Samstag, 20. Juni 2020

Mostecky FK U19 - MSK Trmice 3:2

UKFS Korona Cup nadstavba vychod
Fotbalovy stadion Josefa Masopusta
Zuschauer: 100 (ca. 20 Tschechen)

Rückblende. Wir schreiben Mittwoch, den 12.03.2020. Die Fahrt nach Prag ist gebucht, die Tickets für die letzten zwei fehlenden Grounds der ersten tschechischen Liga mit Mlada Boleslav und Jablonec sind besorgt. Dazu noch Sparta – Plzen und niederklassiges in Prag.

Gegen spätnachmittag kam die Meldung alle Spiele werden aufgrund des Corona-Virus abgesagt. Als kurz darauf bekannt bekannt gegeben wurde, dass sogar sämtliche Kneipen schließen müssen, gab es auch für mich keinen Grund mehr nach Tschechien zu fahren. Das dann eine mit 97 Tagen lange Dürrezeit in Bezug auf Fußball ansteht, konnte damals sicher noch keiner ahnen und zehrte auch bei mir an den Nerven und der Laune.
Ein Tag ohne Fußball ist ein verlorener Tag, wie einmal so treffend Ernst Happel sagte.
Zwischenzeitlich kam die Meldung das vor November die tschechischen Grenzen für Ausländer zu bleiben. Letztendlich öffneten sie dann doch recht zügig wieder vor 3 Wochen. Ja, die Tschechen machen alles richtig und treten sogar wieder gegen den Ball und das sogar in den oberen zwei Ligen mit wachsenden Zuschauerzahlen.
Schon vor zwei Wochen reiste ich nach Usti nad Labem, im Schlepptau hatte ich einen jüngeren Erfurter, der jetzt in Würzburg arbeitet. Doch irgendwie hatte ich bedingt dadurch, dass es etwas feucht fröhlicher war, kaum Bilder gemacht. Deshalb gab es auch keine Berichte. War auf jeden Fall eine Top-Tour ! Grüße an Dich, Bronzed Adonis ;-)
Besucht wurden die Grounds von Trmice, Usti nad Labem, Bilina und Steti.
Natürlich buchte ich gleich nach Rückkehr wieder eine IC-Busfahrt von Würzburg nach Prag. Der Preis für Hin- und Rückfahrt blieb auch stabil bei 39,80€, wie vor Corona-Zeiten.
Ärger machten wie so oft die Tschechen in dem sie Paarungen verschoben und somit am Abfahrtstag nochmal etwas an der Tour rumgebastelt werden musste.
So ging es mit der Bahn von Prag nach Most. Das ist eine Industriestadt im Ustecky kraj in Nordböhmen. Die Stadt liegt im Okres Most am Fluss Bilina. Sie ist ziemlich hässlich und viele Sinti und Roma wohnen hier. Viel Zeit hatte ich nicht, also ging es gleich zum Ground, dieser ist ja eine richtige Perle und der Beste, den ich dieses Jahr kreuzen konnte.
Der Verein wurde 1909 als SK Most gegründet und kam nie über regionale Wettbewerbe hinaus. 1962 schaffte man als Banik Most den Aufstieg in die 2.Liga. 1963 erreicht man mit dem dritten Platz den größten Erfolg der Vereinsgeschichte. 1977 kam der Fall in die 4.Liga.
Im Jahre 1996 übernahmen die örtlichen Kohlewerke Mostecka uhelna spolecnost (MUS) den Verein, der in der Saison 1996/97 in die 2.Liga aufstieg und dort den sechsten Platz belegte. Nach weiteren Mittelfeldplatzierung gelang 2004/05 der souveräne Aufstieg in die Gambrinus Liga. 2003 hatte die italienische Gasgesellschaft SIAD die Mehrheit am Verein übernommen.
20007/08 stieg man aus der ersten Liga ab. Zum 1. Juli 2008 wurde der Name in FK Banik Most geändert. 2015 folgte der nächste Abstieg.
2016 ging der Klub bankrott und der 1992 gegründete Mostecky FK erwarb die Rechte um in der 4. Liga zu spielen. Ein Jahr später spielte man nur noch regional fünftklassig und hat sich vor kurzem mit Banik Sous zu dem FK Banik Most-Sous zusammengeschlossen und will wieder nach oben klettern.
Die Stadt mit etwa 66.000 Einwohnern und vor allem das Stadion hätten dies verdient.
Die heute spielende Mostecky FK engagiert sich stark in der Jugendarbeit und fördert Kinder schon ab dem Kindergarten.
In das Fotbalovy stadion Josefa Masopust, benannt nach eine verstorbenen Moster Spieler und Trainer, ist ein Traum für Stadionliebhaber. Mittlerweile total runter geranzt, fasst es nur noch 7.500 Zuschauer. Besteht klassischerweise aus überdachter Haupt- und Gegentribüne und zwei weitläufigen Kurven. Mittlerweile ist alles versitzplatzt, an welchen der Zahn der Zeit und die Witterung nagt. Die letzte Renovierung soll 2006 stattgefunden haben…ich denke da sind nur die alten Sitzschalen verschraubt worden. Ansonsten schaut es aus als ob seit der Eröffnung 1961 hier nichts mehr passiert ist.
