3. Liga
Heinz-Krügel-Stadion
Zuschauer: 22 482 (ca. 1700 Hallenser)
Nachdem ich noch einen Travelzoo-Gutschein übrig hatte und
mich im November sonst nichts angesprochen hat, wurde eben das
Sachsen-Anhalt-Derby ins Visier genommen. In Magdeburg war ich zwar schon Ende
2015, als bei einem 3. Liga-Spiel gegen die Reserve von Mainz 05 die 50 Jahre
vom 1. FC Magdeburg gefeiert wurden. Von diesem Spiel bin teils immer noch
fasziniert, da dies wohl mein bestes Erlebnis in Sachen Fankultur gewesen ist.
Selbst der moderne Kasten, wo der Verein seine Spiele austrägt, hat mich nicht abgeschreckt
nochmal in die Ottostadt zu fahren.
Wobei mir natürlich klar war, dass das Derby zwischen den
beiden Vereinen inzwischen etwas anders laufen wird. Nach dem Tod des
Magdeburgers Hannes am 2. Oktober letzten Jahres hat sich vieles verändert. Beispielsweise
sagt die Magdeburger Fanszene, dass sie ihren Feinden keine Beachtung mehr
schenken wollen. So wurde zuletzt sogar das Derby in Halle boykottiert. Damals
kam es auch zu einem offenen Konflikt zwischen dem Block U und der Hoolszene in
Magdeburg, da die Hooligans diese „neue“ Einstellung der Ultras nicht
nachvollziehen wollten. Ich persönlich respektiere gewiss die Entscheidung,
verstehe diese aber nicht wirklich. Denn soviel ich weiß ist es gar nicht
bewiesen, dass die Hallenser direkt an dem Tod von Hannes beteiligt sein
sollen. Außerdem bleibt Halle weiterhin der einzige Gegner für Magdeburg in der
Region und somit kann in meinen Augen von kompletter Ignoranz etc. nicht die
Rede sein. Ich kann mir dies zumindest der so motivierten Szene wie Magdeburg
einfach nicht abkaufen. Auf dem Weg nach Magdeburg begegnete ich gleich in zwei
Zügen anderen Fangruppen: Nürnberger waren auf dem Weg zum Auswärtsspiel nach
Braunschweig, die Bremer Ultras und Normalos waren im IC nach Leipzig. Am Ziel
angekommen schaute ich mir den riesigen evangelischen Dom sowie das
Hundertwasserhaus an. Mehr gibt es in der Stadt, die gegen Ende des Zweiten
Weltkrieges komplett zerbombt wurde, auch nicht. Da es wie aus Eimern
schüttete, wurde eben die verbleibende Zeit bis zum Anpfiff im Einkaufszentrum
verbracht. Danach ging es zu Fuß zum Stadion, welches 2006 an der Stelle der
alten Schüssel eröffnet wurde. In der Heimkurve war eine klare Message zum
heutigen Spiel zu lesen: Es waren ein Spruchband „Du bist niemals alleine“ und eine
Zaunfahne mit Hannes drauf zu sehen. Der Stadionsprecher kündigte statt der
Vereinshymne eine stille Minute zum Gedenken an Hannes an. Die Gäste fingen in
der Zeit ziemlich schnell mit ihren Gesängen an, die Magdeburger Normalos um
mich herum reagierten dementsprechend mit „Alle, alle, alle gegen Halle!“ Diese
brachten in einigen Momenten des Spiels diesen Spruch noch ein paar Male, was
interessanterweise komplett der Ansicht des Block U entgegenspricht. Denn dort
wurde schon zum Anpfiff vom Vorsänger angekündigt, dass es heute ausschließlich
um die Unterstützung der eigenen Mannschaft gehen soll. So war dem auch: Die
Tribüne, wo der Block U beheimatet ist, haute sehr geschlossen und laut das
eine Lieder nach dem anderen raus. Was ich persönlich aber an Magdeburg so
bewundere, ist die Beteiligung der anderen Tribünen. Diese Motivation in Form
der langen und wirklich guten Wechselgesänge habe ich nicht nur in Deutschland
nirgendwo sonst gesehen, sondern überhaupt. Nicht einmal bei den Videos von
polnischen Kurven kann ich mich an identisches erinnern. Ist schon Weltklasse,
muss ich ehrlich sagen! Der Gästeblock war zunächst relativ still. Lediglich
ein kleiner Haufen war dort aktiv, aber an meinem Standort kam fast nichts an.
Wie es später herausstellte waren im Gästeblock in dem Moment gar nicht alle
drin. So 300 Hallenser kamen aufgrund eines Brandanschlages auf den Sonderzug
erst zur zweiten Hälfte an. So verließ ein Großteil der Gäste noch vor der
Pause den Block, um mit den eigenen Leuten dem geplanten Angriff der
Magdeburger entgegenzuwirken. Die Polizei war aber selbstverständlich zustelle
und so gerieten die Feinde nicht aneinander. Als dann nach dem Wiederanpfiff
wirklich alle Hallenser drin waren, lief der Support des Gästeblockes schon
deutlich besser, wobei die Lieder sehr standardmäßig waren. Am Ende des Spiels
wurde noch etwas mit einem gezogenen Magdeburg-Schal geprahlt und provoziert
bis er dann schließlich in Flammen aufging.
Nach so einem vergleichsweise ruhigen Derby bin ich gespannt
wie sich das Ganze zwischen den beiden Szenen weiterentwickelt und wann es denn
wieder feurige und optisch schöne Ränge bei den Duellen zwischen den beiden
Clubs geben wird.
Text/Fotos: Шаффи










