Stadion Pod Vardom
Zuschauer: 600
Eigentlich sollte mit dem
Länderspiel von Bosnien Schluss mit Spielen sein, doch es kam anders… Aus
Zenica wollte ich am Sonntag kurz in die Stadt Travnik vorbeischauen bevor es
dann nach Sarajevo gehen sollte. Travnik liegt mitten in Bosnien, blieb aber
relativ verschont von den Kriegsschäden. Die Stadt ist vor allem für die
mittelalterliche Festung bekannt, von welcher man einen wunderbaren Blick auf
die gesamte Stadt hat. Bosnien und Herzegowina ist leider definitiv kein
Zugland… Auch zwischen den Großstädten sind die Zugverbindungen nämlich sehr
mau, was wohl auf die gebirgige Landschaft und Folgen des Krieges zurückzuführen
ist. Jedoch fahren die Busse sehr gut und so ging es für mich mit einem
Linienbus nach Travnik.
Nachdem ich in der Festung vorbeigeschaut hatte, lief ich
in der Altstadt rum und bemerkte Plakate mit Spielankündigung für das heutige
Zweitligaspiel des NK Travnik. Schnell habe ich nachgeforscht, ob vielleicht
auch näher zu Sarajevo gespielt wird und auch glücklicherweise mit einem
Heimspiel des Bergarbeiterclubs Rudar Kakanj fündig geworden. Die Freude über
das zusätzlich gefundene Spiel war selbstverständlich riesengroß! Übrigens wie
vielleicht dem einem oder anderen bekannt sein dürfte, besteht der
dezentralisierteste Staat Europas aus zwei Teilstaaten. Diese Besonderheit hat
auch eine Auswirkung auf den Fußball, indem jeder Teilstaat eine eigene zweite
Liga besitzt. Eine Liga für die Föderation Bosnien und Herzegowina und die
andere für Republika Srpska. 10 Jahre lang wurde die Liga der Republika Srpska
sogar separat ausgetragen und war somit die höchste Spielklasse in dem
serbischen Teil des Landes, was jedoch von UEFA nicht anerkannt wurde. Erst
2002 wurde diese in das Ligasystem des Staates Bosnien und Herzegowina
eingegliedert und entspricht nun der zweithöchsten Liga. Die Meister der beiden
zweiten Ligen steigen direkt in die staatsübergreifende Premijer Liga auf. So
sind die Hausherren aus Kakanj auch einer der mehreren Anwärter für den Aufstieg
in die höchste Spielklasse gewesen.
Also wieder ab in den Bus und
eine Stunde nach Kakanj gefahren. Nach einem kurzen Spaziergang durch die Stadt
und einer Mahlzeit war schon der Anpfiff des Spiels nähergekommen. Für
umgerechnet 1,5 Euro gab es eine Eintrittskarte mit freier Platzwahl. Das
Stadion besteht aus einer Haupttribüne mit Sitzschalen einer Gegengerade mit
Stehstufen. An sich also nicht besonders, wenn es die Landschaft bzw. Gegend
außen rum nicht gäbe... So hinterlässt es dann doch einen netten Eindruck. Auf den Rängen versammelten sich relativ
viele Leute und es gab sogar zwei Fanblöcke... Ja, wieder begegnen mir zwei
Fanblöcke bei einer Szene. Diese Tendenz scheint wohl leider immer weiter und
überall beliebt zu werden. Auf der Gegengerade hinter der Gusari-Fahne waren wenige
ältere Fans mit ihren Kindern, welche ab zu einzelne Schlachtrufe von sich zu
hören gaben, anwesend. Auf der Haupttribüne befand sich dagegen der Block der
Green Firm (GF), welcher mit über 20 Mann besetzt war. Die Jungs gehen dann schon
mehr die Ultras-Schiene, was ich nicht nur am durchgängigen und geschlossenen
Support, sondern auch an einigen Graffitis in der Stadt feststellen konnte.
Nach dem torlosen Spiel machte
ich mich auf den Weg weiter in die Hauptstadt, wo am Montag dann
Sightseeing angesagt war. Am Abend reiste ich dann in den Norden nach Tuzla,
woher am nächsten Tag mein Wizzair-Flug nach Nürnberg startete.

















