Estádio Dom Afonso Henriques
Zuschauer: 27 212 (ca. 4500
Portuenser)
Schon lange wollte ich das Land
Portugal besuchen. Mein Interesse dafür besteht seit dem sensationellen Champions
League Sieg des FC Porto. Erst heuer kam es zu einer Reise dorthin und so ging
es mit TAP Portugal für eine Woche auf die iberische Halbinsel. Am Freitag
widmete ich mich dem Sightseeing in Porto und am Samstag ging es auch schon zum
Fußball.
Mit der Stadtbahn sollte es in
die 40 km weite Stadt Guimaraes gehen. Für ca. 6 Euro gab es eine Karte mit
Tickets für die Hin- und Rückfahrt, welche dann nur noch jeweils vor der
Abfahrt validieren werden mussten. Guimaraes hat jedoch nicht nur fussballmäßig
was zu bieten, denn es handelt sich dabei um die erste Hauptstadt des Landes.
Somit bringt es auch kulturelle und historische Wertigkeit mit. Die Stadt
selbst sieht sich stolz als die „Wiege der Nation“, da sie in dem Unabhängigkeitsjahr von Portugal die Hauptstadt des neugegründeten Landes war. Der erste König soll
nämlich vermutlich aus Guimaraes abstammen, sodass in der Stadt dieser Bezug oft
präsentiert wird, selbst auf dem Vereinswappen des Vitoria SC ist seine Statue
abgebildet und das Stadion auch nach ihm benannt. Zu den Sehenswürdigkeiten
gehört die Altstadt, welche zur Welterbe der UNESCO gehört, die ein Tausend
Jahre alte Burg Castelo de Vimaranes und der Berg Serra da Penha. Nachdem wir
schon um 12 Uhr mittags in der Stadt waren und die Eintrittskarten für das
Spiel besorgt hatten, konnten wir alle drei Sachen ansehen und uns von der
Schönheit der Stadt überzeugen lassen. Vor allem Serra da Penha ist einen Besuch
wert. Mit der Seilbahn geht es auf den sogenannten Felsenberg, wovon eine
wunderbare Sicht auf die ganze Stadt und Umgebung besteht.
Das Stadion, welches zwei
Gruppenspiele der EM 2004 empfangen hat, ist zwar modern, besitzt dennoch
Charme und ein gewisses Etwas. Es ist aber in meinen Augen jetzt allgemein so,
dass die Stadien der damaligen EM eigentlich alle einzigartig sind. Da es nah
am Zentrum liegt, waren wir schon eine Stunde vor Anpfiff drin. In der
Nordkurve machte sich die Porto-Fans breit. Aufgrund der kleinen Entfernung zwischen
den Städten waren die Dragões (Drachen) ordentlich angereist. Die beiden Ränge
der Kurve waren fast voll. Die Portuenser sangen sich ein und flaggten schon
auf. Sowohl oben als auch unten wurde die Zaunfahnen der bekanntesten Ultragruppierung
Super Dragões aufgehängt, im Unterrang war daneben auch noch die Fahne der
anderen Gruppe Collectivo Ultras zu sehen. Langsam marschierten auch die
Heimfans der Gruppierung White Angels und flaggten bei sich in der Südkurve
auf. Langsam begannen auch Hassgesänge und dann als der erste Böller aus dem
Gästebereich geworfen wurde, ging es los. Die Leute auf der Gegengerade, wo
auch ich in der Nähe vom Gästeblock Platz nahm, sprangen emotional auf und
rannen zur Gästekurve. Einer traute sich auch auf den Zaun und lieferte sich
einen Schlagabtausch mit einem Portuenser. Die anderen Heimfans waren dann mit
Werfen der Sitzschale sowie Pöbel der Gäste beschäftigt. Obwohl es jetzt kein
Derby für beide Seiten darstellt, habe ich dadurch schon gemerkt, dass eine
gewisse Brisanz bei diesem Duell vorhanden ist. Ein paar Minuten später ging
die Polizei dazwischen und es entstand jetzt ein Pufferbereich, welcher davor
nicht wirklich bestand. Beide Seiten waren nun heiß und lieferten sich nun
einen Kampf im Support. Im Heimbereich wurden zwei Blockfahnen mit den Zeichnungen
der Statue des Afonso Henriques, der heimischen Burg und der Ultras sowie einem
lateinischen Satz hochgezogen. Bei dem Vereinslied „Sou Vitória“ mit der
Melodie des „We are sailing“ und an folgenden Gesängen waren auch die Normalos
auf der Gegengerade sehr aktiv beteiligt. Von der Lautstärke war das Ganze dadurch
schon sehr bemerkenswert, so wie ich persönlich es in Portugal gar nicht
erwartet hätte. Gut, lang dauerte diese brutale Atmosphäre nun auch nicht:
Sobald die Gegengerade sich mehr auf das Spiel zu konzentrieren begann, war der
Gästeanhang an meinem Standort hauptsächlich zu hören. Dies würde ich aber keineswegs
der Heimtribüne vorwerfen, denn diese waren eben einfach nur zahlenmäßig den
Portuensern unterlegen. Grundsätzlich handelt es sich schon um eine
interessante und sehenswerte Fanszene. Hinter den Top-3 Clubs des Landes soll
diese nämlich an nächster Stelle stehen. Das Publikum in Guimaraes fand ich im
Allgemeinen sehr emotional: Bei jeder Kleinigkeit auf dem Spielfeld sind gleich
mehrere Dutzend Einheimischer aufgesprungen und auf übelster Weise auf die
Gegner und Schiedsrichter gepöbelt. Um es vorwegzunehmen, empfand ich dieses
Spiel stimmungsmäßig schon sehr genial und es bleibt definitiv in Erinnerung.
Auf der Gästeseite wurden für das
Intro blau und weiße Bänder im Unterrang gespannt und es waren über Dutzend
riesiger Schwenker und ein paar Bengalos im Einsatz. Wie schon erwähnt, waren
die Gäste massenhaft anwesend. Als eine Invasão (Invasion) bezeichneten es die
Portuenser selbst. Der Support war dementsprechend durch eine hohe Mitmachquote
hervorragend. Laute und melodische Gesänge fast ohne Pausen die 90 Minuten
durch. So habe ich mir jetzt den Support-Stil hier auch vorgestellt. Teils
waren die Melodien bekannt, teilweise aber neu für meine Ohren. In
Deutschland bin ich beispielsweise gar kein Fan vom melodischen Support, aber in
Portugal hat es mich schon angetan. Zu portugiesischer melodisch weicher
Sprache passt dieser Supportstil einfach, während zu deutscher harten Sprache
und Kultur in meinen Augen eben gar nicht. Den FC Porto mit seinen Super Dragões
muss ich auf jedem Fall noch bei einem Heimspiel ansehen…























