Estadio Metropolitano
Zuschauer: 54 910 (ca. 80 Gäste)
Am zweiten Tag ging es zunächst auf die Suche nach typisch Madrider Frühstück - Chocolate con Churros. Es handelt sich dabei um eine heiße Trinkschokolade, Churros ist ein frittiertes Süßgebäck. Der traditionellste Laden, wo es diese Spezialität gibt, ist wohl Chocolatería San Ginés. Aber schon 8 Minuten nach der Eröffnung stand dort eine ewige Schlange an. Solche langen Schlangen nach dem Essen erinnert mich irgendwie voll an die Sowjetunion, wo man für stinknormalen Sachen mehrere Stunden in einer Schlange verbringen musste. Darauf stehe ich so gar nicht, sodass ich mir eben ein normales Café raussuchte. Dort gab es selbstverständlich die gleichen Churros, aber eben ohne Warten. Von dem Gericht habe ich mir aber doch mehr erhofft.
Anschließend begab ich mir auf die Tour durch die Stadt. Dieses Mal wurde die Zeit bei bestem Wetter in der Ecke um den Retiro-Park, Paseo del Prado und Calle de Alcalá verbracht. Bevor es dann relativ früh Richtung Stadion ging, wurde noch ein typisch spanisches - bocadillo de calamares (Brötchen mit Calamaresringen) gegessen. Obwohl ich Tintenfisch eigentlich mag, aber im Brötchen ohne jegliche Sauce schmeckt es leider einfach sehr trocken. Mit der U-Bahn fuhr ich dann zum Stadion Metropolitano, das seit Beginn der Saison 2017/18 die neue Heimat des 10-fachen spanischen Meisters ist. Es ersetzte im vergangenen Jahr das fantastische Estadio Vicente Calderón als Heimspielstätte. Leider schaffte ich es nicht, diesen Fußballtempel zu besuchen, während mein Kollege Pressi genau vor einem Jahr noch rechtzeitig das Stadion mit einem Spiel besuchte. Bald wird es nämlich Wohnhäusern weichen müssen. Das aktuelle Stadion entstand an der Stelle des ehemaligen Olympiastadions Madrid, das 1994 eröffnet und 10 Jahre später schon abgerissen wurde. Der Platz ist gefühlt mitten im Nirgendwo, jedoch nicht unweit vom Flughafen, sodass man schon bei der Landung das neue Stadion sehen kann. Der offizielle Stadionname ist übrigens Wanda Metropolitano. Das erste Wort „Wanda“ ist ein chinesischer Konzern, somit ein Sponsorenname, während Metropolitano auf das ehemalige Stadion, welches die Heimat des Atletico vor dem Estadio Vicente Calderón war, zurückzuführen ist. Nächste Saison wird das Stadion zum Austragungsort des Champions League Finales, außerdem soll es den Gerüchten nach auch als permanenter Austragungsort der Endspiele des Copa del Reys dienen. Gefallen hat mir das neue Stadion wie ich es erwartet habe, nicht wirklich. Für mich ist es eben nur eine riesige moderne Arena ohne jeglichen Charme. Als ganz stark soll dagegen die Heimkurve gelten, deren Auftritt heute ich auch gut und interessant fand. Mit sehr guten Mitmachquoten und fast durchgängig laut waren die rotweißen Madrilenen aktiv. Optisch machte die Heimkurve dagegen bis auf die Klatscheinlagen nichts her – es gab keine echten Zaunfahnen und als Schwenker waren das Spiel über seltsame Lappen in Farben rot, weiß, blau und gelb zu sehen. Die fehlende Zaunbeflaggung könnte übrigens damit zu tun haben, dass der bekannten und führende Ultrasgruppe Frente Atlètico seit dem Tod eines Deportivo-Fans nach einer Auseinandersetzung 2014 der Status eines offiziellen Fanclubs vom Verein entzogen wurde. Frente ist eine richtig große Gruppe. Bekannt ist diese vor allem durch ihre spanisch-nationalistische Gesinnung. Die Freundschaft wird dementsprechend auch zu den Ultras von Real Betis Sevilla gepflegt und im Ausland gibt es Freundschaft zum schlesischen Ruch Chorzów und Bushwhackers (Fortuna Düsseldorf). Wie aber schon im vorherigen Bericht erwähnt, spielt die Politik im spanischen Fußball eben eine wichtige Rolle. So werden in der Kurve bei anderen Clubs mit patriotisch eingestellten Fans auch öfter Nationalfahnen gezeigt. Der richtige Knaller war aber noch vor dem Stadion… In Deutschland ist ja beispielweise der öffentliche Verkauf von einem Schal mit der Aufschrift „deutsches Königsberg“ so wirklich unvorstellbar, während es in Spanien wohl keinen juckt, dass direkt vor dem Stadion ein Schal „Spanisches Gibraltar“ angeboten wird.
Nach dem Abpfiff um 18 Uhr ging es mit der Metro flott zum Kunstmuseum Reina Sofía. Ab 19 Uhr gibt es dort nämlich freien Eintritt und so konnte ich noch darin die bekannte Guernica von Pablo Picasso sehen. Für die restlichen Bilder der Kunst des 20. Jahrhunderts darin konnte ich mich dagegen relativ wenig begeistern.
Text/Fotos: Шаффи



















