Regionalliga Bayern
Stadion an der Reichertshausener Straße
Zuschauer: 560 (ca. 20 Gäste)
Heute gings mit dem Rad zum Bahnhof und es wurde zum Bayern-Ticket noch eine Fahrradkarte gezogen, da es heute nach Pipinsried ging.
Das oberbayerische Pfarrdorf liegt im Landkreis Dachau, das zum Markt Altomünster gehört.
Und da ist auch die nächstgelegene S-Bahn-Station, ca. 4 km weg von Pipinsried. Da der letzte Bus Pipinsried um 17:35 verlässt, war es nötig das Bike mitzunehmen um dorthin zu kommen.
Der FC Pipinsried ist das Lebenswerk von Konrad Höß. Er hat den FCP 1967 gegründet, anfangs stand er noch selbst auf dem Rasen und verlegte sich bald darauf aufs Funktionärsdasein.
Mit viel Engagement trieb er die Entwicklung seines Vereines voran. Der ehemalige Milchleistungsprüfer ist ein begnadeter Vermarkter seines Produktes, nicht selten stand er Sonntags bei den örtlichen Zeitungen auf der Matte und hatte einen Karton Joghurt aus der Produktion eines Sponsors dabei und noch heute faxt er handgeschriebene Berichte und Ankündigungen in die Redaktionen.
2004 verhinderte er auf dem Rechtsweg den Abstieg seines Vereines, dank eines schwammig formulierten Paragrafen zur Abstiegsregel. Der Rechtsanwalt war sein Sohn Reinhard. Daraufhin ging die Landesliga mit 19 Teams an den Start, ein einmaliger Vorgang.
Nun ist man in der Regionalliga Bayern angelangt. Obwohl das Dorf Pipinsried weniger als 600 Einwohner hat, ist der FCP doch seit Jahrzehnten der erfolgreichste Fussballverein des Landkreises Dachau.
Und das ohne große Sponsoren. Hier hilft das ganze Dorf mit, was ja eigentlich recht sympathisch ist. Solche Leute wie Konny Höß sind in der heutigen Zeit selten, wenn es sie denn noch gibt. Die ihr ganze Kraft und das ganze Leben einem Verein widmen.
Das Stadion muss(te) natürlich auch regionalligatauglich gemacht werden, um dass Geld aufzutreiben wurde eine Crowd-Fundig Aktion bei einem großen deutschen Sportmagazin gestartet um 25.000 Euro aufzutreiben.
Auch kann man sich für 50 € von einem Spieler mit dem Auto abholen lassen, für 150€ darf man mit der Mannschaft trainieren und für 30.000 € gibts den Stadionnamen. Ideen haben sie die Pipinsrieder.
Der Ground hat eine schöne große Tribüne und 2 Stehstufen. Ein Gästeblock mit 3 kleinen Stufen wurde flix aus dem Boden gestampft. Der Rest ist normaler Sportplatz mit vielen Werbebanden.
Ich hatte ja schon mit gerechnet als ich gelesen hatte, dass Frau Höß die Stullen schmiert...auch hier wird nicht gegrillt !
Das gibt natürlich Punktabzug. Es gab nur Fisch- Leberkäs-Aufschnitt- und Käsesemmeln. Für 2,50€ !!!
Wie der FC Pipinsried uns mitteilte, haben die Sicherheitsbehörden das Grillen untersagt. Wird auch immer besser!
Widerwillig hab ich mir zwei Belegte reingedreht. Kulinarischer Genuss ist was anderes.
Das hier überall gespart wird, sieht man an dem provisorischen VIP-Zelt und das Getränke teilweise aus McDonalds-Bechern ausgeschenkt werden.
Fanszene gibts hier natürlich keine, es hing ein "Pipinsrieder Löwen" Lappen und ein Opa klatschte dauernd und brüllte ab und an was. Aus Fürth waren hauptsächlich Jugendspieler mitgereist.
Klasse das Ambiente mit den Maisfeldern im Hintergrund und hinter dem Gästeblock fuhr ein Mähdrescher seine Bahnen. Das staubte so, dass man dachte hier hätte einer Pyro gezündet.
Aus Spaß dachte ich mir noch, wenn hier mal ein Spiel abgebrochen wird, nicht wegen Pyrotechnik sondern wegen einem Mähdrescher...
Im Spiel ging Pipinsried früh in Führung, musste durch einen Elfer den Ausgleich hinnehmen und konnte unter lautem Jubel nach einer Stunde Spielzeit den Siegtreffer landen nach einem feinen Konter.
Schon nach der Halbzeit zogen dicke Regenwolken auf und ab und an blitzte es. Ein großes Gewitter kündigte sich an.
Zur 85. Minute goss es dann aus Kübeln und nach weiteren Blitzen brach der Schiri die Partie ab und bat die Mannschaften in die Kabine.
Das hieß für mich Aufbruch. Denn meine S-Bahn fuhr um 20:52. Klitschnass erreichte ich Altomünster.
Währenddessen wollte der Schiedsrichter und die Pipinsrieder nach 25 Minuten Unterbrechung die Partie zuende spielen. Mittlerweile war es stockdunkel.
Aber die Fürther kamen nicht mehr aus der Kabine und auch nach zweimaligen Bitten nicht.
Als dann der Schiedsrichter die Partie abbrach, sollen die Fürther sich aus der Kabine bequemt haben.
Sicherlich kein Ruhmesblatt für die Kleeblätter. Und wenn ich den Dullie Timo Rost als Trainer sehe, kann ich mir das schon so vorstellen.
Meine S-Bahn musste natürlich wegen einer Signalstörung halten. Das machte das Erreichen des Anschlusszuges in Dachau unmöglich. Klasse.
Normal wäre ich um 1 Uhr in Würzburg gewesen und das war die letzte Möglichkeit mit dem Bayern-Ticket.
Bis Ingolstadt kam ich mit der Regionallbahn. Dank der netten Schaffnerin, die extra für mich die Leitstelle anrief, durfte ich ausmahmsweise mit meinem Rad den ICE nach Nürnberg nehmen.
Dort fuhr um 2 Uhr noch ein Euronight. Schnell beim österreichischen Zugleiter vorgesprochen und schon durfte ich auch hier mitfahren.
Mal ein großes Lob an die Bahn, die trotz dem Chaos total unkompliziert reagierte. Danke!
Mit etwas Verspätung war ich dann endlich um 4 Uhr in den Federn.
Was für eine Odyssee!
Text/Fotos: Pressi









































