Mittwoch, 18. Juli 2018

SpVgg SV Weiden - SV Hutthurm 3:0

Landesliga Mitte
Stadion am Wasserwerk
Zuschauer: 287

Vor meinem geistigen Auge hatte ich mich schon von dieser Partie verabschiedet und fluchte laut, während ich verzweifelt einen Parkplatz suchte. Sollte Weiden wieder nicht klappen???
Denn sicher schon 10 Jahre renne ich diesem Ground hinterher und nie hat es hingehauen, dort einmal aufzuschlagen. Der Plan sah eigentlich vor heute Gebenbach und somit die Bayernliga Nord komplett zu machen, doch wollte mich keiner nach dem Spiel an den Amberger Bahnhof fahren, so switchte ich auf diese Partie um.
Also zwei Stunden eher Feierabend gemacht und schon den Schlossberg runter in die Stadt war Stau. Durch das momentan stattfindende Kiliani-Volksfest ist auch der Parkraum momentan sehr eingeschränkt und ich fand auch die Mainaustrasse runter keinen Platz. Eine letzte verzweifelte Runde drehte ich als in einer Querstrasse zum Bahnhof sich doch noch eine kleine Lücke auftat. Kunstvoll und erleichtert manövrierte ich mein Vehikel hinein. Gottseidank ! Nun konnte ich sogar noch gemütlich zum Zug laufen. Man muss ja auch mal Glück haben !
So ging es mit Umstieg in Nürnberg in die Oberpfalz. Weiden ist eine kreisfreie Stadt mit 43.000 Einwohnern und liegt 100km östlich von Nürnberg und nur 35 km westlich zur tschechischen Grenze. Laut einigen Reportagen ist hier der Crystal Meth Konsum hier sehr hoch sein, bedingt durch die Nähe zur Grenze. Mir fielen aber auf dem halbstündigen Weg zum Stadion aber keine Drogen-Wracks auf, noch wurde mir etwas angeboten oder Walter White kam um die Ecke ;-)
Das 1928 eröffnete Stadion am Wasserwerk,welches nur noch im Namen existiert, war bis 1989 im Besitz der Deutschen Bundesbahn. Ja, auch die Bahn besaß Stadien, in diesem Fall, weil der dortige Verein Reichsbahn SG bzw. Eisenbahner Spielvereinigung 1903 seine Wurzeln im Bahnunternehmen hatten.
Mittlerweile ist die Stadt Eigentümer dieses Schmuckstücks.
Die US-Army zerstörte gegen Kriegsende 1945 das Sportgelände. 
Unter Verwendung eines Holzvergaser-LKW und einer Lore, die auf Eisenbahnschienen fuhr, machten sich die Mitglieder an den Wiederaufbau.
Nach Abschluss versenkte man die Lore in einem Bombentrichter am Anstoßkreis, wo sie bis heute ruht. 
Nach Konsolidierung der bis in die Bezirksliga abgestürzten Fußballer musste die alte Tribüne (von 1956) 1994 einem Neubau weichen. 2009 wurde das Wasserwerkstadion DFB-konform umgebaut und nun sind im Gegensatz zum alten Stadion die Tribünen eng ans Spielfeld gebaut. Gefällt mir ganz gut der Ground. Besonderheit ist das eine Art Hufeisenform hat, denn hinter dem einen Tor steht das Funktionsgebäude, welches ausgespart wurde in der Stehplatztribüne.
Anpfiff sollte eigentlich um 18:30 erfolgen, doch zu dieser Zeit wärmten sich beide Teams noch seelenruhig auf. Denn die gegnerische Mannschaft aus der Nähe von Passau stand im Stau und kam erst gegen 18:00 an. So wurde halt eine Viertelstunde später angefangen.
Kurz vor der Pause stellte Weiden mit einem Doppelschlag innerhalb einer Minute die Weichen auf Sieg. Nach der Pause gab es noch einen wunderschönen Freistoßtreffer zu sehen. 
Fantechnisch gab es nix und außer einem Mann mit Fahne waren keine aktiven Fans auszumachen. Weiden ist auch eine Eishockeystadt, wie ich meinem kurzen Rundgang nach dem Spiel durch die historische Altstadt, anhand der vielen Kleber der "Supporters Weiden" erkennen konnte.
Kulinarisch konnte mich die "Stadion-Wurst" für 3€ voll überzeugen, welche mit Käse und Jalapenos hergestellt wurde und Ähnlichkeit mit einer tschechischen Klobasa hatte, nur leider viel dünner. Für 50 Cent weniger gab es noch eine normale Bratwurst.
Ich kann aber die "Stadion-Wurst" voll und ganz empfehlen, wenn man denn auf scharfe Sachen steht.
Text/Fotos: Pressi