Estadio La Rosaleda
Zuschauer: 18 172 (ca. 10 Gäste)
Wie so häufig bei meinen Reisen,
ging es am zweiten Tag der Tour schon sehr früh aus dem Bett. Für mich stand
eine Zugfahrt nach Málaga auf dem Plan. Ein „normaler“ Mensch würde sich an die
Stirn tippen, wenn er an allen Tagen seines Urlaubs vor 7 Uhr aufwachen müsste.
Bei unserem tollen Hobby gehört dies aber zum Standard, vor allem, wenn man
noch schön mit dem Zug und keinem Mietfahrzeug durch das fremde Land unterwegs
ist. Málaga ist die zweitgrößte Stadt Andalusiens und gehört zugleich auch zu
den größten Städten von Spanien. Sie liegt in etwa 200 km von der andalusischen
Hauptstadt (Sevilla) entfernt. Als großer Zugfan entschied ich mich diese Strecke
in zweieinhalb Stunden Fahrzeit mit der Regionalbahn zurückzulegen. Ziemlich
schnell kam ein Schaffner vorbei und erklärte meinen Nachbarn lange
irgendetwas. An der Gestik sowie Mimik wurde mir klar, dass da etwas nicht
sauber zu laufen scheint.
So stellte sich heraus, dass der Zug uns heute nicht
zum Ziel bringen wird und die übrigen 180 km der Strecke ab Utrera bis nach
Málaga mit dem Bus überwinden werden müssen. Ich muss gestehen, dass die
Bereitstellung der Busse sowie Umstieg völlig überraschenderweise für mich sehr
organisiert ablief. In Málaga kamen wir sogar genauso pünktlich an wie uns der
Zug dahin bringen würde. Da die Zeit meines regulären Frühstücks schon vorbei
war, entschied ich mich nach der Ankunft gleich ein Brunch zu sich zu nehmen.
Als Location dafür wurde von mir die Markthalle Mercado Central Atarazanas
gewählt. Dort gibt es neben den vielen Verkaufsständen mit frischen Fischen,
Meeresfrüchten auch noch ein Stehimbiss, wo die ganzen regionalen
Fischspezialitäten serviert werden. So bestellte ich mir Boquerones (frittierte
Sardellen), ensaladilla rusa (den sogenannten „russischen“ Salat mit Thunfisch)
und ein Glas Weißwein. Nach der leckeren Mahlzeit wurde im Hostel eingecheckt
und endlich mit der Erkundung der Sehenswürdigkeiten begonnen. Zuerst wurde die
Burganlage Castillo de Gibralfaro aufgesucht, dort genoss ich eine wunderbare
Aussicht auf die ganze Stadt mit ihrer Kathedrale, die Stierkampfarena La
Malagueta und den Hafen. Danach ging es noch zum Strand und durch die Straßen
der Altstadt. Lediglich für das Museum mit den Gemälden des in Málaga geborenen
Pablo Picasso blieb mir keine Zeit übrig. Bevor es zum Spiel gehen sollte,
wurde die Weinkneipe Antigua Casa de Guardia aufgesucht. In dem urigen Lokal
stehen an der Theke so knapp über 20 Holzfässer mit verschiedenen Weinsorten.
Auch verschiedene Snacks sind im Angebot. Ich holte mir neben den Garnelen ein
paar Gläser Wermut, der in der Region sehr gern getrunken wird. Extrem geil der
Laden und eine Pflicht in der Stadt!
Die Heimspielstätte des Málaga
CF, genannt La Rosaleda (übersetzt: Rosengarten), liegt an dem ausgetrockneten
Fluss Guadalmedina. Es steht zwar nicht direkt im Zentrum, ist jedoch gut zu
Fuß erreichbar. Das erste Stadion wurde hier noch 1941 eröffnet und dort wurden
bei der Weltmeisterschaft 1982 sogar drei Spiele ausgetragen. Von dem alten
Ground ist aber nichts erhalten geblieben, heute steht an der gleichen Stelle
ein modernes Stadion mit einem Fassungsvermögen von ca. 30000 Plätzen. Obwohl
es innen aufgrund der Modernität recht steril wirkt, hat es seine einzigartige
Architektur und ist definitiv kein typisches neues Standardding wie bei uns in
Deutschland. Die Heimkurve befindet sich auf der Südseite. Der Stimmungskern
wird durch die Gruppen Frente Bokerón und Malaka Hinchas bestimmt. Die Frente
Bokerón ist die ältere der beiden Organisationen. Ursprünglich war sie rechts
angehaucht, ist aber inzwischen unpolitisch geworden. Diese Gruppe pflegt gute
Kontakte zu Ultravioletas (Real Valladolid CF) und Yomus (FC Valencia) während
Biris Norte (FC Sevilla) und Brigadas Amarillas (Cadiz FC) als Feinde angesehen
werden. Die andere große Gruppe Malaka Hinchas wurde 2001 gegründet. Während
Frente Bokerón auch stark hooligantechnisch aktiv ist, beschränkt sich die
Malaka Hinchas wohl ausschließlich auf den optischen und akustischen Support.
Die nicht allzu große Kurve war heute vergleichsweise gut auf meinem Platz auf
der Nordseite zu hören. Die vorgetragenen Lieder waren zwar größtenteils nicht
besonders kreativ, aber insgesamt ging der Auftritt schon in Ordnung.
Interessanterweise gab es nicht nur melodische spanische Gesänge, sondern auch
einige britische Hits.
Der Málaga CF ist seit 2010 in
Besitz eines katarischen Scheichs. Anfangs hatte der Scheich Großes vor mit dem
Club: So wurde damals noch viel Geld reingepumpt und sogar ein Bau einer Arena
für 60.000 Zuschauer stand im Raum. Der größte Erfolg kam auch in der Zeit als
in der Saison 2012/13 das Viertelfinale der Champions League erreicht wurde.
Zeitgleich kam es aber zu Problemen durch den Financial Fair Play, sodass der
Scheich plötzlich keinen Bock mehr auf den Verein hatte. Derzeit steht der Club
ganz unten in der Tabelle der LaLiga und das wird vielleicht diese Saison nach
10 Jahren Erstklassigkeit den Abstieg für den Verein bedeuten. Auf dem Platz
bemühten sich die Boquerones (die Mannschaft wird witzigerweise als frittierte
Sardellen bezeichnet) zwar gegen der Aufsteiger Levante und waren auch das
bessere Team, aber schafften es dennoch nicht ein Tor zu schießen.
Während dem Spiel wollte ich
anfangs noch nichts zu essen holen, aber als ich mich in der zweiten Hälfte
dazu entschied gab es dann zunächst keine Belegte mehr. Nach dem Abpfiff
probierte ich es nochmal an einem anderen Stand. Die Sandwiches waren da und
dadurch, dass die Verkaufskasse schon gezählt war, wurde mir das große Sandwich
mit Serrano-Jamón und Tomaten für umsonst gegeben. Top!



















