Serie B
Stadio Mario Rigamonti
Zuschauer: 9387 (ca. 1000 Gäste)
Zum Abschluss der Italien-Reise
stand auch das beste Spiel der Tour an - Derby del Garda: Brescia – Hellas
Verona. Beide Städte gehören zwar zu verschiedenen Regionen (Lombardei bzw.
Venetien), sind aber weniger als 80 km voneinander entfernt und nahe dem
Gardasee (deswegen die Derbybezeichnung) Während für Brescia es das Spiel der
Saison darstellt, gibt es für Hellas auch noch das Derby del Veneto gegen
Vicenza, was aber das Aufeinandertreffen gegen Brescia in keiner Weise weniger
unbedeutend macht.
Für mich ging es am Sonntagmorgen
aus Mailand mit der Regionalzug nach Brescia. Mit Schließfächern gibt es an
italienischen Bahnhöfen ein Problem und so musste ich schon das zweite Mal mein
Gepäck in einem Hotel verstauen. Da das Spiel schon um 15 Uhr war und ich zur
Sicherheit die Karte möglichst früh kaufen wollte, hatte ich nicht allzu viel
Zeit, um mir die Sehenswürdigkeiten anzuschauen. Dennoch konnte ich mir doch
ein Bild von der Stadt machen und fand es doch ganz cool dort.
Mit der Metro
ging es somit mehr als zwei Stunden vor dem Spiel schon zur Station Casazza,
wovon es dann ca. 5 Minuten Fußweg zum Stadion ist. Es trägt seit der
Fertigstellung 1959 den Namen des Ex-Spielers vom AC Turin Mario Rigamonti. Der geborene Brescianer
ist bei einem Flugzeugabsturz 1949 mit der fast gesamten Mannschaft des Grande
Torino ums Leben gekommen. Der Ground ist an sich trotz der vorhandenen
Stahlrohrbauten ganz gut. Erstens ist es die Gegend: Das Stadion liegt in der
Wohnsiedlung und von den Tribünen aus genießt man einen tollen Blick auf die
Berge der Lombardei. Teilweise erinnert es sogar an die Aussicht in Aue mit den
kleinen Gartenhäusern auf dem Hügel. Zweitens ist es das einzigartige Flair
durch die Betonbänke, diese befinden sich leider mit Ausnahme des Gästeblockes
in den heutzutage gesperrten Bereichen. So was habe ich bis jetzt auch noch nie
gesehen. Normalerweise sind die Bänke aus Holz, Metall oder Kunststoff, aber
diese aus Beton vermitteln gar das Gefühl der Antike. Einzig was dennoch blöd
wirkt, sind die draufgebauten Stahlrohrbereiche auf der Gegengerade und die in
identischer Bauweise errichtete neue Nordkurve.
Für 22 Euro kaufte ich mir ein Ticket für die
Tribuna Laterale (seitlich auf der Haupttribüne), um beide Heimblöcke und den
Gästeblock im Blickwinkel zu haben. Die Fans aus Verona waren massenhaft
angereist und waren die ganzen 90 Minuten über fleißig am Supporten. Mehr als
die Hälfte war durchgängig beteiligt, zwischendurch konnte aber auch die ganzen
1000 Gäste mitgerissen werden.
Die Curva Nord war heute ausverkauft und waren
zuerst komplett still. Die Jungs befinden sich nämlich wegen Unzufriedenheit
mit der Leistung der Mannschaft schon länger im Boykott. In der 15. Minute wurde in der Kurve eine
riesige Blockfahne ausgerollt und ordentlich mit dem Support losgelegt. Erst
war noch die ganze Tribüne mit 2000 Mann daran beteiligt, was sehr
beeindruckend wirkte. Die Stimmung flachte aber wegen der Leistung der eigenen
Mannschaft, die in der 35. Minute ein Gegentor bekam, schnell ab. Ab und zu
konnte aber jedoch trotzdem wieder an die Glanzleistung vom Beginn angeknüpft werden. Ein paar Mal gab es etwas blauen Rauch in der Kurve zu sehen, sonst waren einige Schwenker fast ständig im Einsatz. Wie ich an
der Schalparade am Ende des Spiels gemerkt habe, sollen anscheinend heute
einige Nürnberger anwesend gewesen sein. Wie bekannt verbindet die Ultras Nürnberg mit
Curva Nord eine lange Freundschaft.
Der kleinere Heimblock auf der
Gegengerade rollte dagegen am Anfang eine Blockfahne aus und war anders als die Curva
Nord gleich ab Beginn aktiv. Gehört habe ich diese aber während den ganzen 90
Minuten kaum bzw. selten, auch wenn optisch dort immer wieder Bewegung zu sehen
war.
Nach dem Spiel fuhr ich dann weiter nach Bergamo, wo am nächsten Morgen der Flug nach Deutschland startete.


















