Stadio Giovanni Zini
Zuschauer: 6159 (ca. 250 Gäste)
Nach mehreren Monaten ohne ausländische Touren stand für mich nun endlich Italien aufdem Plan. Als Reisezeitpunkt kristallisierten sich die Brückentage Anfang Novemberheraus. Während der Woche waren Europapokalspiele, sodass es einfach perfekt war, um möglichst viele Spiele zu sehen und den Urlaub somit bestmöglich auszunutzen. Vier Serie B Spiele, zwei Champions League Spiele und zum Schluss noch ein Serie A Spiel – das alles habe ich mir für die acht Tage Tour vorgenommen. Nun der Reihe nach: Mit dem Flixbus startete ich bereits am Freitagfrüh in die Modestadt Mailand. 10 Stunden dauert die Fahrt normal. Durch die langwierige Kontrolle aufgrund zweier Südländer an Bord sind es dann noch zwei Stunden mehr geworden, sodass der Bus erst gegen 17 Uhr am Ziel angekommen war.
Noch während der Fahrt war ich schon in Kontakt mit einem Fußballfan aus Terni, den ich über Couchsurfing kennengelernt habe. Er empfahl mir das Ticket für das Spiel SSC Napoli – Manchester City noch in Mailand zu kaufen. Der Onlineverkauf bei Azzurri geht nämlich nur mit der Fancard oder der Tessera und die Wahrscheinlichkeit, dass das Spiel zwischen den beiden Top-Teams ausverkauft sein wird, schätzte ich als hoch ein. Das Problem war nur, dass der Verkaufspunkt in Mailand nur bis 18 Uhr auf war und sich zudem noch am völlig anderen Ende der Stadt befand. Mit der Metro fuhr ich dahin! Punkt 18 Uhr stürmte ich in den Laden und besorgte mir schlussendlich die heiß ersehnte Karte für das Champions-League-Spiel. Anschließend fuhr ich mit dem Regionalzug in das 130 km entfernte Parma. Meine Couchsurfing-Suche scheiterte in Parma und so buchte ich erst am selben Tag meine Übernachtung für die kommenden zwei Nächte. In der Pizzeria de Lucca wurde noch zu Abend gegessen und dann ging es zum Schlaf ins Hostel. Am nächsten Morgen brachte mich die Bahn in die Lombardei, in die Geigenbauerstadt Cremona. Dort traf ich mich im Zentrum mit Tim von den Brückengänger – Fußballtouristen OS. Ich habe schon länger großen Respekt vom Content dieser Seite und sehe sie auf einem hohen Niveau. So war ich froh, nun jemanden persönlich davon kennengelernt zu haben. Bei besten Wetter schlenderten wir durch das kleine, aber sehr schönes Zentrum und plauderten über die Erlebnisse bei früheren Touren. Schließlich spazierten wir Richtung Stadion auf der Suche nach einer Pizzeria, um eine Mahlzeit zu haben sowie auch den Rucksack vom Tim für die Zeit des Spiels zu verstauen. Italien hat nämlich die Besonderheit, dass es dort kaum Bahnhöfe mit Schließfächern gibt, sodass immer wieder die eigene Kreativität gefragt ist. Im Lauf meiner Tour geriet dann gleich zweimal in die Situation, doch konnte es umsonst in Hotels ablegen. Am Stadion angekommen drehten wir erst eine Runde und kauften uns Tickets für die Tribuna Laterale. Anschließend kam die einheimische Fanlegende, mit der sowohl ich als auch Tim verabredet waren, dazu. Sehr offen wurden wir beide empfangen und dann noch zum Fantreffpunkt nahe dem Stadion gebeten. Die nächste Stunde wurden wir offen empfangen und nicht skeptisch, wie es in Deutschland sicherlich der Fall wäre, sondern mit großem Interesse ausgefragt. Endlich kam schon das Spiel. Wir trennten uns von den Heimfans, die ihren Eingang zur Curva Sud nutzten, während es für uns zur Haupttribüne ging. Von außen ist die Fankurve von vielen alten Graffitis im Italien-Style geschmückt, im Inneren ist diese überdacht und bietet für etwa 4000 Leute Platz. Die Kapazität des eigentlichen 20er-Tausenders ist durch die Sperrung der Gegengerade derzeit auf lediglich knapp 8000 beschränkt, sodass die Heimkurve schon die Hälfte des zugelassenen Fassungsvermögens ausmacht. Am Stadion sind auch einige Renovierungsmaßnahmen geplant: In diesem Jahr wurde schon das Dach in der Südkurve angebracht, nun soll die Gegentribüne erneuert werden.
Der 1903 gegründete Verein ist durchaus ein traditionsreicher Verein, der nicht nur einige Jahre in der höchsten Liga spielte, sondern sogar zu den Gründungsmitgliedern der Serie A gehört. Die letzten 20 Jahre verbrachte US Cremonese aber in der 3. Liga. Erst dieses Jahr mit der Meisterschaft in der Lega Pro, Gruppe A kehrte die zweite Liga nach Cremona zurück! In der laufenden Saison läuft es auch super hier, sodass man sogar einer der Anwärter auf den Aufstieg in die Serie A ist! Dementsprechend ist auf den Rängen sehr gute Stimmung in Cremona. Die Heimkurve war beim heutigen Spiel wohl beinahe ausverkauft. Zu Spielbeginn wurden hier bei einer großen Mitmachquote schöne Melodien gesungen sowie dazu noch chaotisch einige Rauchtöpfe abgebrannt. Für uns beide war die Leistung der Heimfans an diesem Tage insgesamt wirklich überraschend. Lediglich die Zaunfahnenbeflaggung war uns beiden etwas zu mau – nur kleine Gruppenlappen und nicht mal eine große gemeinsame Fahne. Während der 90 Minuten wurde sehr leidenschaftlich supportet sowie Pyrotechnik gezündet, sodass wir am Ende mit dem Gesehenen echt zufrieden sein konnten. Die Gäste aus der umbrischen Hauptstadt Perugia aus Mittelitalien waren für italienische Verhältnisse mit einer durchschnittlichen Quantität angereist. Zum Anpfiff zeigten sie ein Spruchband, welches an den Ex-Spieler des Vereins Renato Curi erinnerte. Renato ist genau vor 4 Jahrzehnten im Alter von 24 Jahren auf dem Spielfeld gestorben. Das 28 000 fassendes Stadion in Perugia ist als Gedenken nach ihm benannt. Vom Support her konnten die etwa 250 Gäste schon aufgrund der zahlenmäßigen Unterlegenheit nicht wirklich was entgegensetzen. Zur guten Stimmung der Hausherren kam auch noch das spannende Geschehen auf dem Platz. Die Heimmannschaft ging immer wieder in Führung, ließ jedoch die Gäste ganze dreimal ausgleichen. 6 Tore zum Tourenauftakt – läuft doch!
Nach dem Schlusspfiff lief ich zusammen mit Tim zum Bahnhof, wo ich mich von ihm verabschiedete: Für ihn ging es nach Turin, für mich in einer Stunde dann zurück nach Parma.
zum nächsten Spiel der Tour




























