GASTBERICHT
II Liga
Stadion Miejski w Tychach
Zuschauer: 10.382
(186 Gäste)
Nachdem ich in der Vergangenheit häufiger
Spiele von GKS Tychy besucht habe und die Oberschlesier auch während des
Stadionneubaus und der damit verbundenen Verlegung der Heimspiele nach Jaworzno
einige Male gesehen habe, war ich aber immer noch nicht dazu gekommen, sie im
vor knapp einem Jahr eröffneten neuen Stadion zu sehen. Heute sollte sich
endlich die Gelegenheit bieten und zumindest spielerisch könnte es keinen
besseren Termin geben: Nachdem man die ganze Saison über Spiele gegen einfache
Gegner nicht gewann, hing der Aufstieg in die I Liga (zweithöchste Spielklasse)
nun vom letzten Spieltag ab.
Den ganzen Tag konnte man in der 130.000-Einwohner-Stadt
die Anspannung und Vorfreude auf das Spiel spüren. Schon vormittags zogen
kleinere Fangruppen durch die Straßen und ständig explodierte irgendwo ein
Böller.
Das neue Stadion an der Ulica Edukacji hat
leider nichts mehr mit seinem Vorgänger gemeinsam. Es ist beliebig mit einem
der anderen modernen 15.000er-Stadien austauschbar, die sich nur noch durch die
Sitzfarben unterscheiden. Einziger Pluspunkt ist der Gästeblock, der nicht wie
häufig in der Ecke versteckt ist, sondern großzügig bemessen und direkt
gegenüber der Heimtribüne mittig auf der anderen Hintertorseite liegt. Leider
blieb dieser heute aufgrund des Auswärtsverbots der Gäste leer.
Zu Gast war der Tabellenerste Stal Mielec,
der sich den Aufstieg bereits sichern konnte. Wie schon beim Spiel gegen
Polonia Bytom mit denen GKS Tychy ebenso wie mit Mielec in früheren Zeiten eine
Freundschaft pflegte, organisierten die Gastgeber aus der „Schlafzimmerstadt“
den Gästen jedoch ca. 200 Karten für den Bereich im Eck an der Gegengeraden -
also genau dort, wo ich heute saß... Ein paar Bilder von ihnen konnte ich
trotzdem machen.
Obwohl die Gäste aus dem Karpatenvorland
äußerlich zumeist nicht an eine spaßige Ausflugsgruppe erinnerten, war die
letzte Auswärtsfahrt für sie wohl nichts anderes mehr. Sie kamen gut gelaunt,
aber ohne Zaunfahnen oder Trommel. Sie feierten den schon sicheren Aufstieg und
machten das ganze Spiel mit einzelnen Anfeuerungsrufen auf sich aufmerksam.
Bei den Heimfans, wo es heute um alles oder
nichts ging, wurde eine wirklich beeindruckende Lautstärke erreicht, auch wenn leider
nicht immer, wie sonst in Polen üblich, die komplette Hintertortribüne
mitmachte. Trotzdem schön zu sehen, wie viel Potential der Verein eigentlich
hat - zu Viertligazeiten oder vor allem als man noch in Jaworzno spielte,
versammelten sich selten mehr als 200-400 aktive Leute im Heimblock. Und wie
Erfolgsfans wirkte der Großteil vom Aussehen her heute auf keinen Fall.
Mitte der ersten Halbzeit gab es eine
Blockfahne und den sinngemäß übersetzten Spruch "Bärenhunger auf
Pyro", dazu wurden erst Bengalos, dann Breslauer und Stroboskope
angezündet. In der zweiten Halbzeit machte dann oft das ganze Stadion mit. Spätestens
nach dem 1:0 in der 76. Minute aus 30 Metern hatte jeder Gänsehaut und rastete
bis zum Schluss aus. Ein wenig enttäuscht war ich, dass der hart erkämpfte
Aufstieg nach Abpfiff im Stadion nicht außergewöhnlich und von allen gemeinsam
gefeiert wurde. Stattdessen verteilten sich die bis in die Nacht andauernden
Feiern später über die Stadt.
Nach Spielende versuchten noch ca. 50
Polizisten, ausgerüstet mit Tränengas und Gummigeschossen, hinter dem
Heimbereich jemanden festzunehmen, der wohl beim Abbrennen von Feuerwerk im
Stadion über die Kameras identifiziert wurde. Die Polizei wurde im Sekundentakt
mit Böllern beworfen und antworte mit Tränengas und Schlagstockeinsatz. Wie die
Sache am Ende ausging, habe ich aber nicht mehr mitbekommen.
Da es mit Sicherheit nicht mein letztes
Spiel beim Bergarbeiter-Verein GKS Tychy war, werde ich auf jeden Fall zukünftig
auch Spiele anschauen, die aus fantechnischer Sicht noch interessanter sind. In
der I Liga warten jetzt mit GKS Katowice, Górnik Zabrze und Zagłębie Sosnowiec
jede Menge Gegner für spannende Derbys.
Text/Fotos: Johannes