Ukrainischer Pokal 2. Runde
Stadion Boris Tropanet
Zuschauer: 2000 (4 Gäste)
Bessarabien ist eine Region zwischen dem Fluss Dnister und der Donau In
der Zeit des russischen Reiches wurde die Gegend kolonisiert und es
wurden Umsiedler mit unterschiedlichen Privilegien angeworben, sodass
verschiedenste Völker nach Bessarabien gezogen sind. Darunter waren
unter anderem viele Deutsche.
Es zog mich zum aktuell einzigen
Profiverein in Bessarabien, dem Balkany Zorya. Zorya ist die moderne
Bezeichnung für das bulgarische Dorf Kamchik. Es wohnen dort in der
absoluten Mehrheit Bulgaren, welche immer noch ihre Tradition wahren,
wie z.B. die bulgarische Sprache sprechen, eigene Feste feiern etc. Seit
einigen Jahren wird hier auch intensiv auf den Fußball gesetzt.
Im
Dorf, welches 5000 Einwohner hat, kommen konstant über 1000 Zuschauer
ins Stadion.
Ich motivierte meinen Bekannten Schalker aus Odessa
mit seinem Auto hinzufahren. Ohne Auto kommt man zwar auch dahin, doch
die Rückfahrt am Abend dürfte relativ schwerfallen. Die Straße nach
Bessarabien hat eine Besonderheit. Ein paar Kilometer der Strecke
verlaufen durch Moldawien. In einem Vertrag zwischen der Ukraine und
Moldawien ist geregelt, dass für die Durchfahrt kein Grenzübergang
erfolgen muss, aber dafür die Transitfahrer auf dem Gebiet nicht
anhalten dürfen.
In zwei Stunden Fahrt erreichten wir die Siedlung
Zorya. Bis zum Spiel war noch etwas Zeit und wir kauften uns Wurst und
Schafskäse, welche hier original nach der bulgarischen Rezeptur
gefertigt werden. In Zorya gibt es zwei Stadien. Eins wird vom Rivalen,
dem Viertligisten FK Zorya genutzt, das andere benutzt FK Balkany.
Dieses ist nach dem bekanntesten Spieler des Dorfes, Boris Tropanet,
benannt. Das Stadion wurde meines Wissens vor einem Jahr speziell für
das Pokalspiel gegen den EL-Finalisten Dnipro Dnipropetrovsk gebaut.
Obwohl das Stadion unter 2000 Besucher fasst, wurde damals die
offizielle Zuschauerzahl 10 000 genannt!
Heute war zum Pokalspiel
wieder Dnipro zu Gast, bloß dies Mal ein Zweitligist aus der Stadt
Cherkasy. Es gab keine Eintrittskarten, jedoch ein kostenloses
Programmheft. Ultras gibt es leider nicht, wäre aber sicherlich
interessant, eine bulgarischsprachige Fanszene in der Ukraine zu haben.
Das Spiel war eher langweilig, ohne wirkliche Torchancen. Die
Entscheidung fiel in der 48. Minute mit einem Tor der höherklassigen
Mannschaft.
Text/Fotos: Шаффи
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