BOV Premier League
Ta´Qali-National Stadium
Zuschauer: ca. 1.000 (ca. 80 Gäste)
In letzter Zeit war es ja etwas ruhig um uns in Sachen Bericht schreiben. So fehlt uns in letzter Zeit oft die Lust und die Motivation für längere Texte. Doch wir geloben aber Besserung!
Malta stand schon lange auf meiner imaginären To-do-Liste und wenn ich dorthin fliege habe ich mir geschworen, dann im Winter. Bevor im April die Ryanair-Base in Nürnberg dicht macht, guckte ich nach günstigen Flügen von dort. Da Kollege Shaffi erst im Dezember dort war und ebenfalls von der Frankenmetropole startete, wusste ich das es recht günstig is,t in den kleinsten EU-Mitgliedstaat zu fliegen. Letztendlich verlangte man schlappe 30 € für beide Flüge, billiger als wenn ich in Deutschland mit dem Zug irgendwohin fahre.
Da dort aufgrund der Lage im Mittelmeer mediterranes Klima herrscht und mich 20 Grad und Sonnenschein erwarteten, packte ich nur eine leichte Jacke ein.
Der Flixbus hatte die übliche Verspätung und brachte mich traditionell mit Cider und Fanzines im Gepäck eine halbe Stunde später an den vorläufigen Zielort. Als ich am Flughafen eintraf leuchtete schon ein delayed hinter meiner Destination.
Hatte ich auch schon lange nicht mehr, letztendlich blieb es bei einer Stunde, hoffte ich doch auch einmal in den Genuss von einer Entschädigung zu kommen. Leider blieb es bei nur einer Stunde Verspätung, aber ob man nun um 23:00 Uhr oder kurz vor Mitternacht im südeuropäischen Inselstaat landet ist nun auch egal.
Malta ist mit seinen 500.000 Einwohner auf 316 Quadratkilometern Fläche der Staat mit der fünfthöchsten Bevölkerungsdichte weltweit. Die Republik Malta besteht aus den drei bewohnten Inseln Malta, Gozo und Comino. Dazu kommen noch drei unbewohnte Kleinstinseln.
Schon der Landeanflug auf die Insel konnte mich überzeugen, durch die Beleuchtung hatte es irgendwie etwas mystisches.
Obwohl Malta bis zu seiner staatlichen Unabhängigkeit im Jahr 1964 stets unter Fremdherrschaft stand, haben die Malteser ihre eigene, aus dem Arabischen hervorgegangene Sprache bewahrt. Maltesisch ist neben der ehemaligen Kolonialsprache Englisch Staatssprache Maltas. England hinterließ nicht nur das St. Georgs-Kreuz in der Landesfahne, sondern auch den Linksverkehr.
Vom Flughafen aus hatte ich mir im Vorfeld einen Shuttlebus nach Valletta online gebucht. Aufgrund der Verspätung hatte ich schon Bedenken nicht mehr in mein Hostel zu kommen. Doch nachdem ich an den Schalter der Firma ging, wurde man ruckzuck in einen Shuttle gesteckt. Da dieser nur ausgewählte Hotels anfährt, habe ich mich einfach an das nächstgelegene Hotel fahren lassen. Kostet 5€ und ist schneller und nur unwesentlich teurer als der Nachtbus. Im Vorfeld erhielt ich auch den Türcode von meinem Hostel und meine Bettnummer. So hatte ich in den ganzen drei Tagen nicht einmal Kontakt mit einem Mitarbeiter, auch mal ganz cool. Die Lage in der Nähe vom Stadttor und der günstige Preis, nebst sauberen sanitären Anlagen waren top !
Leider fiel mir am nächsten Morgen meine Kamera vom Bett, nicht schlimm dachte ich mir, ist ja nicht sonderlich hoch. Doch als ich die ersten Bilder vom Fort Manoel schießen wollte, ging gar nichts mehr ! Ärgerlich, hatte sich aber schon länger angedeutet das ich eine neue Kamera brauche. Deswegen gibt’s zu den Berichten leider nur schlechte Handyfotos. Sorry, aber guckt euch notfalls die Bilder von Shaffi´s Tour an.
Nach einem kurzen Rundgang an der Hafenpromenade machte ich mich auf nach Mdina. Das Bussystem auf Malta ist astrein ausgebaut und man kommt wirklich in jede Ecke. Der Busbahnhof liegt unweit vom Stadttor und zum genauen Abfahrtsort folgte ich einfach der vor mir laufenden sechsköpfigen Niederbayern-Hopper-Crew. Die Herkunft leitete ich durch ihren Dialekt ab. Werden wohl dasselbe Ziel haben, dachte ich mir.
Was mir besonders Spaß macht ist das raten, von welchem Verein die Hopper stammen. So tippte ich bei den Niederbayern auf Burghausen, Regensburg, Ingolstadt oder Sechzig und Bayern. Auflösung kommt dann im dritten Bericht….
Eine Plastikkarte zum Busfahren wollte man mir am Schalter nicht verkaufen. Eine Fahrt kostet 1,50€ und man kann diese 2 Stunden lang nutzen.
Mdina liegt im westlichen Zentrum Maltas auf einem 185 Meter hohen Ausläufer des Dingli-Plateaus, dessen Nord-, Ost- und Nordwesthänge steil aus der Landschaft aufragen. Unmittelbar südwestlich schließt sich die größere Zwillingsstadt Rabat an.
Komischerweise machten die Niederbayern keine Anstalten in Mdina auszusteigen und als der Bus nach einer Schleife am Eingangstor schon fast wieder aus der Stadt rausgefahren war, sprang ich in letzter Sekunde raus.
