Stadio Pino Zaccheria
Zuschauer: 11 207 (ca. 1200 Gäste)
Nach einer langen Abstinenz sollte wieder mal das Mutterland der Ultras besucht werden. Eigentlich hatte ich schon letztes Jahr vor, Italien einen Besuch abzustatten, aber irgendwie ergab sich nichts. Ich war auch lang unentschlossen wohin es gehen soll, denn die Auswahl an geilen Stadien und Szenen ist in Italien enorm, wohl wie in keinem anderen Land. Letztendlich fiel die Wahl auf Süditalien, wo ich bis jetzt lediglich in Napoli gewesen bin. Dank Ryanair konnte ich relativ günstig am Freitagvormittag aus Nürnberg nach Bari reisen. Bari ist die Hauptstadt der Region Puglia (Apulien). Mit ca. 325000 Einwohnern ist sie die drittgrößte StadtSüditaliens nach Napoli und Palermo. Am Ziel gelandet nahm ich die Bahn, welche mich für 5 Euro in 20 Minuten Fahrtzeit in die Innenstadt brachte.
Für zwei der drei Nächte in Bari habe ich mir eine Übernachtung beim Couchsurfing rausgesucht. Mein Gastgeber Stefano war nicht nur ein freundlicher Typ, der mich bei meiner Ankunft zum Mittagessen einlud, sondern kannte sich zufällig auch mit (regionalem) Fußball aus. Sein älterer Bruder geht sogar seit mehr als einem Dutzend Jahren in die Kurve des apulischen Vereins SS Barletta Calcio. Für reichlich Gesprächsstoff war somit gesorgt! Nach dem Essen ging es wieder ins Freie, um sich noch etwas die Stadt anzuschauen. Obwohl ich drei Nächte in Bari nächtigen sollte, war nur heute Zeit für Sightseeing drin, denn an den folgende beiden Tagen waren Ausflüge in erster Linie zum Fußball nach Foggia und Taranto geplant. Viel Zeit braucht man in Bari aber auch nicht, um sich ein Bild von der Stadt zu machen, sodass ich nach drei Stunden gemütlichen Spaziergangs schon genug hatte. Mein Magen knurrte schon, aber ums Essen brauchte ich heute mir keine Gedanken machen, denn am Abend war bei Stefano eine Party mit 15 Leuten geplant. Wobei die Party eher im italienischen Sinn verstanden werden sollte: Es gab mehr Essen als Alkohol. Gut so! Das Hauptessen war die apulische Spezialität Panzerotti. Es sind Teigtaschen, die mit völlig unterschiedlichen Füllungen in Öl gebraten werden. Zwei seiner Freunde standen vier Stunden lang in der Küche ohne sich blicken zu lassen und kochten für den Rest die Panzerotti. Welche Füllung reinkommt, durfte man selbst entscheiden und so gab es für meine Wenigkeit neben dem Klassiker (Mozarella und Tomaten) auch eins mit Gorgonzola und eins mit Stracciatella und getrockneten Tomaten. Während ich schon nach drei Stück voll war, stopften die Einheimischen jeweils mehr als 5 Stück in sich hinein. Zum Abschluss gab es noch süße Panzerottis und gegen halb Eins konnte ich nach dem langen Tag endlich in die Kiste. Am Samstag besuchte ich vor der Abfahrt den Markt und stieg dann kurz nach 10 in die Regionalbahn nach Foggia ein. In Süditalien ist der Zugverkehr relativ schlecht ausgebaut, doch zwischen den Küstenstädten geht’s einigermaßen. Nach eineinhalb Stunden war ich dann in der drittgrößten Stadt von Puglia angekommen. Hätte ich bloß auf meinen Gastgeber gehört und wäre nicht so früh angereist. Denn in Foggia schaut es richtig trist aus. Aber nicht nur die fehlenden Sehenswürdigkeiten, viel schlimmer sind die mega verschmutzten Straßen... In keiner osteuropäischen Stadt habe ich solche üblen Zustände gesehen. Nun ja die Zeit versuchte ich dazu zu nutzen mir die Kunstwerke der Ultras reinzuziehen. Erst