Samstag, 2. November 2019

Moreirense SC - Vitoria Sport Clube 1:1

Primeira Liga
Estadio Comendador Joaquin de Almeida Freitas 
Zuschauer: 3369 (ca. 1800 Gäste)

Die letzte Station unserer Tour war Porto, wo man drei weitere Nächte Quartier bezog. Das Hotel „Duas Nacoes Guest House“ war ganz nett und die Lage top. 

Porto ist mit 237.000 Einwohner die zweitgrößte Stadt Portugals. Der Name bedeutet wörtlich Hafen. Porto liegt an der Atlantikküste am Nordufer des dort mündenden Douro, sie erhebt sich stolz auf einem Granitfelsen hoch über dem steilen Ufer.
Sie ist das wirtschaftliche und kulturelle Zentrum Nordportugals.
Nachdem man die letzten Tage auch bei schlechterem Wetter in Lissabon noch T-Shirt tragen konnte, musste man heute auf die Jacke zurückgreifen. Auch erste Regenwolken kündigten das für Porto oft übliche Regenwetter an. Da heute an meinem Geburtstag natürlich abends der Ball rollen sollte, ließ man es langsam angehen und machte nur einen kleinen Stadtbummel. Der erste Eindruck war durchaus positiv.
Man nahm in einem typisch portugiesischen Lokal einen kleinen Imbiss ein. Es gab für mich das aus Porto stammende Gericht Francesinha (kleine Französin). Das Gericht besteht aus Toastbrot, Kochschinken, Linguica (eine Art Chorizo), Beefsteak oder gebratenem Rindfleisch und wird mit geschmolzenen Käse sowie einer heißen, typischerweise dickflüssigen Sauce aus Tomaten, Bier und Senf übergossen. Traditionell gibt es Pommes dazu. Kann man mal essen, hat mich wie die meisten Gerichte aus der portugiesischen Küche nicht vom Hocker gehauen.
Nun verabschiedete ich mich und machte mich auf zur Estacao de Sao Bento, welcher der innerstädtische Bahnhof Portos ist. Sehenswert ist die Bahnhofhalle aufgrund seiner Azulejos. Diese sind ja typisch für Portugal. Der Name kommt aus dem arabischen und bedeutet so viel wie kleiner, polierter Stein. Gemeint sind die meist blauweißen Fliesen, die man in ganz Portugal antrifft. Sie beleben Flächen, reflektieren Licht, dämpfen Lärm und schützen vor Hitze. Die Araber brachten schon im ersten Jahrhundert bemalte, glasierte Fliesen ins Land. Bis heute ist die Kunst der Azulejos in Portugal lebendig und beliebt geblieben. Auch ich konnte mich für diese Fliesenkunst begeistern !
Im Bahnhof kaufte ich mir ein Ticket für die Fahrt nach Cuca. Dieser Bahnhof liegt dem Stadion vom Moreirense FC am nächsten. Mit nachfragen fand ich den etwa 20minütigen Weg bergauf zum Estadio Comendador Joaquim de Almeida Freitas, im Gepäck hatte ich ja genug Super Bock.
Der Moreirense Futebol Clube wurde 1938 gegründet und ist in Moreira de Conegos beheimatet, dieser Ort hat nicht einmal 5.000 Einwohner und liegt im Kreis Guimaraes. So kann man dieses Spiel durchaus als Derby bezeichnen. Fiel mir bei Aussuchen dieser Partie im Vorfeld überhaupt nicht auf und ich bemerkte die Nähe beider Städte erst bei Begutachtung des Zugfahrplans. Dachte ich doch im Vorfeld das diese Partie mit Sicherheit nicht die Wurst vom Teller ziehen würde.
Größter Vereinserfolg von Moreirense ist der Aufstieg in die 1.Liga in der Saison 2001/02, welcher der Abstieg 2004/05 folgte. Dafür gewann man in dieser Saison den portugiesischen Ligapokal wo man im Estadio Algarve den SC Braga besiegte. Nun spielt man seit 2012 wieder in der Primeira Liga.
Nachdem ich einmal ums halbe Stadion gelaufen war, fing es an aus Kübeln zu schütten, sodass ich mich in die Vereinskneipe an den Tresen stellte und mir zum Geburtstag einige Biere gönnte. Im Vorfeld stieß ich auf das Gründungsdatum des Moreirense FC, dem 1. November 1938. Daraufhin schrieb ich mal den Verein an, ob er nicht einen deutschen Fußballvagabunden an seinem Geburtstag nicht zu seinem an ebenjenem Datum stattfindenden Geburtstagskick einladen will. Diesmal hatte ich Glück und man hinterlegte mir dankenswerterweise ein Gratisticket für die Haupttribüne. Obrigado !
