Serie
D - Gruppo H
Stadio
Erasmo Iacovone
Zuschauer:
3500 (ca. 300 Gäste)
Am Sonntag war aus Bari ein Ausflug in die zweitgrößte apulische
Stadt Taranto (Tarent) geplant. Eigentlich hätte auch AS Bari in dem genialen
Stadion San Nicola ein Heimspiel gehabt, doch von der Tabellensituation her und
fantechnisch reizte mich dann doch das Spiel des FC Taranto mehr.
Interessanterweise ist AS Bari nicht in der gleichen Gruppe der Serie D wie der
FC Taranto gelandet, sondern wurde (wohl von der Polizei) zu den sizilianischen
Teams in die Liga gesteckt. Für den potentiellen Aufstieg in die Serie C war
aber die Entscheidung sogar gut, denn die Gruppe I ist um einiges schwächer und
die Baresi dominieren die Liga mit großem Vorsprung. Die Tarantini spielen auch
um den Aufstieg in die Serie C mit, aber in der Gruppe H geht es eben um den
Aufstiegsplatz viel intensiver zu. Somit entschloss ich mich für den FC Taranto
und schob meinen Besuch in Bari auf die nächste Saison.
Während Bari an der
Ostküste liegt, befindet sich Taranto in etwa 100 km davon entfernt auf der
Westseite des Stiefels. Nach knapp über einer Stunde Fahrzeit fuhr mein Regio
dort ein. Taranto ist in erster Linie für sein Stahlwerk bekannt, das als
größtes Werk Europas gilt. So wichtig auch das Stahlwerk mit seinen
Arbeitsplätzen für die ganze Region ist, ist es zugleich aufgrund der
Luftverschmutzung aktuell auch die Plage der Stadt. In Taranto ist die
Krebsrate laut Studien um 30 Mal höher als im Rest Italiens! Bis zum Spiel
waren es über 5 Stunden, aber direkt nach der Ankunft ging es zum Kartenkauf.
Süditalien ist ja dafür bekannt, dass es am Stadion meistens gar keinen
Kartenverkauf gibt, sondern der Verkauf in gewissen Bars oder Tabaccheria
(Tabakshops) stattfindet. So holte ich mir in einem solchen Laden in der
Altstadt ein Ticket für die Gegengerade. Die Altstadt in Taranto ist sehr
speziell… Und zwar nicht nur durch ihre Lage auf einer Insel, sondern durch den
maroden Zustand.Gut die Hälfte der Häuser steht verwaist mit zugemauerten
Fenster und Türen. Hier findet eine klassische Standentkernung statt, die
Geschäfte und Restaurant sind hauptsächlich in der Neustadt angesiedelt.
Jedenfalls ist der Zustand interessant anzusehen! Für Sightseeing war die Luft
dennoch schnell raus und nachdem ich auch kein passendes Restaurant zum
Mittagessen gefunden habe, betrat ich schon eine Stunde vor Spielbeginn das
Stadio Erasmo Iacovone. Mit einer Kapazität von ca. 30000 ist es eins der
größten Stadien des Südens. Heutzutage dürfen zwar nur 12000 rein, aber punkten
kann dieser Ground dennoch. Der Heimverein Taranto FC 1927 wurde 2012 als Nachfolgerverein
vom AS Taranto gegründet. Aktuell spielt man, wie erwähnt, in der
viertklassigen Serie D, kämpft aber mit Cerignola und Picerno um den Aufstieg
in die letzte Profiliga. Zu Gast in Taranto war heute Fasano. Die Stadt liegt
auch in Puglia, lediglich 60 km entfernt. Somit waren die Gästetifosi mit vier
Bussen und mehreren Autos vor Ort. Geschlossen betraten die ca. 300 Mann ihren
Block auf der Süd und legten gleich mit dem Support los. Parallel wurde mit 10
Stoffen der Zaun aufgeflaggt. Mittig hing der große Lappen der führenden Gruppe
Alletanti 1987, die wohl die politische Ausrichtung des Blocks anzusagen hat.
Als Intro wurden blau-weiße Folien mit der Aufschrift „Fasano“ in Form einer
Schalparade präsentiert, dazu gab es eine Prise Rauch. Schön vecchio stile! Die
Curva Nord, die mit schönen langen Zaunfahnen geschmückt war, zeigte zur
Schalparade ein Spruchband mit der Message an die Mannschaft bis zum letzten
Spiel der Saison zu kämpfen. Den Aufstieg gönne ich den Hausherren definitiv!
Erstens käme es damit auch zu vielen interessanten Begegnungen mit anderen,
stärkeren Szenen aus der Region Puglia (potentielles Derby mit Bari nicht zu
vergessen!). Zweitens taugten mir die Stimmung sowie das Kurvenbild in Taranto.
Der Support ihrerseits war das ganze Spiel über wirklich gut und die Kurve mit
ihren Fahnen, Schwenkern, Doppelhaltern und zwischendurch brennenden Bengalos
war einfach geil anzusehen. Top! Auf der Gegengerade gab es übrigens einen
zweiten Heimblock aus ca. 80 Tifosi, aber dieser war genau so wie die Gäste,
aufgrund der starken Curva Sud viel zu selten zu vernehmen. Endlich konnte ich
auch den Kultlikör Caffè Borghetti probieren. Dieser wird ja vor und in jedem
italienischen Stadion von fliegenden Händlern verkauft. Super Ding! Das Spiel
konnte übrigens von der Heimelf gewonnen werden und die Spieler feierten nach
dem Abpfiff ausgiebig vor der eigenen Kurve. Somit stellten sich meine beiden
ausgewählten Spiele in Italien als ein Glücksgriff heraus und dies macht
natürlich Lust auf mehr… A presto, bella Italia! A presto, Puglia!
Text/Fotos: Шаффи









