Auf meiner Stadionrunde traf ich auf den Hamburger Kollegen Andi M. und seine Truppe. Nach dem kurzen Plausch kamen immer mehr, teilweise richtige Hopper-Prominenz dazu. Schön dass man sich hier zumindest respektvoll grüßen kann und sogar unterhalten. So kann das halt auch ablaufen !
Während des Spiels setzte ich mich zu den in der letzten Woche in Trmice kennengelernten Auer Cello und Lars. Welche zwar schon mal bei einem Auer Testspiel hier waren, aber trotzdem nochmal anreisten. Gut, ist ja nicht so weit für sie.
Unglücklicherweise war das Restaurace im Stadion geschlossen und auch sonst gab es weder Bier noch Wurst zu erwerben. Ich hatte extra den Verein angeschrieben, dass viele Deutsche kommen werden und sie doch für Pivo und Klobasa sorgen sollen. Entweder pflegt keiner mehr die Seite oder man glaubte mir nicht. Dabei denke ich hätte es der Verein nötig. Eintritt wurde für das Korona-Cupspiel natürlich auch keiner verlangt. Bei 80 Hoppern hätte man hier mit Verpflegung und etwas Eintritt richtig Reibach machen können !
Da ich schon ahnte das hier kulinarische Wüste herrschen könnte, hatte ich genug Bier im Rucksack. Man ist ja Profi ;-)
Aktuell wird ja im Ustecky kraj (Aussiger Region) der Korona Cup ausgespielt. Auf die Idee muss man auch erstmal kommen. So kann man hier zumindest gemütlich Fußball schauen ohne Kartenprobleme.
Während in den ersten Ligen mit 300 Zuschauern begonnen wurde und man aktuell bei 5.000 ist. Somit wird es wohl nur bei den Partien der Fortuna Liga problematisch mit Karten.
Heute spielte die U19 von Most gegen meinen neuen Lieblingsverein Trmice. Dort war es letzte Woche echt angenehm. Pivo für 23 Kronen, Wurst gab es auch und mit zwei einheimischen Originalen wurde eine Flasche Kaffeeschnaps weg gezecht.
Kurz vor Schluss konnte die U19 sogar den Siegtreffer markieren und man bejubelte ihn wie einen Aufstieg. Ohne sinnlose Distanzierung, was ja keinen Sinn macht, wenn man sich im Training oder Spiel weggrätscht, aber beim jubeln Abstand halten soll, wie zum Beispiel bei uns.
Noch eine Erwähnung finden muss das Stadionklo. Seit der Eröffnung 1961 ist hier sicherlich nichts passiert und so schaut es auch aus ! Fast kommt es an die Toilette in Trainspotting ran. Highlight der Holzstuhl im Scheißhaus, welcher die riesige Klopapierrolle beherbergt, da keine Halterung für diese mehr da ist. Abschließen kann man natürlich auch nicht, sodass mich bei der Darmentleerung noch Aue störte ;-)
Übrigens spielte schon gestern die erste Mannschaft ein Testspiel. Es gibt mit den „Ultras 1909“ sogar eine Ultragruppe, welche hier mit Aufklebern und Tags Präsenz zeigt.
Während der Hopper-Tross nach Schlusspfiff in ihre Autos hetzte um so schnell wie möglich zum nächsten Spiel zu gelangen, gönnte ich mir noch etwas vom nachfolgenden U15-Spiel und drehte noch eine Fotorunde. Dort fand ich auch noch Spritzen des örtlichen Heroin-Clans. Wie ein anderer Hopper berichtete, kam einmal ein Junkie während eines Spiels, aus der Scheißhauskabine gewankt. Diesen sollte ich heute aber leider nicht mehr treffen.
Übrigens braucht man sich hier keine Sorgen machen ob das Spiel hier auf dem Hauptplatz stattfindet, denn der Kunstrasen hat auch an zwei Seiten mit etlichen Stehstufen einen überragenden Ausbau !
Leider blieb mein Aufruf in einer Hopper-Gruppe nach einem Autoplatz erfolglos. Denke in irgendeinem Auto hätte ich sicher Platz gefunden, aber das ist halt so, dass man mit solchen Aufrufen eigentlich nie Erfolg hat.
Gut, ich sterbe nicht eher wenn ich wie alle anderen nicht drei sondern nur zwei Spiele am Tag schaue !
Für mich ging es zurück Richtung Prag nach Oldrichov.


Text/Fotos: Pressi