Esiliiga
Kalevi Keskstaadioni Kunstmuruväljak
Zuschauer: 50
Da es in diesen Breitengraden irgendwie nicht richtig dunkel wird und schon gegen 5 Uhr früh die Sonne brezelt, als wäre es mittags, war man wieder Recht früh wach.
Heute gings hinunter ans Meer und dort zum Seeflugzeug Museum. Dort stehen auch viele alte historische Schiffe. Fand ich ganz interessant diese zu besichtigen und zu sehen wie hart und asketisch das Leben zur See war.
Überall war heute was geboten, vor allem für Kinder. An einem kleinen Fischmarkt kam ich auch vorbei.
Dann gings auf die Burg und im Park spazieren. Dabei wurde das Kadiroustadion von Levadia gespottet. Anschliessend gings es zum Mittagessen. Generell sind hier Suppen zu empfehlen. Sie werden in Estland oft in den kalten Wintermonaten gegessen. Aber macht nicht den Fehler wie ich und bestellt sie als Vorspeise. Denn sie sind so reichhaltig, dass man ohne Probleme von satt wird.
Heute standen zwei Spiele zur Auswahl, ich entschied mich für das von Tallinna Kalev. Wohl der älteste Verein in Estland.
Gegründet 1911 und zwischen 1947 und 1963 spielte man im Fussballsystem der Sowjetunion mit.
1963 wurde der Verein aufgelöst und 2002 folgte die Neugründung.
Momentan ist man zweitklassig. Und heute ging es darum wer der U21 von Flora auf den Fersen bleibt.
Als Spielstätte ist das 12.000er Kalevi Keskstaadion angegeben, ein schönes Old-School-Teil mit großer Haupt- und Gegentribüne. Die Kurven sind begrünt.
Doch man laß vorher den Zusatz Kunstmuru, so war eigentlich kla, dass auf Kunstrasen gespielt wird. Da aber der Ground von der gleichzeitig spielender U21 von Flora mit 500 angegeben war, und keine Bilder im Netz zu finden waren, ging es mit geringer Resthoffnung zu Kalev.
Die Ernüchterung folgte schon vor dem Eingang als man den Kunstrasen und die sich darauf warm machenden Spieler sah.
Also wurde erstmal das große Stadion begutachtet und fotografiert.
Viele wären wohl jetzt schon gegangen, ich ging erstmal in den Kabinentrakt und sah dort hinter einer älteren Dame einen Kühlschrank mit Bier. Super, muss man sich das Elend zumindest nicht nüchtern antun.
Sogleich orderte ich zwei Bier. Es gab zwei Sorten, das goldene "Guld" , das mir ganz gut schmeckte und "Carlsberg".
Aber das "Guld" wollte sie nicht rausgeben, es wäre für einen Kunden, was noch ein jüngerer Vereinsoffizieller mir auf Englisch bestätigte und mich fragte ob ich Deutscher wäre und der Freund von... den Namen hab ich nicht verstanden.
Lügen wollte ich nicht und verneinte. Für die zwei Bier wollte er nur einen Euro. Klasse !
Also setzte ich mich nicht auf die normale Tribüne, die mit blauen Bänken bestückt war und vielleicht für 200 Leute ausgelegt war, sondern auf die mit Kunstrasen ausgelegte Ehrentribüne.
Sogleich kam ich mit einem jüngeren Einheimischen ins Gespräch. Er war ein ehemaliger Spieler und erklärte mir einiges über den estischen Fussball und war ganz interssiert an meinem Hobby.
Kurz nach Anpfiff setzte sich dann ein älteres Pärchen und einer mit Vereinstrikot und RB-NY-Mütze vor uns...und tranken das "Guld". Aha. Das muss also der Sponsor sein, der mein Bier schlürft ;-)
Als ich irgendwann einen Scherz über den Sponsorennamen des heutigen Gegners "Starbunker" machte und meinte in Deutschland würde jeder denken das wäre ein Naziteam, lachte auch der Sponsor vor mir und gab mir in bestem Deutsch Recht.
Er war hier mit seiner Frau, einer Estin. Wegen der er hierhin auswanderte. Der Typ mit der RB-NY-Mütze erklärte mir nachdem ich mich abfällig über seine Kappe geäussert hatte, dass sein Sohn mit Thierry Henry bei den Dosen in New York spielte.
So war der ganze Kunstrasen-Reinfall am Ende doch keiner und man hatte gut Spaß und eine gute Unterhaltung.
Es sind auch manchmal die kleinen Dinge im Leben die Freude machen!
Übrigens spielt Tallina Kalev nicht mehr im großen Ground sondern immer auf Kunstrasen.
Text/Fotos: Pressi





