Die Vereinskneipe war fest in der Hand von Supportern von Vitoria Guimaraes. Portugal-Fan und Hopper-Kollege Andi von Frankenhopping pries mir die Szene als die beste des Landes an und so war ich doch recht gespannt auf das Spiel. Während die VSC-Fans noch blieben, ging ich eine halbe Stunde vor Anpfiff in den Ground.
Das Estadio Comendador Joaquim de Almeida Freitas fasst genau 6.151 Plätze und ist in Weiß und Hellgrau gehalten und an nur drei Seiten ausgebaut. Nordosten steht eine Stehplatztribüne, welche nicht mit Wellenbrechern gesichert ist, in Deutschland würde man so also nicht mal in der Regionalliga kicken dürfen. Beide Längstribünen sind gottseidank überdacht, denn es schüttete weiter wie aus Eimern. Im Gegensatz zur Gegentribüne ist die Haupttribüne mit Kunststoffsitzen und kleinen VIP-Logen bestückt. Leider durfte ich dort nicht Platz nehmen, aber gut, ich brauche sowas auch nicht beim Fußball. Gegen ein Buffet oder Freigetränke hätte ich allerdings nichts gehabt…aber gut man kann ja nicht alles haben.
Erst ganz kurz vor Anpfiff kamen die Gästefans auch ihre Tribüne, da diese ja leider kein Dach hat. Die meisten deckten sich bei den fliegenden Händlern mit weißen Regenponchos ein. Das ist in dieser regenreichen Region sicherlich ein gut laufendes Geschäftsmodell. Vor der Tribüne wurde die Fahne der Hauptgruppe „White Angels“ und zwei Sektionen angeflaggt. Dazu kam ein Gedenkplakat für einen verstorbenen Fan.
Die Heimfans hatten etliche kleine Lappen und aufgrund des Geburtstages hatten sie ein grünweißes Transparent mit der Aufschrift: „Moreirense, unsere große Liebe wird 81 Jahre“ !
Ich hatte ja schon Bedenken ob das Spiel überhaupt angepfiffen wird bei den runterkommenden Regenmassen, aber man wird das hier schon gewöhnt sein. Während die Fans von Moreirense akustisch nicht weiter auffielen, begeisterte mich der Anhang der Vitoria komplett.
Eine hohe Mitmachquote, dazu laute Gesänge und das bei so einem beschissenen Wetter. Ich meine spätestens nach 10 Minuten dürfte jedem das Regenwasser die Arschritze runtergelaufen sein und man komplett durchnässt gewesen sein, trotzdem war das schon allererste Sahne was da geboten wurde. Hat mich echt begeistert und das kommt echt sehr selten vor !
Auch die Zuschauer auf der Haupttribüne um mich rum waren total am abdrehen und pöbeln. Der Vitoria-Fan ist wohl sehr leidenschaftlich !
Absolutes Highlight waren zwei etwa 10jährige Jungen in einer VIP-Loge über mir, die sich nicht zu schade waren alleine rum zu krakeelen und pöbeln. Da wachsen zwei echte Top-Lads heran !
Da erstmals auf dieser Tour kein Frühstück im Zimmerpreis dabei war, ging es in ein Cafe. Einen Kaffee, frisch gepressten Orangensaft und dazu ein Croissant mit Käse oder Schinken für 2,50€…ganz ehrlich ? Was verdient man daran bitte noch ?
Fünf Brücken überspannen den Douro, darunter die von Gustave Eiffel erbaute alte Eisenbahnbrücke und die Ponte de Dom Luis I., mit ihren zwei übereinander liegenden Fahrbahnen. Am jenseitigen Ufer drängen sich die mit bunter Wäsche verdreckten Häuser ganz dicht am Wasser heran, nur durch eine Straße von ihm getrennt. Wie Schwalbennester kleben die Häuser dahinter an dem Felsen, auf dessen Spitze sich die trotzige Kathedrale von Porto erhebt.. Darunter schwimmen die hübschen Portwein Schiffe.
Porto ist eine Arbeiterstadt, man sagt das in Porto das Geld verdient wird, das in Lissabon ausgegeben wird.
Da erstmals auf dieser Tour kein Frühstück im Zimmerpreis dabei war, ging es in ein Cafe. Einen Kaffee, frisch gepressten Orangensaft und dazu ein Croissant mit Käse oder Schinken für 2,50€…ganz ehrlich ? Was verdient man daran bitte noch ?
Fast alle Sehenswürdigkeiten und historischen Gebäude befinden sich im romantischen historischen Zentrum zwischen den Stadtteilen Cordoaria, Ribeira und Baixa. 
Kann man gemütlich alles in einem Tag ablaufen.
Sollte ich mal bei schönem Wetter wiederkommen, steht eine Bootsfahrt auf dem Douro ganz oben auf der Liste.
Wer mag kann in den Portweinkellern von Vila Nova den gleichnamigen Wein probieren, er schmeckt süßlich wie ein Sherry. Geschmackssache.



Text/Fotos: Pressi