Brandenburgliga
Stadion am Quenz
Zuschauer: 100 (ein paar Gäste)
Bevor ich nach Berlin gezogen bin, freute ich mich schon auf
die vielen neuen Grounds, vor allem aber auf das Stadion am Quenz in
Brandenburg an der Havel. So plante ich frühzeitig für den 12. November einen
Besuch bei Stahl Brandenburg ein. Eine Woche vor dem Spiel sah ich plötzlich
eine Alternative: Der BSC Süd 05 trifft zeitgleich im Landespokal auf Energie
Cottbus. Die Stadien der Stadtrivalen sind zu weit auseinander. Eine Halbzeit
da und die andere dort war ohne Auto nicht drin. Obwohl mein Kollege Pressi
mich oft genug als „Atmohopper“ bezeichnete, entschloss ich mich dies Mal gegen
ein fantechnisch besseres Spiel und zog den viel besseren Ground vor!
Aus Berlin ging es also mit der Bahn nach Brandenburg. Im
Zug traf ich zufällig auf zwei Hopper aus Niedersachen, mit denen ich schnell
ins Gespräch kam und die Fahrt ging schnell vorbei. Am Bahnhof trennten wir
uns: Für die beiden ging es zum Pokalspiel des BSC Süd und ich machte mich auf
den Weg zum Stadion des FC Stahl. Es liegt am Ende Stadt, in der sogenannten
Quenzsiedlung. 5 km musste ich in einer Stunde zurücklegen, was ohne Problem
klappte und so stand ich pünktlich zum Anpfiff drin. Das Stadion hat eher den polnischen oder tschechischen
Baustil, von dieser Sorte gibt es in Deutschland jetzt weniger. Es wurde 1955
auf der Stelle eines alten Kriegsgefangenlagers fertiggestellt und ist seitdem
die Heimat von Stahl. Ursprünglich hatte es keinen Namen und gilt einfach im
Volksmund als das Stahlstadion. Sein größtes Wahrzeichen sind die
Flutlichtmasten, welche seit 1990 die Schüssel schmücken. Letztes Jahr sollten
diese noch abgerissen werden, doch die Interessensgemeinschaft „Freunde des
Stahlstadions“ konnte dagegenhalten und das nötige Geld zum Erhalt der Masten
auftreiben.
Der ursprüngliche Verein, die BSG Stahl, wurde 1950
gegründet und verbrachte die meiste Zeit der Geschichte in den unteren Ligen.
1984 schaffte die Betriebssportgemeinschaft den Aufstieg in die DDR-Oberliga.
1986-1988 erlebten die Stahler ihre größten Erfolge. Die Mannschaft spielte
eine Saison im UEFA-Pokal und erreichte den vierten Platz der ostdeutschen
Meisterschaft. Nach der Wiedervereinigung ging es immer weiter bergab für
Stahl. Aus BSG wurde 1989 die BSV und im Jahr 1998 wurde nach dem Konkurs der
BSV der heutige FC Stahl. Vor einigen Jahren gab es Versuche die beiden Rivalen
(FC Stahl und BSC Süd 05) zu fusionieren. Diese scheiterten aber u.a. wegen dem
Einsatz der Stahl-Fans.
Heute versammelten sich auf der Haupttribüne etwa Hundert
treuere Stahler. Ganze 13 Zaunfahnen hingen im ganzen Stadion verteilt. Am
Anfang gab es noch etwas Support vom Heimblock. „Stahl – Feuer!“ schallte durch
das Stahlstadion. Die Heimmannschaft zeigte aber echt eine üble Leistung. In
der 33. Minute fiel das 0:3, worauf der größte Teil des Fanblocks auf den
Nebenplatz wanderte und dort ein wenig die Jugend supportete. In der zweiten
Halbzeit wurde die Leistung kaum besser, aber es blieb auch beim Ergebnis der
ersten Hälfte. Ich besuche relativ selten so unterklassige Spiele. Die heutige
Atmosphäre, das Gebolze auf dem Platz brachten Erinnerungen an die Würzburger
Kickers, als die vor wenigen Jahren noch sechstklassig kickten, hoch.
Einerseits ist die Situation bei manch einem Traditionsverein traurig,
anderseits aber das Flair irgendwie geil… Ich habe meine Entscheidung dieses
Spiel und nicht das Pokalspiel zu besuchen jedenfalls nicht bereut.

