Die Ursprünge der Besiedlung Mdinas gehen in die Bronzezeit zurück, damals diente der Hügel wegen der strategisch günstigen Lage als Wohnplatz. Die Phönizier bauten ihn als Festung aus und nannten den Ort Malet (Zufluchtsort). In der Römerzeit wandelte sich der Name in Melita. Die Römer umgaben die Stadt zusammen mit dem benachbarten Rabat mit einer starken Festungsmauer. In dieser Epoche war die Stadt von fast 1.000 Menschen bewohnt. Die Araber gaben ihr nach der Eroberung Maltas den Namen Mdina (Stadt).
Heute ist die Stadt ein touristisches Zentrum, in dem die Zeit angehalten zu sein scheint. Das mittelalterliche Stadtbild ist geprägt von schmalen Gassen und den aus dem maltatypischen sandfarbenen Kalkstein errichteten Palästen und Kirchen.
Mdina wird auch die stille Stadt genannt, denn es gibt dort nur ein Hotel und wenige Restaurants, sodass die meisten Touris Tagesgäste sind. Abends ist der Ort fast menschenleer.
Nach Besichtigung schaute ich mir noch etwas Rabat an und kaufte mir im Supermarkt einheimisches Bier. Es heißt Cisk und man kann es gut trinken. An einem Imbiss war ein Riesenandrang an Einheimischen, was ja immer ein Zeichen für gutes und günstiges Essen ist. Dort gab es auch Pastizzis und Qasatas. Das sind Teigtaschen, die mit Ricotta, Fleisch, Thunfisch oder Erbsen gefüllt sind.
Ich bestellte mir drei Pastizzis mit verschiedenen Füllungen, welche nur je 40 Cent kosteten. Sie waren echt lecker und nun war ich bis abends satt.
Nun war endlich Fußball angesagt und das Ta´Qali Nationalstadion liegt in unmittelbarer Sichtweite, zu Fuß ging es in einer halben Stunde dorthin.
Der Ground ist der Größte auf Malta und fasst 17.797 Zuschauer und ist seit seiner Eröffnung Anfang der Achtziger Jahre das Nationalstadion von Malta. Es liegt in Attard und ersetzte in dieser Eigenschaft das ehemalige Empire Stadium Gzira. Es wird auch Millenium Stadium genannt und dort finden auch internationale Spiele und Konzerte statt.
Gastgeber war heute der Valletta Football Club, welcher 1904 als Valletta United gegründet wurde. Er errang 25 Meisterschaften und 14x den Maltesischen Pokal. 1932 erfolgte die Umbenennung in Valletta City, welche nur sieben Jahre Bestand hatte. 1939 wurde der Klub in Valletta St. Paul´s AFT umbenannt. Da während des Zweiten Weltkrieges der Spielbetrieb teilweise zum Stillstand gekommen war, fusionierte der Klub 1944 mit dem Ortsrivalen Valletta Prestons zum Valletta FC.
Glücklicherweise kaufte ich mir mein Ticket für den Millenium Stand. Denn gegenüber machten sich beide Fanlager breit und somit hatte ich gute Sicht auf beide.
Die Heim-Fans von Valletta FC flaggten ordentlich an. Banner in rot und weiß und einige Zaunfahnen. Dazu hatten sie noch fünf Schwenkfahnen im Einsatz. Die Ultras nennen sich „Ultras Bentin 999“.
Bentin werden die Einwohner von Valletta genannt und das 999 bezieht sich auf das Gründungsdatum 9. September 2009.
Natürlich kann man sie nicht als Ultras im klassischen Sinn bezeichnen. Statt nur auf Trommeln zu setzen war hier eine Blaskapelle im Einsatz. So in der Art wie in Südamerika mit Trompeten und Trommeln. Hier wurden sämtliche Fan- und Bierzeltgesänge angestimmt. Manche werden jetzt die Hände über den Kopf zusammenschlagen, aber ich finde nach Malta passt es gut. Wäre hier nur eine Trommel im Einsatz wäre es bei der geringen Anzahl Leute schnell monoton. Aber teilweise konnte man den restlichen Anhang mitreißen und nach den Toren war echt die Hölle los. Hat mir echt gut gefallen und ich war positiv überrascht, hatte ich doch eher einen Totentanz erwartet.
Glücklicherweise hatte ich noch Dosenbier dabei, am Zaun zum Mittelblock, in dem eine Jugendmannschaft Platz nahm, konnte man aber auch Bier kaufen. Das nützten eine achtköpfige einheimische Sufftruppe und zwei Polen mit Miedz Legnica-T-Shirts aus und schütteten sich richtig weg. Nervig dabei die Einheimischen, welche immer den gleichen Gesang anstimmten. In Sachen Alkohol merkt man dann doch noch die Einflüsse Englands ;-)
Das Spiel gewann der Valletta Football Club nach zwei Platzverweisen für Balzan souverän mit 3:1 und gegen Ende wurde es voll in den beiden Fanblöcken, denn die Anhänger der Mannschaften der nachfolgenden Begegnung liefen ein und brachten schon mal ihre Zaunfahnen an. Kann man sich in Deutschland gar nicht vorstellen, da würde es sicherlich öfter mal krachen und Zaunfahnen würden en masse gezogen werden. Hier verläuft so ein Wechsel friedlich und respektvoll.
Passenderweise hatte der Floriana FC auch grüne Vereinsfarben wie die vorher im Block sitzenden Fans vom Balzan FC, sodass es farblich passte.
Zufrieden machte ich mich mit dem Schlusspfiff vom Acker in das nebenan liegende Centenary Stadium, wo der Spieltag für mich noch eine weitere Partie bereit hielt.
Text/Fotos: Pressi


















