Stadion Mikheil Meskhi
Zuschauer: 1200 (ca. 100 Gäste)
Das zweite Spiel des Tages war wenige Meter weiter im zweitgrößten Stadion des Landes, das nach dem ehemaligen sowjetisch-georgischen Mittelstürmer Mikheil Meskhi benannt ist. Mikheil ist eine wahre Legende in seiner Heimat und wurde 7 Jahre nach seinem Tod als bester Spieler der georgischen Geschichte gekürt. Bei der Europameisterschaft 1960 holte er mit der Sowjetunion den Titel. Im Vereinsfußball kickte er fast nur für Dinamo Tbilisi, nur die letzte Saison der Karriere absolvierte er beim Stadtrivalen Lokomotivi. Das Stadion ist übrigens auch am längsten von Lokomotivi genutzt worden und trug zunächst auch den Namen des Eisenbahnervereins. Das erste Stadion entstand an der Stelle noch Ende der 20er. Von 1999 bis 2001 wurde das Stadion erheblich modernisiert und dabei wurde die für den Ostblock typische Laufbahn entfernt.
Heute fasst das Stadion um die 27 000 Zuschauer. Trotz der blöden bunten Sitze wirkt der Ground echt super. Es ist nicht nur alleine die Architektur, sondern auch die Landschaft außenrum, die es so sympathisch macht. Schade nur, dass es beim georgischen Vereinsfußball nicht mal ansatzweise gefüllt wird. Sonst wäre es sicherlich ein wahrer Hexenkessel geworden! Heutzutage wird es vom Stadtteilverein FC Saburtalo sowie dem FK Rustavi genutzt, Lokomotivi spielt dagegen auf dem Nebenplatz, welcher im vorherigen Georgien-Bericht erwähnt wurde. Früher spielte auch die Nationalmannschaft ab und zu hier drin, aber inzwischen werden alle Spiele nur im Boris Paichadze Stadion ausgetragen. Die Rugby-Nationalmannschaft spielt aber in Mikheil Meskhi Stadion. Diese soll weltweit auch gar nicht so schlecht geschätzt werden. In letzten Jahren ist in Georgien die Sportart Rugby extrem beliebt geworden. Die heutige Begegnung war das Top-Spiel der aktuellen Meisterschaft: Der Tabellenführer FC Saburtalo aus dem gleichnamigen Stadtteil der Hauptstadt traf auf den Zweiten, den Rekordmeister Dinamo Tbilisi. Lediglich 1200 wohnten dem Spiel bei. Obwohl beide Teams aus derselben Stadt kamen, waren unter den Normalos kaum bis gar keine Zuschauer mit Fanartikeln zu sehen. Festzuhalten ist, dass der Fußball in Georgien überhaupt nicht ausgereift ist. Jedoch kickt hier wenigstens die erste Liga nicht auf Sportplätzen ohne Tribüne wie es beispielsweise im Nachbarland Armenien der Fall ist. In Georgien fehlen dennoch die für uns gängigen Sachen, wie Imbissstand, Eintrittskarten, Fanartikel usw. Wenigstens gab es bei diesem Spiel wieder aktive Fangruppen: Die rot-weißen Hausherren stellten einen Fanblock mit 20 Mann. Der Support war zwar recht einfach, aber dennoch waren sie immer wieder aktiv. Sie wurden schlussendlich auch mit dem Siegestor in der 2. Minute der Nachspielzeit belohnt. Die etwa 40 Dinamo-Fans, alle schwarz gekleidet, versammelten sich auf der anderen Seite der Gegentribüne hinter der Zaunfahne „Elite“. Dinamo hat schon definitiv die interessanteste Fanszene im Lande und eventuell ganz Kaukasus. Dinamo ist eben ein Traditionsverein und hatte somit schon immer eine vertretbare Truppe auf den Rängen. Leider ist aber das mögliche Fanpotential dadurch begrenzt, da man im eigenen Land keine echten Gegner hat. Die junge Generation braucht Action und diese gibt es halt nicht. Gegen Ende des Spiels hat es mit einem Gewitter angefangen. Auf der Tribüne wurden wir noch vom Dach geschützt, aber nach Anpfiff war klar, dass wir irgendwann das Stadion verlassen werden müssen. Glücklicherweise meldete sich eine georgische Freundin bei mir am Telefon und holte uns mit dem Auto direkt am Stadion ab. Anschließend konnte noch der Abend mit ihr und ihrem Freund in einer alternativen Kneipe bei Flasche Wein ausgeklungen werden.
Am nächsten Tag (Montag) organisierte ich einen Guide mit Auto, der uns die Georgische Heerstraße zeigen sollte. Zwar kann man auch mit der Marschrutka die Route abfahren, aber diese bringt gegenüber einer Fahrt mit dem Guide nur Nachteile mit sich. 88 Euro (für 3 Personen) waren es uns definitiv wert. Diese historische und strategisch bedeutende Straße führt von Tbilisi über den sogenannten Großen Kaukasus bis in die nordossetische Stadt Vladikavkaz (Russland). Nachdem Russland in Folge zweier Kriege (1993 in Abchasien und 2008 in Südosetien) fast ein Viertel Georgiens okkupiert hat, befindet sich auf der Straße der einzige mögliche Grenzübergang zwischen Georgien und dem nördlichen Nachbarn. Zusätzlich spielt die Straße eine überlebenswichtige Rolle für das russlandfreundliche Armenien, das neben Georgien auch noch von zwei feindselig gesinnten Ländern (Aserbaidschan und Türkei) umgeben ist. Als Russland ab 2006 die Straße grundlos sperrte, bekam es Armenien deutlich zu spüren. Ganze vier Jahre hatte damals Armenien keine richtige Landverbindung nach Russland. Auf der Route der Heerstraße befinden sich viele Sehenswürdigkeiten, aber auch einfach Plätze mit wunderbaren Aussichten. Unser Hauptziel war die Stadt Stepantsminda (früher: Kazbeki) und der Aufstieg zur Gergeti, einer orthodoxen Kirche auf 2170 Meter Höhe. Von dort genießt man bei schönem Wetter auch einen wunderbaren Blick auf den achthöchsten Berg des Kaukasus Kazbek (5047 m). Die Zeit wurde super verbracht und anschließend bot uns der Guide überraschend einen weiteren Ausflug zum Wasserfall Gveleti. Der Tag war für mich schon vorzeitig klar zum Besten bei der 10-tägigen Tour geworden. Bei meinem ersten Besuch in Georgien war die Heerstraße schon mein großes Ziel gewesen, aber damals im März war die Straße aufgrund von Lawinenabgänge gesperrt. Dies soll auch kein Einzelfall sein, sodass die Straße lediglich im Sommer fast immer abgefahren werden kann. Auf der Rückfahrt wurden wir noch von unserem gastfreundlichen Guide Irakli auf die traditionellen Gerichte Khachapuri sowie Khinkali eingeladen. Zusätzlich holten wir uns dann auch noch Schaschlik aus Schweinefleisch sowie Rotwein. So konnte auch dieser erlebnisreiche Tag ordentlich beendet werden!






































