Premier Liga
Stadion Ukraina
Zuschauer: 6 200 (40 Gäste)
Bei dem gleichen Spiel war ich schon 2013 gewesen. Damals war auch noch
richtig Hass drin, da die beiden Szenen sich auf Grund mehrerer
Tatsachen nicht leiden konnten. Seit 2010 ist die Auseinandersetzung
zwischen den beiden Fanlager noch extremer geworden, nachdem die
Odessa-Gruppe Duke's Band 14 Zaunfahnen in Lviv von der Heimszene
gezogen hat. Doch seit der Maidan-Revolution herrscht zwischen allen
verfeindeten Szenen Frieden. Die Szenen aus Odessa und Lviv
veranstalteten im letzten Jahr sogar ein Freundschaftsspiel
gegeneinander, um die Vereinigung der Fanszenen zu betonen.
Momentan erlebt nicht nur das Land, sondern auch der Fußball in der
Ukraine nicht seine beste Zeit. Die Zuschauerzahlen in der ersten Liga
sind überall niedriger geworden und auch die Fanblöcke werden nicht so
gut besucht wie früher.
Der Heimblock fasste heute ca. 400 Leute,
bei früheren Spielen gegen Odessa waren beinahe doppelt so viele Fans
anwesend. Seit meinem letzten Besuch hatte ich die gute Supportleistung
von Karpaty im Kopf und auch dieses Mal war die Heimszene ‒ in
geringerem Maße ‒ super. Nicht nur Schlachtrufe, sondern auch längere
Lieder kamen sehr gut auf der anderen Seite an. Zu den früheren Spielen
gegen Odessa hat Karpaty immer eine Pyroshow vorbereitet und auch dieses
Mal gegen Ende des Spiels gab es eine schöne Show zu sehen. Wie jede
Szene der Ukraine hat auch Karpaty ca 30 Leute in ihren Reihen, die für
Souveränität des Landes im Osten kämpfen. Aus diesem Grund hat Karpaty
für jedes der Dutzend Batallione eine Zaunfahne mit dem jeweiligen
Wappen der Gruppe erstellt. Leider hingen diese Batallion-Fahnen heute
nicht, nur die Azov-Fahne sowie eine kroatische Nationalfahne, die von
im Osten kämpfenden Kroaten mitgebracht wurde, erinnerte an die Fans an
der Front.
Die Gäste waren heute auch weniger als sonst anwesend.
Früher kamen immer mehrere Busse nach Lviv. An diesem Samstag aber gab
es keine gemeinsame Anreise und jeder musste sich selbst um den Zug
kümmern. So fanden sich nur um die 40 Leute aus der Schwarzmeerstadt im
Gästeblock ein. Davon auch zwei Leute, die an der Front kämpfen und
jetzt im Urlaub sind. In Gegensatz zu früheren Spielen dürften die Gäste
heute völlig frei herumlaufen, die Polizei am Gästeblock war nur
obligatorisch.
Obwohl das Stadion Ukraine wahrscheinlich zu meinen
Lieblingsstadien der Ukraine gehört, muss ich dennoch was Negatives
loswerden: Es kann einfach nicht sein, dass bei 30 Grad Hitze sowohl das
Bier, Wasser als auch Kwas (Malzgetränk) warm abgefüllt werden. So was
grenzt schon fast an Körperverletzung.
Text/Fotos: Шаффи