumindest gang und gäbe, dass die Szenen auch Fahnen der Freunde bei sich lagern. Außerdem hing auch noch die kultige Fahne vom Bündnispartner Jarosław aus dem Karpatenvorland mit der Aufschrift „Psychicznie chorzy“ („Geisteskranke“), die auf das große psychiatrische Krankenhaus in dieser Stadt anspielt. Amüsiert wurden wir alle noch am Bierstand von einem der Bremer, der „Lech Free“ gelesen und dabei sich schon auf Freibier gefreut hatte. Stattdessen aber wie befürchtet war mit „Free“ alkoholfrei gemeint. Nach dem Schlusspfiff machten wir uns zeitig vom Acker zum Taxi, das uns fünf für ca. 60 zloty zum nächsten Spiel in Sosnowiec brachte.

Text/Fotos: Шаффи

zum nächsten Spiel in Sosnowiec