Waldstadion
Zuschauer: 5617 (ca. 350 Austrianer)
Nach der Übernachtung in Salzburg stand am Sonntag die Fahrt nach Linz an. Linz ist nicht nur die drittgrößte Stadt des Österreichs, sondern die Hauptstadt des Bundeslandes Oberösterreich und auch die Industriestadt des ganzen Landes schlechthin. Kulturell hat Linz zwar nicht ansatzweise so viel wie Graz und Salzburg zu bieten, doch hat auch ihre sehenswerten Ecken und so brachte mich die WESTbahn gegen 10 Uhr dahin. In Linz ging es vom Hauptbahnhof über die Innenstadt gemütlich zur Donau, wo ich die Promenade entlang des linken Flussufers runter bis zur VÖEST-Brücke gelaufen war.
Kurz vor der Brücke entdeckte ich auch den Ground des Fünftligisten SV Urfahr 1912. Auf der anderen Seite erblickte ich genau so überraschend den historischen Ground des BW Linz bzw. seines Vorgängers FC Linz. Das Donauparkstadion (früher Tabak-Sportplatz) schaut mit den vielen Graffitis der Blau-Weißen recht schön aus, sodass ich hierhin auch ruhig gezielt hätte laufen können. Demnächst soll an der Stelle ein neues Stadion mit ca. 6000 Plätzen entstehen. Dieses soll dann auch dem BW Linz als neue Heimat dienen, während das aktuell benutzte Gugl-Oval (Linzer Stadion im Sprachgebrauch) spätestens 2022 wieder vom LASK benutzt werden soll. Anschließend wollte ich mir was Einheimisches holen, doch es sei an einem Sonntag anscheinend einfach unmöglich einen geöffneten Laden mit österreichischer Küche gegen 15 Uhr zu finden und so blieb für mich leider nur ein Besuch in dem Kettenfastfood Burgerista übrig. Langsam rückte das Spiel näher und ich bestieg die Tram der Linie 3 nach Pasching. Seit 2016 trägt dort im Waldstadion LASK seine Heimspiele aus. Der Umzug in den Vorort stoß beim Anhang des Vereins auf große Kritik. Eine Zeit lang gab es auch einen Stimmungsverzicht, wobei die Kurve mit Spruchbänder bzw. Zaunfahnen immer ihre Unzufriedenheit kundtut. An diesem Sonntagabend schmückte lediglich eine 40 Meter lange Fahne „Auch im Verbannungsort besteht unsere Liebe fort“ den Zaun der Fantribüne. Dieser Stoff wurde vergangene Spiele schon öfter aufgehängt. Wie erwähnt steht aber seit einigen Monaten aber zumindest der Zeitpunkt der Rückkehr ins Gugl fest. Die Linzer durften diese Saison übrigens schon mit der Qualifizierung für die Europa League mindestens fünf Spiele im Gugl austragen. Die Fanszene der Schwarz-Weißen bezeichnet sich als Landstrassler. Der Begriff stammt aus den 60ern, als LASK seinen einzigen Meistertitel (1965) holte und der damalige Vereinspräsident Otto Jungbauer sein Juweliergeschäft in der Landstraße hatte. Damals war es noch ein abwertender Name seitens des Rivalen, seit ein paar Jahren verwendet nun die Bezeichnung die Fanszene der Schwarz-Weißen selbst. Optisch wurde an diesem Abend von den Landstrasslern nichts erwähnenswert gezeigt, dagegen war die Stimmung durchgehend auf einem guten Niveau gewesen. Die Gesänge waren zwar nur bedingt kreativ, doch zumindest war die Mitmachquote stark und an meinem Standort auf der Haupttribüne kam alles fast durchgängig laut an. Auf der Gegenseite, im Gästeblock, den die Violetten mit ca. aus 350 Mann füllten, war es mehr optisch interessant gewesen, denn akustisch waren die Wiener vergleichsweise wenig überzeugend. Zum Anpfiff gab es eine nette Choreo mit einer brennenden Fackel zu Ehren der Sektion Stadionverbot. Eine weitere Choreo folgte dann in der zweiten Halbzeit mit den „ACAB“ Doppelhaltern und einer Pyroshow. Durch die 2:0 Führung der Hausherren in der 63. Minute waren die Violetten richtig angepisst gewesen. Diese Saison läuft genauso wie die vergangenen richtig mies für den 24-fachen Landesmeister. So wurde nach dem zweiten Tor ein Spruchband gegen den Vorstandsvorsitzenden Markus Kraetschmer am Zaun angebracht. Damit war es noch nicht alles, denn mit Fackeln und Rauchbomben, die auf dem Platz landeten, konnten die Gästefans eine Spielunterbrechung provozieren. Die Polizei stellte sich zwar in voller Montur am Blockeingang auf, ließ es aber mit einem Blocksturm sein. In Deutschland wäre die Staatsmacht, vor allem bei der übersichtlichen Anzahl an Gästen, ohne groß zu überlegen einmarschiert, um alles windelweich zu schlagen. Nach 11 Minuten Unterbrechung entschied sich der Schiri logischerweise zum Weiterspielen und das Spiel konnte doch noch sein Ende finden.
Bis zur Abfahrt waren es noch über zwei Stunden Zeit, sodass ich mich entschied die ca. 8 km zum Linzer Bahnhof zu laufen. Pünktlich war ich dann dort angekommen und nahm den Zug ins heimische Würzburg, wo ich dann aufgrund der 1,5 Stunden Verspätung gegen halb fünf Morgen angekommen war.
Text/Fotos: Шаффи





































