Stadio Adriatico-Giovanni Cornacchia
Zuschauer: 7621 (ca. 65 Gäste)
Nach 5 Tagen Fußball am Stück stand auch mal ein Tag ohne
jegliches Spiel an. Ich war keineswegs traurig, denn ich plante den Besuch in
der mit Abstand größten Ruinenstadt der Welt. Die Amalfiküste stand aufgrund
der Nähe zu Napoli zwar noch in der Auswahl, aber Pompeji habe ich durch die
antike Historie und seine Einzigartigkeit den „lediglich“ schönen Aussichten
des südlichen Teils der Sorrentinischen Halbinsel vorgezogen. Nachdem ich am
Vortag vom Champions League Spiel arg spät heimgekommen war, ging es für mich
nicht allzu früh aus der Kiste. Erst gegen 11 Uhr startete ich vom Hauptbahnhof
mit dem Circumvesuviana, so eine Art neapolitanischer S-Bahn, zum Fuße des
Vesuvs.
Gefühlt jeder in der Bahn war Tourist, der
selbstverständlich auf dem Weg nach Pompeji war. In 40 Minuten war ich am Ziel
und ging vorbei an allen ewigen Schlangen direkt zur Web-Karten Ausgabe. Mit
einem kleinen Aufpreis habe ich mir die Eintrittskarte für 17 € schon online
gekauft, um das lange Anstehen am Ticketschalter zu vermeiden. Über 4 Stunden
verbrachte ich schlussendlich auf dem riesigen Gelände der antiken Ausgrabung.
Für mich war es sehr faszinierend und tatsächlich besuchenswert. Danach fuhr
ich mit derselben Bahn wieder zurück nach Napoli, wo am Abend neapolitanische
Spezialitäten, von denen es reichlich gibt, gekostet wurden und noch etwas Bier
dazu getrunken wurde.
Am Freitagmorgen ging dann mein Bus wieder zurück Richtung
Norden. Das Ziel war die abruzzische Stadt Pescara, welche sehr zentral im
Lande an der adriatischen Küste liegt. Aufgrund ihrer geografischen Lage ist
sie als Urlaubsort bei den Römern sehr beliebt. Von der Architektur her hat
Pescara aber nichts zu bieten - nur Kilometerweite Strände und das war auch
schon alles. Nach Ankunft meines Busses gegen die Mittagszeit hielt ich zuerst
Ausschau nach Aufbewahrung für meinen Rucksack. Dies endete zunächst ohne
Erfolg. Zufällig fand ich dabei ein einfaches Restaurant namens Fattoria
Galasso, welches bei Tripadvisor gut bewertet war, sodass auch gleich dort
Platz genommen wurde. Ich wollte auf jedem Fall die Arrosticini, Spieße mit
gegrilltem Lammfleisch, für welche die Region Abruzzen bekannt ist, probieren.
Vielleicht waren diese ausgerechnet hier nicht gut zubereitet oder ich habe
einfach zu viel erwartet, aber diese fand ich trocken und wenig schmackhaft.
Nach dem Essen ruhte ich mich auf dem leeren Strand der Andria aus, denn wie
gesagt gibt es in der Stadt sonst nichts Interessantes. Anschließend überquerte
ich den Fluss Pescara und konnte dort nicht weit vom Stadion meinen Rucksack in
einem Hotel hinterlassen.
Am Stadion angekommen kaufte ich mir für das bevorstehende
Spiel zwischen zwei amtierenden Absteigern aus der Serie A eine Karte auf die
Gegengerade, die in Pescara aufgrund der Meeresseite als Tribuna Adriatica
genannt wurde.
Der Heimverein Delfino entstand 2009, nachdem der 1936
gegründete Vorgängerverein Pescara Calcio, wie so oft in Italien, in die
Insolvenz musste. Die Erfolge des ursprünglichen Vereins wurden auf den neuen
übertragen und so spielte der Club sieben Saisons in seiner alten und jungen Geschichte
in der Serie A. Dies ist übrigens als einzige Mannschaft aus Abruzzen, die je
in der Serie A gespielt hat. Die heutige Gästemannschaft, welche in ihrer
Region auch als das beste Team gilt, ist aber vergleichsweise eine große
Nummer. Ganze 29 Saisons war US Palermo in der Serie A vertreten. Und wieder
spielt der sizilianische Club oben mit und ist einer der Anwärter auf den
Aufstieg. Die heutige Spielstätte wurde 1955 erbaut. Seit 2009 trägt es im
Stadionnamen zusätzlich zu Stadio Adriatico noch den Namen des verstorbenen
Leichtathleten Giovanni Cornacchia. Der
Ground stellt eine nette, runde Schüssel mit Laufbahn dar. Die Tribünen, welche
ca. 20 000 fassen sollen, bestehen aus zwei Rängen, wobei der Übergang zwischen
den beiden Rängen, mit Ausnahme der Haupttribüne, recht fließend ist.
In der Curva Nord befindet der Hauptblock der einheimischen
Fans, während ein zweiter aktiver Block auch noch gegenüber in der Südkurve
steht. In dem Mutterland der Ultras scheint dieser komische Trend mit Spaltungen
ganz verbreitet zu sein! Zum Spielbeginn wurde im traditionellen Heimblock sehr
ordentlich und sogar geschlossen gezündet, was in Italien ja nicht so oft der
Fall sein soll. Der akustische Support war selbst auch nett anzuhören. Am
Anfang wurde ewig lang die eigene Hymne gesummt. Ich empfand dies recht
sympathisch, vor allem deswegen, da das Ganze keineswegs unterging, sondern in
gleicher Lautstärke gesungen wurde. Sonst waren die üblichen Hits der
italienischen Kurven zu hören, die ich schon größtenteils auch problemlos
wiedererkenne. Insgesamt waren da so um die 300-400 Leute aktiv, die nach den
beiden Toren wieder Pyro abgebrannt haben. Von dem Auftritt der Heimszene war
ich sehr überrascht und konnte mich damit sicherlich zufrieden geben.
Der andere Fanblock von Pescara war mit ca. 20 Leuten
besetzt. Von der Lautstärke her war dieser zwar nicht zu vernehmen,
veranstaltete dennoch sogar eine kleine Pyroshow.
Ein Gästeanhang war zum Beginn nicht zu sehen, nur einzelne
Normalos waren im Käfig anwesend. Doch im Laufe der ersten Halbzeit kam der Mob
rein und zündete erst mal einen Bengalo. Im Anschluss wurde dann die Fahnen am
Blockzaun gehisst und mit dem Support begonnen. Es waren zwar insgesamt nicht
viele Auswärtsfans da, doch diese waren ziemlich aktiv und trugen ihre Lieder
sehr geschlossen vor. Fand ich persönlich gar nicht so übel!
Die ganzen Geschehnisse auf den Rängen waren sehr passend
zum Spielverlauf! Zuerst ging nämlich die Heimmannschaft schnell in Führung,
dann führten die Gäste zur Halbzeit mit 1:2. Nach der Pause glichen die
Hausherren wieder aus. Es bleib dann zwar bis zum Abpfiff bei dem 2:2, aber die
Spannung war bis zum Ende drin und die Einheimischen reagierten extrem
emotional auf jede Kleinigkeit auf dem Rasen.
Text/Fotos: Шаффи



