um 18 Uhr war der Anpfiff zum Spiel der Serie B, doch ich war schon fast eineinhalb Stunden davor drin. Im heutigen Spiel trafen zwei Nachbarn aufeinander: Die Entfernung zwischen Foggia und Benevento ist lediglich 90 km Luftlinie. Von der Rivalität oder einem Derby kann man aber nicht wirklich reden, weil die beiden Städte auch aus unterschiedlichen Regionen (Bevenento – Campania) kommen. Da hat Foggia schon größere Feindschaften mit apulischen Szenen, wie Lecce, Bari oder Barletta. Den Hass der Szenen aufeinander bekam ich aber dennoch noch zu sehen… Zunächst ging es recht entspannt los und die angereisten Tifosi betraten nach und nach ihren Block, welcher sich direkt an der Curva Nord befindet. Die beiden führenden Gruppen der Curva Nord (Vecchio Regime und Ultra 1980) entstanden nach dem Zerfall der berühmt berüchtigten, extrem rechten Regime Rossonero. Tifo mit rechter Symbolik findet sich auch bei den neu entstandenen Gruppen wieder, aber nicht in dem Ausmaß der alten Regime, die entspannt mit Hakenkreuzen aufmarschiert sind. Die Curva trägt seit nicht allzu langer Zeit auch den Namen der verstorbenen Torwartlegende Franco Mancini, welcher über 10 Jahre lang für Foggia spielte. Neben der Curva Nord gibt’s in Foggia auch noch auf der Süd eine zahlenmäßig überlegene Fankurve. In Curva Sud war eigentlich auch ursprünglich das erwähnte „Regime“ beheimatet. Die Trennung bzw. die Aufteilung auf zwei Kurven besteht in Foggia also seit geraumer Zeit und hat schon gewisse Tradition. Aber Genug mit der Geschichte! Also wie gesagt, ging es recht entspannt los…. Sowohl Curva Nord als auch Sud starteten mit lauten Gesängen und einer Schalparade in die Partie. Die Nord zeigte zusätzlich eine wirklich organisierte Pyroshow, was für Italien jetzt nicht unbedingt typisch ist. So zur 5. Spielminute war wohl der harte Kern der Gäste auch drin… Neben dem Hissen der Curva Sud Fahne begannen die Beneventani die benachbarte Fankurve mit Bengalos und Böllern zu bewerfen. Die Jungs aus der Curva Nord ließen es sich nicht lange bieten und antworteten mit identischen Nettigkeiten. Es ging schon gefühlt recht lang hin und her mit dem Gepöbel, Böllerwürfen und Bengalowürfen. Faszinierend von dem Ganzen habe ich dabei gar nicht mitbekommen, dass das Spiel sogar für zwei Minuten unterbrochen wurde. Entweder konnte die eingestürmte Polizia die Curva Nord beruhigen oder ihre Reserven zum Werfen waren alle, aber das Spiel konnte zumindest weitergehen. Die Nord war zunächst nach dem Ärger nicht am Supporten und ich dachte mir schon fälschlicherweise die Luft sei hier raus… Supporttechnisch war es schlussendlich dann aber doch eine feine Sache mit drei Fankurven (2 x Heim und Gäste). Schwer jetzt eine hervorzuheben, aber am wenigsten habe ich die Gäste wahrnehmen können. Insgesamt war aber die Stimmung doch wirklich das, wofür man speziell nach Italien fährt und was man von Ultra hierzulande auch erwarte. Die Gäste brachten auch noch zwei optische Aktionen: Zur 30. Minute war eine nette rot-orange Rauchshow zu sehen. Nach der Pause kam noch eine Luftballonchoreo, die aber in meinen Augen aufgrund der überschaubaren Anzahl an Ballons mehr als dürftig ausschaute.Neben der fantastischen Atmosphäre war auch das Gebolze auf dem Platz recht ansehnlich und am Ende war ich wirklich froh dieses Match besucht zu haben.
Text/Fotos: Шаффи











































