Regionalliga Nordost
Alfred-Kunze-Sportpark
Zuschauer: 3690 ( 190 Gäste)
Los ging es schon Samstag früh, zu fünft per Wochenend-Ticket nach Leipzig. Ziel war das Gastspiel meines HSV´s beim Dosenverein. Kurzfristig schloss sich auch Experte Shaffi uns an, da ihm das Zentralstadion noch fehlte.
Erstes Ziel in Leipzig war eine Kneipe in Bahnhofsnähe, doch da ist jetzt aber eine Sishalounge drinnen und der leicht alkoholisierte Fußballlpöbel nicht willkommen. Eine Kneipe weiter war man dankbar dem Fußballproleten Halbe für sensationelle 1,30€ und Pfeffi zu kredenzen.
Nach einem unerwarteten Punkt unter der Würzburger Legende Hollerbach ging es nachdem sich der Rest Richtung Heimat verabschiedete mal nach Connewitz. Das ist ein Szeneviertel und eines der autonomen Zentren der Republik. Hatte ich mir irgendwie anders vorgestellt und so ging es auch recht zeitig zurück ins Hostelbett. Trend scheinen aber vegane Essensläden zu sein.
Für Sonntag hatten wir das Duell zwischen Chemie und Energie ins Auge gefasst. Die BSG Chemie Leipzig hat eine bewegte Geschichte hinter sich, so wurde 1963 der SC Lokomotive Leipzig mit dem SC Rotation Leipzig zum SC Leipzig zwangsvereinigt. Die Fußballabteilungen der beiden Vereine waren in der Oberliga vertreten,weshalb die BSG Chemie Leipzig neu gegründet wurde um für die anstehende Saison 1963/64 die Oberligastartrechte für Leipzig zu erhalten. Während sich die Mannschaft des SC Leipzig als Fußballschwerpunkt aus den vermeintlich leistungsstärksten Leipziger Spielern zusammensetzte, bestand das Team der BSG Chemie lediglich aus "nicht förderungswürdigen" Spielern. Diese wurden auch als "Rest von Leipzig" bezeichnet. In der folgenden Saison spielte dieser "Rest von Leipzig sehr erfolgreich und lockte im Schnitt 20.461 Zuschauer an und damit doppelt so viele Besucher wie zu den Spielen des SC Leipzig. Man wurde sensationell Meister und so entstand ein bis heute bestehender Mythos.
Die Meisterelf wurde später lebensgroß in Beton gegossen und steht noch heute im Stadion. Trainer war Alfred Kunze, nachdem der Sportpark der BSG Chemie Leipzig benannt ist.
Der Ground zählt für mich zu den Besten in Deutschland, ich war hier schonmal vor Ort und zwar beim legendären Derby im Jahr 2002. Zählt für mich heute noch zu meinen Top-Spielen in meiner Karriere !
Blickfang ist sicherlich der Norddamm, auf welchem die aktiven Fans um die "Diablos" stehen.
16 Stehstufen ragt er in die Höhe, ehe ihn ein breiter Weg mit Mauer und Bande unterbricht. Darauf folgen 20 weitere Stufen. Dergleichen gab es nur noch am alten Tivoli in Aachen. Schon ein wahnsinniger Ausblick wenn man hier oben steht und auf das unter einem liegenden Kleinod des Sportparks blickt !
Zur Zeit wird die denkmalgeschützte Holztribüne saniert und war somit heute gesperrt.
Aufgrund unterschiedlicher politscher Ausrichtungen beider Szenen versprach die Begegnung eine gewisse Brisanz. So wurden beim ungeschlagenen Tabellenführer in Cottbus die Gästeblock-Tickets nur an Vereinsmitglieder verkauft. Die Lausitzer Szene rief dazu auf auch ohne Karten anzureisen und den Stadtteil Connewitz in Schutt und Asche zu legen. So reisten 60 Ultras und Hooligans aus Cottbus frühzeitig an um Auseinandersetzungen mit den Chemikern zu suchen.
