I Liga
Stadion GKS Katowice
Zuschauer: 3500 (keine Gäste – Verbot)
Nachdem ich schon 6 Tage Ende April bzw. Anfang Mai in Polen gewesen
bin, sollte es wieder soweit sein und wieder ins Nachbarland gehen. Dieses Mal
wurde für die Hinfahrt als Reisemittel die Mitfahrgelegenheit gewählt. Spät am
Freitagabend startete ich somit mit einer polnischen Autobesatzung nach
Oberschlesien. Für 35 Euro war es nicht nur günstiger als mit dem Bus, sondern
auch bequemer und schneller. So war ich dann um 6 früh in der schlesischen
Hauptstadt, Katowice, angekommen. An dem heutigen Samstag standen zwar zwei
Spiele an, das erste jedoch erst um 15 Uhr. An diesem Morgen galt es also
irgendwie die Zeit totzuschlagen, sodass ich es mir am Hauptbahnhof gemütlich
machte und Fanzines gelesen habe.
Um 9 machte das Einkaufszentrum Galeria
Katowicka auf und ich suchte dort den Empik, wo es den TMK (Fanzine To my
kibice) gibt. Das Fanzine erscheint monatlich selbst in der Winterpause -
aktuell ist die 200. Ausgabe des Heftes draußen! Das Heft bringt
Auswärtsfahrerzahlen, Fotostorys (auch von unterklassigen polnischen Spielen),
Infos über Aufeinandertreffen von Hooligangruppen, Fahnenwechsel, Interviews
etc. Im Mai wurden auch die drei ersten Ausgaben, welche vor 17 Jahren
erschienen sind, als Neuauflage wieder rausgebracht. Diese wurden von mir
natürlich ebenfalls gekauft. Anschließend steuerte ich auch schon die
Kneipenstraße Mariacka an. Zeitgleich waren auch die Bremer dort angekommen,
nach einem kurzen Aufenthalt in ihrem Hotel ging es zusammen in ein Restaurant
in der Nähe des Bahnhofs zum Frühstück. Ursprünglich wollten wir noch nach
Sosnowiec fahren, um vorab die Tickets für das anstehende zweite Spiel des
Tages zu holen, doch die Zeit war schon etwas knapp dafür. So bestiegen wir die
Straßenbahn, die uns in 15 Minuten Fahrzeit zum Schlesischen Park, dem größten
Stadtpark Europas, brachte, wodurch wir aber das Fantreffen und den Marsch
durch die Innenstadt, wo auch ganz gut gezündet wurde, verpassten. GieKSa muss
einiges daran liegen, sich in der eigenen Stadt gut zu präsentieren, weil
bekanntlich ja auch Ruch viele Fans in der Stadt hat, die gerade in letzter
Zeit immer wieder auffallen mit Graffiti übermalen oder dem kürzlichen
öffentlichen Verbrennen einer GieKSa-Fahne im umkämpften Stadtteil Giszowiec.
Gelegen ist die Parkanlage genau zwischen Chorzów und Katowice. Der Stadtpark
beinhaltet nicht nur alle möglichen Freizeitaktivitäten, wie Zoo, Seilbahn,
Museen etc., sondern es stehen hier auch noch zwei Fußballstadien. Das eine ist
das Stadion Śląski, welches früher jahrelang als Nationalstadion genutzt wurde
und als Reserve der EM 2012 angedacht war. Dieses ist nun seit diesem Jahr
eröffnet. Gerüchten zufolge sollen hier in Zukunft auch wieder Pokalendspiele
ausgetragen werden. Der andere Ground ist die Heimat des GKS Katowice in der
Bukowa Straße. Cooles Stadion, wobei es früher, vor dem Abriss der riesigen
Hintertortribüne, welche gleichzeitig der Gästeblock war, noch geiler gewesen
ist. Hier existieren aber auch schon lange Gerüchte bezügliches des
Komplettumbaus. An den Stadionkassen holten wir problemlos die Eintrittskarten
und wurden gleich von einem Einheimischen angesprochen, ob wir nicht aus
Dresden seien. Bekanntlich pflegte Katowice eine Freundschaft zu den Sachsen,
die aber dann auf Wunsch der anderen Freunde beendet wurde. Das heutige Spiel
stellte für beide Szenen ein Derby schlechthin dar. Wobei in dem hartumkämpften
schlesischen Gebiet ja aber eigentlich fast jedes Aufeinandertreffen eines ist.
Früher gab es regelmäßig starke Ausschreitungen bei den Spielen der beiden
Clubs. In der Saison 2005/06 als beide Rivalen in der vierten Liga spielten,
kamen beachtliche 8000 Zuschauer ins Stadion in Katowice. Die Polizei setze
dabei während dem Spiel mehrmals den Wasserwerfer ein, um die beiden Fanlager
zu beruhigen. Krass! Auch beim letzten Aufeinandertreffen mit Fans 2016 in
Tychy kam der Wasserwerfer vor dem Spiel zum Einsatz. Heute war aber nicht
annährungsweise was zu erwarten. Die Gäste aus Tychy haben nach ihrem Heimderby
gegen Ruch Chorzów vor einigen Wochen bis zur nächsten Saison Auswärtsverbot
bekommen. Das „Fanaufeinandertreffen“ wurde übrigens am nächsten Tag im
Stadtpark von Tychy nachgeholt: Eine Massenschlägerei GieKSa+Banik gegen Tychy
mit 300 Beteiligten wurde von der Polizei noch einigermaßen verhindert. Aber
auch die Hausherren machten beim heutigen Spiel keinen besonders guten
Eindruck. Die sogenannte Fantribüne Blaszok war mit bis zu 400 Aktiven eher
durchschnittlich besucht und ihr Anblick erinnerte nicht wirklich an ein
besonderes Spiel. Das dürfte einerseits daran liegen, dass Gäste eben Verbot
hatten, andererseits sicher auch daran, dass die Mannschaft die Chancen auf den
Aufstieg fast schon lächerlich verspielt hat. Dementsprechend wurden die
Spieler dann am Ende auch mit „Wypierdalać“ (Verpisst euch) in die Kabine
geschickt. Ihr Programm zogen die Jungs aber trotzdem durch und unter dem Dach
war der Support dann schon ganz in Ordnung, aber auch nicht mehr. Interessant
dürfte auch sein, dass unter anderem eine riesige Zaunfahne von Banik Ostrava
gehangen war, obwohl Banik zeitgleich ein wichtiges Auswärtsspiel in Karvina
hatte. Ich kann zwar nicht sicher sagen, wie es in diesem Fall ausschaut, aber
in Polen ist es zumindest gang und gäbe, dass die Szenen auch Fahnen der
Freunde bei sich lagern. Außerdem hing auch noch die kultige Fahne vom
Bündnispartner Jarosław aus dem Karpatenvorland mit der Aufschrift „Psychicznie
chorzy“ („Geisteskranke“), die auf das große psychiatrische Krankenhaus in
dieser Stadt anspielt. Amüsiert wurden wir alle noch am Bierstand von einem der
Bremer, der „Lech Free“ gelesen und dabei sich schon auf Freibier gefreut
hatte. Stattdessen aber wie befürchtet war mit „Free“ alkoholfrei gemeint. Nach dem Schlusspfiff machten wir uns zeitig vom
Acker zum Taxi, das uns fünf für ca. 60 zloty zum nächsten Spiel in Sosnowiec
brachte.
Text/Fotos: Шаффи
zum nächsten Spiel in Sosnowiec






