Zu einem Aufeinandertreffen soll es aber nicht gekommen sein, denn es war natürlich auch ordentlich Staatsmacht im Einsatz. So kreisten auch zwei Kamow-Hubschrauber über der Szenerie und 3 Wasserwerfer wurden auch aufgefahren.
Im Stadionumfeld patroullierten Einheimische auf der Suche nach Gästen und auswärtigen Fussballbesuchern. Es soll wohl auch zu Feldverweisen gekommen sein.
Einen gewissen Respekt sollte man immer walten lassen, denn man ist ja nur zu Gast in einem fremden Stadion.
Im Gästeblock waren wohl nur vereinzelt Szeneleute anwesend und somit war für einen tristen Gästeblock gesorgt, lag wohl an den personalisierten Tickets und ausser gelegentlichen Pöbeleien gegen die Chemiker war sonst nicht viel geboten. Schade !
Auf Heimseite wurde das Spiel mit einer Schalparade und dem Spruchband "Wir kämpfen bis zum glorreichen Ende" eingeläutet. Anwesend waren auch einige Freunde aus Frankfurt. Support von der Heimseite empfand ich als gut. Besonders gefällt mir, dass die Lieder alles Eigenkreationen sind und man sie sonst nirgendwo hört. Was wäre wenn hier noch ein Dach drüber wäre wohl noch möglich ?
Desweiteren gab es eine Akton zum gestrigen Holocaust-Gedenktag. Gedacht wurde mit einem Spruchband der 1945 in Dresden hingerichteten Leipziger Wiederstandsgruppe "Schumann-Engert-Kresse-Gruppe", dazu wurden deren Konterfeis auf Doppelhalter in die Höhe gehalten.
Ausserdem wurde der NOFV und deren Sportgericht kritisiert, da es in einem Urteil von "Rostockern" statt von Chemie-Fans sprach. Dies wurde mit "Strg+C, Strg+V: So arbeitet der NOFV" zum Ausdruck gebracht, danach wurde ein riesiger kopierter Arsch mit "Wenn kopieren, dann richtig! Leckt uns am Arsch" hochgehalten.
Auch wurden geklaute Utensilien von Cottbus und deren Freunden aus Stuttgart und Chemnitz präsentiert.
Es war also allerhand geboten von Seiten der Chemiker. Klasse finde ich auch deren Zaunfahnen. Besonders sticht hierbei der Dreizeiler am Oberrang des Norddamms hervor. Einfach klasse !
Kulinarisch langte ich ins Klo. Die angekündigten Buletten lagen heute leider nicht auf dem Grill, sodass ich die Bratwurst verspeiste. Diese war unterdurchschnittlich und das Brötchen dazu eine Frechheit.
Für Shaffi gabs ein Brötchen mit Bismarckhering. Die Auswahl an Speisen war aber reichlich, mit Pommes, Matjes, Linsensuppe (vegan) und Schoko-Bananen-Kuchen (selbstverständlich auch vegan).
Unter der dreistelligen Anzahl Hopper wurden mit zwei Münchenern und einem Bamberger auch bekannte Gesichter begrüßt. Als wir die erste Halbzeit auf dem Dammsitz saßen waren hinter uns 5 Experten aus Braunschweig. Diese nervten uns durch ihr dummes Verhalten und lautem Gegröhle zum Liveticker ihrer Eintracht im parallel stattfindenem Spiel in Aue. Genau solche Leute sind es die mit ihrem respektlosen Verhalten unser Hobby in den Dreck ziehen. Schade, dass hier die Sektion Asozial mal nicht vor Ort war um diese Dullies abzuziehen oder zurecht zu weisen. Verdient hätten sie es gehabt !
So ging es nach dem Spiel durch das mit vielen schönen Szene-Graffitis geschmückte Viertel zurück zum Bahnhof Leutzsch und wieder zurück in die Heimat.
Text: Pressi
Fotos: Шаффи + Pressi


























